* Samenträger Mountainbike

Meine Augen wollen kein Tageslicht hereinlassen. Sie nehmen zunächst schemenhaft nur zerwühlte Kissen war. Ein leichter Kopfschmerz zieht sich über die Start-Ziel-Linie auf meiner Stirn und einsam seine Runden. Vielleicht hilft etwas Ablenkung im Internet.
Doch häufig verhilft das Lesen von Facebook-Postings zu Schmerzen der anderen Art. Der kurzweilige Zeitvertreib lässt meine Pupillen sich hektisch verengen. Wie ein belgischer Kreisel mit Velociraptoren. Und so weicht der Kopfschmerz rasch einer latenten Angst. Einer Angst vor Überfremdung…durch Neophyten (Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln wo sie vorher nicht heimisch waren).

„Samenträger Mountainbike“ heißt die Überschrift des Artikels im Wiesbadener Kurier vom 20.10.2015. Jetzt habe ich die ganzen Bilder im Kopf. Bilder von testosterongesteuerten Männern, auf ihren Carbon-Boliden an meinem geistigen Auge vorbei radelnd. Sind sie auf der Flucht? Was passierte auf dem Weg zur Samenbank? Werden diese armen Geschöpfe ihrem personifizierten Supergau begegnen. Werden sportophile Emanzen über diese Eiträger richten, wenn diese nichtsahnend und ohne Freigabe nun zu Samenträgern mutieren? Inmitten eines geistigen Rennabbruchs fühle ich die Tränen der Hilflosigkeit in den Augenwinkeln des einen oder anderen Bikers. Doch alles falsch, es kommt noch viel schlimmer: Nicht wir testoteronverschmierten Kerle sind die besagten Samenträger. Nein, wir sind nur Fluchthelfer. Die unserer Samen tragenden Karren, den Mountainbikes.

Zitat:
Wer mit dem Mountainbike durch den Wald fährt, transportiert dabei auch Pflanzensamen. Damit nehmen Radler möglicherweise unbeabsichtigt Einfluss auf die Ökosysteme.

Stimmt, seit der Varusschlacht wachsen vermehrt Olivenbäume rund um Kalkriese. Eingeschleppt wurden diese durch Samen an den Sandalen der Legionäre und deren Karren. Und nur durch den Fund dieser Neophyten konnte der genaue Weg der Legionen und der Verlauf der Schlacht rekonstruiert werden.

Jetzt mal Spaß beiseite. Der Artikel basiert auf einer Veröffentlichung des idw vom 03.09.2015. Das macht es aber auch nicht besser. Denn wenn ich so einen abstrusen Schwachsinn lese, mache ich mir um den geistigen Zustand in unserem Lande keine Sorgen mehr. Das Land der Dichter, Denker und Humanisten ist schon wieder komatös.
Und das passt – bedauerlicherweise – perfekt zur allgemeinen Verpegidasierung unserer Gesellschaft; die Berichterstattung muss in Deutschland populistisch sein, damit der Wutbürger nicht zum Denken angeregt wird.
Der Anti-Mountainbike-Fraktion gehen scheinbar die Argumente aus, dass jetzt schon die Flora als Beispiel für ihre Antipathien herhalten muss. Fluchtpflanzen leiden in Deutschland unter akuter Diskriminierung unabhängig von ihrer Farbe. Und Mountainbiker sind die subversiven Elemente, welche sich als Schleuser betätigen. Schande über uns Mountainbiker, dass wir die Grundsätze der Lehre zur reinen Natur so mit Füßen treten.

Im Selbstversuch erwies sich der Transport der Fluchtsamen am Unterrohr am effektivsten.
#1 Im Selbstversuch erwies sich der Transport der Fluchtsamen am Unterrohr am effektivsten.

Zitat:
Mountainbiker sollten daher auf den vorgeschriebenen Wegen bleiben. Idealerweise werden Rad und Reifen nach der Tour gereinigt. So lässt sich vermeiden, dass invasive Arten in empfindliche Ökosysteme getragen werden.

Aha, auf vorgeschriebenen Wegen findet die Invasion durch feindliche Pflanzen nicht statt. Wie funktioniert das? Hat man die Siegfriedlinie modifiziert? Oder schützt vielleicht ein Kraftfeld auf vorgeschriebenen/gekennzeichneten Wegen vor der unbeabsichtigten Fluchthilfe? Werden darum überall bei uns in der Gegend neue Gräben an den Wegen gezogen? Eine bundesweite Verschwörung findet statt, basierend auf dieser Studie.
Auch wenn Mountainbiker es immer bestreiten, sie fahren am liebsten durch unwegsames Unterholz. ERWISCHT!!! Und alles nur mit einem Ziel. Wir treiben die invasionäre Verbreitung des Riesenbärenklaus voran.
Der gerade eröffnete Gipfeltrail im Hochschwarzwald wird dann auch spätestens 2018 in Neophytentrail umbenannt. Damit hat der Schwarzwald wieder eine Attraktion mehr. Mountainbiking ist dort dann aber bereits endgültig verboten. Denn diese wurden eh nur als Fluchthelfer benötigt. So darf dann der besorgte Wutwanderer den eingeschleppten Pflanzenreichtum in aller Ruhe genießen.

Oder ist das ganze als Parabel zu verstehen? Eigentlich ist ja der Mountainbiker der Neophyt an und für sich. Wurde er nicht vor über 30 Jahren aus den USA nach Deutschland eingeschleppt? Steht der Mountainbiker nicht in einem aggressiven Verdrängungswettbewerb mit Wanderern, Jägern und Forstwirten? Was macht es da schon aus, wenn wir auch noch ein paar heimischen Gräsern ihren Lebensraum streitig machen. VERFLUCHTE BIKER!

Robust und lebenslang ansteckend, infizieren Mountainbiker die Kinder der Wanderer mit dem Bikevirus und dezimieren damit eine vom Aussterben bedrohte Art. Und wahrscheinlich will der Biker dem Wanderer sogar noch die Vesper und das Frauchen wegnehmen. Die besorgten Wutwanderer schließen deshalb nun die Reihen.
Vorurteile und falsche Behauptungen verbreiten sich schneller als indisches Springkraut. Der Populismus bricht sich Bann auf deutschen Forstwegen, wenn jetzt sogar die Wissenschaft den Kampf gegen die sogenannten Radvandalen unterstützt. Wird die Haiderisierung der Forstwege es durch die Willkommenskultur über die Grenze von Österreich nach ganz Deutschland schaffen? Im Moment kommt ja alles gute von Süden, wie man am Ursprungsort der Studie erkennen kann.

Je breiter der Reifen umso besser die Chance Samen über die maximal ermittelte Strecke aus der Studie zu transportieren.
#2 Je breiter der Reifen umso besser die Chance Samen über die maximal ermittelte Strecke aus der Studie zu transportieren.

Zumindest kann ich aus dieser erbärmlichen Situation noch Kapital mit meinen Geschäftsideen schlagen. Ich suche auf diesem Wege noch Menschen, die mich bei einer der drei Unternehmungen unterstützen wollen.

Ich eröffne einen Bike Wash mit Filtersortieranlage. 
Dort werden nach dem Bike Wash die mitgeführten Samen vom Waschwasser getrennt werden. Diese können dann als Saatgut verpackt und an Wanderer, zur (eigen)ständigen Verbreitung, verkauft werden.

2. Ich setze Mountainbikes als Saatmaschinen in der Landwirtschaft ein. 
Diese werden Emissions- und vor allen Dingen CO2-neutral eingesetzt werden. Somit kann die Klimabilanz Deutschlands um voraussichtlich 0,00456% verbessert werden.

3. Ich werde pseudo-patriotische Kondome produzieren. Bei der gequirlten Scheiße die sich deutschlandweit ausbreitet, wird die Bevölkerung unweigerlich auf den exzessiven Gebrauch dieser kleinen Gummis zurück greifen müssen. Dem Sorgen bereitenden Bürger muss durch den Einsatz pseudo-patriotischer Verhütung Einhalt geboten werden. Nur so ist der Verblödung einer ganzen Nation vorzubeugen!

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi