BIKE Transalp 2016: Fünf Freunde sollt ihr sein (Teil 1)

Irgendwo im Nirgendwo zwischen Nürburgring und Mosel nimmt der Kapitän der Landstraße sein Wohnmobil entgegen und das Kindermädchen im Kapitän zwei seiner Transalp-Schützlinge. Ich habe ein Bild von solch einem Kapitän der Landstraße vor Augen. Ungepflegt muss er aussehen, darum habe ich bereits vor zwei Wochen das Rasieren eingestellt.

Es ist DER Freitag, an dem die Erfüllung eines Lebenstraums von 4 Fahrern des Teams Radon Jenschura seinen Anfang findet. Zwei – Zwei – Eins, das ist unsere taktische Aufstellung. Die genauen Aufgaben sind klar umrissen, Angriff – offensives Mittelfeld – Verteidigung und Tor.
Man bemerkt unschwer, es soll zur Sache gehen. „Erlebnis vor Ergebnis“ steht eine Woche lang hinter den sportlichen Ambitionen meiner vier Transalp-Velotisten zurück.

Freitag

Auf geht es zum Abenteuer „Craft BIKE Transalp sponsored by Sigma“. Während ich durch die Nacht jeden Kilometer einzeln hinter dem Lenkrad runterzähle, lege ich die 650 km zum Startort der Transalp in Imst/Österreich zurück. Meine Jungs, Tim Greis und Jens Krämer nutzen die Zeit, die ihnen noch bleibt, zur mentalen Vorbereitung auf den körperlichen Burnout durch sportive Ekstase bei der Überquerung des Alpenhauptkamms auf 7 Etappen bis nach Acro nahe dem Gardasee. Dabei werden bestimmt einige Kilometer- und Höhenmetermarken der Ergebnisfahrt in bleibender Erinnerung bleiben.

Team1 Radon Jentschura, Tim Greis/Torben Fibich

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#1 Team1 Radon Jentschura, Tim Greis/Torben Fibich

Team2 Radon Jentschura, Markus Schuhen/Jens Krämer

#2 Team2 Radon Jentschura, Markus Schuhen/Jens Krämer

Samstag

Imst in Österreich ist Startort zur 2017er Ausgabe der Transalp. Erstmalig findet der Start nicht in Deutschland statt. Torben Fibich und Markus Schuhen komplettieren unsere Gruppe. Jetzt sind wir verdammt, einkaserniert in ein kleines Wohnmobil, 5 Freunde zu sein. Wir sind uns des Konfliktpotenzials bewusst, das innerhalb einer Woche körperlicher und mentaler Höchstleistungen eine Gruppe sprengen kann. Zum Glück besteht die Gruppe aus Männern, das macht im Ernstfall einiges einfacher. Das Wetter hält sein Versprechen und zeigt sich heiter bis sonnig. Ein erstes kleines Anfahren zeigt uns, was im großen Stil auf alle Beteiligten in den nächsten sieben Tage hereinbricht. 700 hm auf 7 km und dann ein Trail vom Feinsten auf den abschliessenden 5 km wecken Lust auf mehr.
Ein bisschen Arbeit gibt es auch noch zu erledigen, Startunterlagen und Presseakkreditierung in Empfang nehmen und hier und da bekannte Gesichter begrüßen.

Letzte technische Überprüfung des Materials

#3 Letzte technische Überprüfung des Materials

Erste Etappe, erster Erfolg mit dem dritten Platz für Nutrixxion Focus RAPIRO Racing
#4 Erste Etappe, erster Erfolg mit dem dritten Platz für Nutrixxion Focus RAPIRO Racing

Jan Kaliciak von Herzlichst Zypern genießt das Bad in der Sonne ohne Sonnencreme. Wir haben ihn dann mal weggeräumt.

#5 Jan Kaliciak von Herzlichst Zypern genießt das Bad in der Sonne ohne Sonnencreme. Wir haben ihn dann mal weggeräumt.

Sonntag, Imst – Nauders, 88,85 km/2.960 hm

5:50 Uhr: der Wecker verkündet, das ein Arbeitstag und kein Urlaubstag beginnt. Geordnetes Chaos bringt Jens zum Rotieren. Statt “Ordnung ist das halbe Leben” gibt es mit mir “Chaos regiert die Welt”. Es gibt soviel zu tun von Frühstück bis Abwasch, dass niemand Zeit hat, sich Sorgen über den kommenden Tag zu machen.

Startblock A1, erste Etappe von Imst nach Nauders über 89 km/2.800 hm. Meine Jungs sind jetzt doch so ein kleines bisschen aufgeregt. Besonders Jens macht sich so seine Gedanken. Während er und ich gestern beim Anfahren lustig mit einem 170er Puls jongliert haben, fuhren Tim und Torben gelangweilt mit einem 120er Puls hinterher. Ganz vorne steht Glanz und Gloria des Mountainbikesports. Platt, Huber, Hynek, Lakata, Kaufmann, Käß, Pernsteiner, Geismayr, Bigham, Stiebjahn, Frey, die vorderen Teams der Startaufstellung werden wohl auch die ersten zehn Plätze der Gesamtwertung unter sich ausmachen.

Startschuss, alle sind weg, und für mich fängt die Wettfahrt nach Nauders an. Der einzige Campingplatz, den wir nicht buchen konnten, muss schnell erreicht werden. Hallo, wer hat meine Brücke so in Unordnung gebracht. Erst heißt es, die Restarbeiten zur geordneten Abfahrt durchzuführen. Halbe Stunde? Schaffst du schon? Mein Chaos regiert den Campingplatz.

“Die Karawane zieht weiter, der…” Ein Lindwurm von Wohnmobilen und Transportern zieht sich entlang der Strasse nach Nauders am Reschenpass. Sieger, ich habe einen der letzten Stellplätze mit Strom erobert. Aufbauen, schön machen, die Uhr sagt, gleich kommen die Ersten im Zielbereich an. 6 km schönsten Rad-Wanderweg führen mich nach Nauders, während ein entspannt aussehender Alban Lakata und ein Christian Hynek an mir vorbei schlurfen. So sehen Sieger aus. 54 Minuten nach Alban und Kristian tauchen Tim und Torben im Zielbereich als 52. gesamt/ 35. Ak auf.

Es findet sich immer eine Möglichkeit zum Einsauen.

#6 Es findet sich immer eine Möglichkeit zum Einsauen.

Team Herzlichst Zypern, die deutschen Marathonmeister Silke Ulrich/Sascha Schwindling und Jan Kaliciak/Phillip Maiser

#7 Team Herzlichst Zypern, die deutschen Marathonmeister Silke Ulrich/Sascha Schwindling und Jan Kaliciak/Phillip Maiser

Torben hat Krämpfe, er hat zu wenig getrunken. Tim hätte schneller fahren können. Das lange Warten auf Markus und Jens beginnt. Im Ziel weiss Jens jetzt, dass Waterloo nicht nur ein Song der Gruppe ABBA ist, sondern auch der Inbegriff des persönlichen Scheiterns. Das war eine echt harte Nummer für unseren Kurzstreckenliebhaber. Eine finale Verzweiflung bei ihm macht sich breit, er braucht jetzt Zuneigung. Jetzt fängt mein Job an. Die Jungs müssen etwas aufgepäppelt werden und die Räder schreien schon wieder nach Wartung. Zwischen Simplon und Cannondale lege ich Hand ans welke Männerfleisch. Olivenöl ist für alles gut, auch als Massageöl. Und die Massagen sind auch nötig, zumindest bei den glorreichen Streitern.

Nachdem Roß und Reiter versorgt sind, ergibt sich die Gelegenheit, die Einladung zur Pastaparty wahr zu nehmen. Ich sage dazu mal: spektakulär. Mit der Bergkastelseilbahn geht es nach ganz oben. Es gibt doch nichts Schöneres, als der Sonne beim Verlassen des Tages Gesellschaft zu leisten. Wie gesagt, spektakulär.

Tim kriegt alles kaputt

#8 Tim kriegt alles kaputt

Da sind gute Zähne zum Richten gefragt, Zahn um Zahn.

#9 Da sind gute Zähne zum Richten gefragt, Zahn um Zahn.

Tim Greis zum heutigen Tag:

Rote Ampeln im Rennen? Beim Skispringen unverzichtbar, aber im MTB-Sport eher unüblich. Heute jedoch die Regel, passiert auf dem 10 km Überführungsstück über blanken Asphalt. Da war diese Ampel an dieser Baustelle. Ich regele das auf dem kurzen Dienstweg und überfahre sie einfach. Die anderen der Gruppe folgen, einige murren, fügen sich aber. Die Möglichkeit das einer petzen geht, besteht. Ich hab jetzt Angst…

Erst das Material, dann das welke Fleisch.
#10 Erst das Material, dann das welke Fleisch.

Der höchstgelegene Campingplatz Österreichs am Reschenplatz.

#11 Der höchstgelegene Campingplatz Österreichs am Reschenplatz.

Nauders, wo die Berge den Himmel küssen und der Gaumen nach Kohlenhydraten verlangt.

#12 Nauders, wo die Berge den Himmel küssen und der Gaumen nach Kohlenhydraten verlangt.

Montag, Nauders – Scuol, 56,17km/2126hm

Ich erkläre nicht nochmal, was um 5.50 Uhr passiert. Nur soviel, dass eine gewisse Routine das Chaos in Nauders minimiert. Die Taktikbesprechung ergibt, dass ich nochmal mit der Bergkastelseilbahn hoch fahre und dort an der Mittelstation die Jungs mit neuen Trinkflaschen versorge. Zu meiner Überraschung darf ich mein Rad mitnehmen. So stehe ich da oben bei herrlichstem Sonnenschein und schaue mir die Meute an, wie sie an mir vorbei zieht. Ich habe mich beim Genuss des Bergpanoramas voll gesabbert und sammele nebenbei leer genuckelte Trinkflaschen ein. Mit der Seilbahn wieder runter? Nein auf keinen Fall, ich muss mit dem Bike runterfahren. Alles andere wäre ja wie Sekt aus einer Schnabeltasse zu trinken. Meine Frage an mehrere Streckenposten, wie ich am besten Richtung Reschenpass komme, ist einfach beantwortet: Immer den Startnummern hinterher. So schnell komme ich zu ein wenig Competition und das 29+ zu seiner Reifeprüfung. Günstigerweise liegt die MAXXIS Enduro-Challenge auf dem Weg und somit die Chance auf einige tolle Bilder und ein Erlebnis der dritten Art:

Bob der Baumeister

#13 Bob der Baumeister

Läuft da das Double von Bob dem Baumeister über den Trail, die Arme voll mit Lastgurten. Daraus ergab sich folgendes Gespräch:

Er: “Hör mal, wie lange fahrt ihr noch hier?”
Ich: “Wieso, was machst du überhaupt hier?”
Er: “Gleich kommt der Hubschrauber, um die Rohre abzuholen!”
Ich : “Wie Rohre, welche wo und wann?”
Er: “Die zwei, die da vorne liegen.“
Ich: “Da sind wir schon lange wieder weg.”
Er: ” Wo fahrt ihr denn hin?”
Ich: “Zum Gardasee.”
Er: “Heute?”
Ich: “Nee, am Samstag.”
Er: „ Ah, da habt ihr ja noch Zeit!“

Die Ruhe vor dem Sturm. 2. Etappe, Verpflegung nach dem ersten Anstieg über 10km.

#14 Die Ruhe vor dem Sturm. 2. Etappe, Verpflegung nach dem ersten Anstieg über 10km.

Der Kampf um den letzten Meter, Max Friedrich/Stefan Danowski toMotion Racing
#15 Der Kampf um den letzten Meter, Max Friedrich/Stefan Danowski toMotion Racing

Servicepunkt Betreuer

#16 Servicepunkt Betreuer

Ich fotografiere so viel, dass ich im Ende des Felds lande und mal erleben darf, was Genusshobbyfahrer unter der BIKE Transalp verstehen. Ein Grinsen im Gesicht, eine Brotzeit und ein Fotostopp an jedem Hotspot der sich anbietet, vom Blümchen bis zum Bergpanorama.
Zurück auf dem Campingplatz heißt es jetzt aber Gas geben, sonst stehen die Recken ohne Bleibe im Ziel in Scuol rum.

Operation Navigationssystem beginnt. Es heißt Günther. Ich sage Günther wo ich hin will, Günther gibt Antwort und führt mich nach Italien, obwohl ich nach Scuol in der Schweiz will. Nun gut, das heißt ja nicht umsonst hier Dreiländereck. Er sagt rechts, und ich fahre auf die rechte Seite des Reschensees. Weitere Anweisungen, rechts in die Felsen zu fahren ignoriere ich. Wenden kann ich nicht und Günther meint: geradeaus geht auch. Die Straße verliert mit zunehmender Anzahl der Spitzkehren auch ihre Breite, bis ich die Randsteine mit meinem Camping-Bomber von rechts nach links ausfülle und hoffe, dass mir niemand entgegen kommt. Irgendwann kommt ein Abzweig Reschneralm und ich bin dankbar, dass Günther ein „geradeaus“ erklingen lässt.

Ich bete, dass mir niemand entgegen kommt. Leider verloren, zum Glück ist eine Ausweichbucht in der Nähe. Ich habe einen wunderbaren Blick auf den Reschensee, auch auf die gut ausgebaute Bundesstraße auf der anderen Seite. Nachdem Günther, das Navi, mich 10 Minuten später genau auf dieser Strasse zurück nach Österreich schickt, reißt mir der Geduldsfaden und Uschi das Iphone-Navi betritt die Bühne der Aufführung „Lost in Frustration“. Uschi sagt mir, dass Günther jetzt auf dem richtigen Weg ist. Das ist schön. 20 km und 345 Spitzkehren weiter bin ich in der Schweiz. Günther sagt, dass ich auf einer nicht autorisierten Strecke fahre. Uschi sagt: Günther, halt’s Maul. Ich widerspreche nicht und vertraue auf Uschi. Meine Weltreise durch drei Länder endet glücklich in Scuol/Schweiz, wo man mich schon sehnsüchtig winkend erwartet. Sitzen die Jungs da rum und nehmen Fußbäder beim Teamsponsor Jentschura. Hauptsache keine Langeweile, und heute lief es für alle auch besser als gestern. Das Team ist bei der Transalp angekommen.

#17 Die Resi, Petra Zeller, auf der MAXXIS Enduro Challenge der zweiten Etappe.

Panzersperren am Reschenpass.
#18 Panzersperren am Reschenpass.

Panorama Reschensee
#19 Panorama Reschensee

Torben Fibich zum heutigen Tag:

Bei der BIKE TransAlp sollte man eigentlich davon ausgehen, dass es vom zu überwindenden Gelände etwas anspruchsvoller wird. Und das ist es auch. Allerdings spreche ich nicht von den zu bewältigenden Höhenmetern, welche sicherlich auch eine Erwähnung wert wären. Nein, ich schreibe von den Metern bergab. Als ambitionierter MTBler, der ja schon ein paar Marathons absolviert hat, geht man eigentlich ganz locker die BIKE TransAlp an. Vor allem, weil man denkt, dass man bergab doch relativ beschlagen ist. ENDURO-Wertung? Ach, alles halb so schlimm! Bei so viel Leuten kann der Veranstalter hier doch nix Schwieriges einbauen. Das ganze relativiert sich jedoch, wenn vor einem ganz überraschend ein verblockter Abhang erscheint: Man sieht Bäume, Wurzeln, Steine so groß wie Fussbälle, ach ja und da könnte ja auch noch ein Weg, ach was, eher ein Klettersteig sein.

Die Gedanken sind noch nicht zu Ende formuliert. An eine Linie suchen war noch gar nicht zu denken, da kommt ein lauter Schrei von hinten, welcher mich freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam macht, nicht so viel zu denken und einfach da runter zu fahren, und das bitte etwas zügiger. Tja wir sind auch gefahren, allerdings nicht so schnell wie gewünscht und haben uns an einer Stelle, an welcher der Klettersteig nicht so deutlich zu erkennen war, zum Schieben entschieden. Und natürlich zum aus dem Weg gehen. Ach ja: der einzige Trost war, dass die besagte Stimme einen österreichischen oder schweizerischen Dialekt hatte.

3. Etappe, Thomas Engels, Team Peerkes und der große Durst am Ofenpass.
#20 3. Etappe, Thomas Engels, Team Peerkes und der große Durst am Ofenpass.

Sascha und Silke in der Verfolgung der Führenden Sally Bigham/Thomas Ben in der Mixed Wertung.
#21 Sascha und Silke in der Verfolgung der Führenden Sally Bigham/Thomas Ben in der Mixed Wertung.

Focus RAPIRO Racing, Sarah Reiners und Cemile Trommer auf Krawall gebürstet

#22 Focus RAPIRO Racing, Sarah Reiners und Cemile Trommer auf Krawall gebürstet

Dienstag, Scuol – Livigno 72,30 km/2.598 hm

Der morgendliche Ablauf hat sich an Tag 3 der BIKE Transalp ritualisiert, alles läuft so, als hätten wir nie etwas Anderes getan. Aufstellung, Briefing, Labber, Startschuss und weg sind sie. Heute geht es von Scuol in der Schweiz nach Livigno in Italien. Die Taktikplanung sieht vor, dass ich am Ofenpass zwischen den 2 Verpflegungsstationen meine Jungs versorge.

Ich reihe mich in den Tourtross ein und erreiche gerade noch die Passhöhe, als die Spitze in die MAXXIS-Enduro-Challenge abbiegt. Trinkflaschen sind aufgebaut und noch ein paar nette Bilder gemacht. Denn ich weiß: bevor nicht Jan Kaliciak durch ist, brauche ich mir keine Sorgen zu machen, zu spät an meiner Verpflegungsstelle zu sein. Abends sollte ich erfahren, dass Jan einen schlechten Tag hatte. Das führte dazu, dass Tim und Torben dreißig Sekunden, bevor ich die akkurat positionierten Flaschen am Straßenrand erreiche, schimpfend in den Trail verschwinden. Dazu gibt es dann noch das Foto des Tages, von hinten.

Also warte ich auf Markus und Jens. Fahrer an Fahrer zieht an mir vorbei. Einer biegt ab an die Cafeteria und bestellt einen Kaffee. Sein Teampartner beschimpft ihn übel auf niederländisch. Das alles prallt an ihm ab. Er wird unter Zuhilfenahme eines Betreuers zurück auf die Strasse gezerrt. Jetzt steht das Häufchen Elend auf der Strasse und schluchzt wie ein kleines Kind. Transalp, was machst du nur aus erwachsenen Männern. Nach einer weiteren lautstarken Aufmunterung seines Teampartners entscheidet sich der am Boden zerstörte Leistungssportler zum Weiterfahren. Tränen trocknen im Wind.

Nix Finish, nach der Enduro-Challenge folgen nochmal 40 km mit 1300 hm.
#23 Nix Finish, nach der Enduro-Challenge folgen nochmal 40 km mit 1300 hm.

Über den Dächern von Livigno...

#24 Über den Dächern von Livigno…
Markus kommt an, seine Zuckerwerte sind unterirdisch, aber Team Imst können mit Gels zum aufpäppeln aushelfen. Jens will keine Flasche. Meine restlichen Flaschen gebe ich an das Team Peerkes aus Holland ab. Da Niederländer zur Rudelbildung neigen, fülle ich alte Flaschen noch mal auf. Und wie ich da stehe, kommen nochmal zwei Teams von Peerkes mit der Zunge auf dem Asphalt vorbei.

Bildchen hier und Bildchen da, ich habe ja Zeit, Livigno ist nicht weit. Ist ja wie beim Pumuckl, alles was sich reimt ist gut. In Livigno angekommen beginnt diese elende Suche nach dem Campingplatz ohne Straßennamen. Der nette Carabinieri hilft aus und schickt mich ans andere Ende des Ortes. Wenn ich jetzt direkt mit dem Rad zum Ziel fahre, bin ich pünktlich. Aber wo ist das Ziel? Nirgends ist etwas zu sehen. Nur am Anfang des Ortes führt die Strecke der Transalp unter der Hauptstrasse durch.

Also erstmal 6 km zurück und hinter den Startnummern her. Ja, aber die Strecke führt gar nicht in den Ort, sondern wieder hinaus in einen deftigen Anstieg. Aus Angst, nie das Ziel zu finden, wenn ich sinnlos im Ort rumeiere, nutze ich doch lieber die Gelegenheit, noch ein paar Fotos zu machen. Anstrengende heiße 11 km mit 300 hm führen nochmal durch die Berge bei Livigno, bevor es Richtung Ziel geht. Meine Achtung vor den Fahrern steigt, nachdem was sich hier am Ende noch für Dramen abspielen. Die Jungs und Mädels sind einfach fertig. Diese letzte Passage ist wie Pestilenz nach 61 km und 2.300 hm.

...genießt nach der harten Etappe niemand mehr die Aussicht.

#25 …genießt nach der harten Etappe niemand mehr die Aussicht.

Die Sieger der 3.Etappe beißen nochmal richtig in den Lenker kurz vor Ende. Vroni Weiss/Naima Madlen
#26 Die Sieger der 3.Etappe beißen nochmal richtig in den Lenker kurz vor Ende. Vroni Weiss/Naima Madlen

Sarah und Cemile werde zwar nur Zweite auf der Etappe nach Livigno, sichern sich aber das Leadertrikot in der Damenwertung.

#27 Sarah und Cemile werde zwar nur Zweite auf der Etappe nach Livigno, sichern sich aber das Leadertrikot in der Damenwertung.

Noch schnell ein Bild vom führenden Damenteam Vroni und Naima, wie sie in den Lenker beißen, dann Schussfahrt ins Ziel. Genau im richtigen Augenblick, um die Bilder des neuen Leaderteams bei den Frauen zu machen: Sarah Reiners und Cemille Trommer, Team Nutrixxion Focus RAPIRO Racing. Ich bin nicht der Einzige, der stolz ist. In Windeseile hat sich die Nachricht im Netz über das erste Leadertrikot für unser Team Focus RAPIRO Racing verbreitet, sagenhaft. Sagenhaft auch die Leistungen meiner Jungs, die sich stetig in der Rangliste nach oben arbeiten. Tim und Torben kratzen auf Platz 32 an den Top 30, Markus und Jens behaupten auf Platz 88 eine Top 100 Platzierung.

Nach dem Rennen wird entspannt – beim Jentschura-Fußbad...

#28 Nach dem Rennen wird entspannt – beim Jentschura-Fußbad…

...oder in der Ruhezone.

#29 …oder in der Ruhezone.

Jens Krämer zum heutigen Tag:

Erst bin ich viel gewandert, dann kam die Schiebepassage. Können wir bitte einen Körperaustausch vornehmen?

Klischees gehören genau so zur Bike Transalp wie Öl auf eine Fahrradkette, darum dürfen in der Schweiz auf keinen Fall die Alphornbläser vor malerischer Kulisse fehlen. Damit verabschiede ich mich bei euch und empfehle euch den zweiten Teil meiner Transalp-Geschichte, der in den nächsten Tagen folgen wird.

Alphornbläser lassen keinen Zweifel aufkommen: wir befinden uns in der Schweiz, Scuol in Graubünden.

#30 Alphornbläser lassen keinen Zweifel aufkommen: wir befinden uns in der Schweiz, Scuol in Graubünden.