Rose Tusker 2 im Test: Fat 4 Race!

Der große Fatbike Test auf MTB-News hat im Frühjahr hat hohe Wellen geschlagen, viele Emotionen und viele Fragen ausgelöst. Die Frage, ob ein Fatbike racetauglich ist, wurde gar nicht erst versucht, ernsthaft zu beantworten. Denn das hört sich ja im ersten Moment auch an wie ein schlechter Witz.  Wir holen dies aber nun in einem „Fat 4 Race“ Fatbike-Dauertest nach.

Fatbike im Race-Test

Ob ein Fatbike einem Race-Hardtail oder Race-Fully das Wasser reichen kann, stand bis jetzt nicht zur Debatte. Zu groß sind die vermeintlichen Nachteile eines Fatbikes. Oder sind das alles nur Vorurteile? Die Antworten darauf versuche ich in den nächsten Monaten zu beantworten. Mich erwartet dabei ein breites Spektrum an Herausforderungen. Von der Ultralangdistanz eines 24h Solos über Marathonrennen, XC-Rennen und Enduro CTFs wird alles dabei sein.

Danke an Fräulein Stein von www.stein-art-online.de für die tollen Bilder!
#1 Danke an Fräulein Stein von http://www.stein-art-online.de für die tollen Bilder!

Nun ist die Auswahl an geeigneten Serien-Fatbikes unter 13,5 kg nicht sehr reichhaltig. Bei der Auswahl des Dickerchens gab es außer dem Gewicht noch ein paar Eckpunkte, die erfüllt sein sollten. Eine Starrgabel und eine 11fach X01/XX1 Schaltung würden meinen Vorlieben entsprechen und das Gewicht drücken. 4 Zoll Bereifung, wenn möglich den neuen Schwalbe Jumbo Jim als Testproband, wären meine Wahl. Und ganz wichtig, das Fatbike sollte verfügbar sein. Bis auf den letzten Punkt ließen sich auch alle Wünsche erfüllen. Die Verfügbarkeit von Fatbikes war/ist im Moment das große Problem. Darum starten wir erst jetzt, mitten in der Rennsaison, mit diesem Test.

Fahrer, Outfit, Fatbike, der Dauertest kann starten. "Fat für Race"
#2 Fahrer, Outfit, Fatbike, der Dauertest kann starten. „Fat für Race“

Das Rad, das mich von nun an begleiten wird, ist ein The Tusker 2 vom Onlineversender Rose.

Rose The Tusker 2: Kurz und knapp

Ausstattung

  • Rahmen: The Tusker, AL 7005, ab 2.6kg
  • Gabel: Rose Carbon
  • Laufräder: Rose Fatbike 26″ mit XD Drive
  • Reifen: Schwalbe Jumbo Jim Evo Snakeskin 26×4.0″
  • Kurbel: e13 TRS+ 30t
  • Schaltung: SRAM X01
  • Bremse: SRAM Guide R 180 mm
  • Sattelstütze: Easton EA70 ZERO
  • Sattel: Ergon SRX-30
  • Lenker: Race Face Turbine, 35 mm, 10 mm Rise
  • Griffe: Ergon GE1
  • Vorbau: Race Face Turbine 35 mm

Preis: 2.050 €

Geometriedaten

Rahmengröße M L
Federweg vorne 80 80
Größenempfehlung 160-182 183-200
Laufradgröße 26 26
Sitzrohrlänge 430 470
Oberrohrlänge 595 630
Steuerrohrlänge 125 135
Lenkwinkel 69° 69°
Sitzwinkel 73° 73°
BB Drop -50 -50
Kettenstrebenlänge 444 – 459 444 – 459
Radstand 1121 – 1136 1156 – 1171
Reach 414 447
Stack 590 600
Tretlagerhöhe 320 320
Überstandshöhe/100 mm vom Tretlager 677/706 701/712

Der erste Eindruck

Endlich kommt ein Paket kommt an. Erwartungsfroh öffne ich mein Überraschungsei und entlasse den Tusker (bedeutet übrigens Elefantenbulle) in die Freiheit. Der erste Eindruck ist prächtig. Da hat Rose ein wirklich eigenständiges Design konsequent und formschön umgesetzt. Der klarlackierte Rahmen zeigt sich bestens verarbeitet, die Carbongabel ein echter Hingucker. Und – ganz toll – es sind Schwalbe Jumbo Jim Reifen aufgezogen. Die drücken mit ihren rund 1.000 Gramm pro Stück das Gesamtgewicht enorm. Aber: ob sie auch im Rennen überzeugen können? Ich will es herausfinden.

Und ich kann es kaum erwarten, den Tusker zum ersten Mal auszuführen. Der Countdown läuft! In vier Tagen fahre ich bei Rad am Ring im PST-Racing-Team 8er mit. Dort soll der Tusker gegen mein 29er Scalpel Carbon 2 zum Rundenvergleich in den Ring treten.

Aber zunächst stehen noch ein paar kleine Umbaumaßnahmen an. Ich brauche eine Sattelstütze mit Setback, Easton raus, Crank Brothers 11 rein. Der Sattel wird auch noch gegen ein erprobtes 24h Modell getauscht und die Originalgriffe haben die falsche Farbe. Zu guter Letzt tausche ich, auf Empfehlung aus dem Fatbike-Unterforum, noch die schweren Originalschläuche gegen leichte Schwalbe 13F aus. Die Diät hat dem Elefanten gut getan, statt des Seriengewichts von 14kg inklusive Pedale und Trinkflaschenhalter, bleiben 13,2kg übrig.

Das ist zwar nicht die von mir angepeilte 12 vor dem Komma. Aber fast.

Die SRAM 11fach Schaltung fahre ich schon seit fast 2 Jahren aus Überzeugung.
#3 Die SRAM 11fach Schaltung fahre ich schon seit fast 2 Jahren aus Überzeugung.

Mal was anderes: schön und steif, die e*thirteen Kurbel mit 30 Zähnen
#4 Mal was anderes: schön und steif, die e*thirteen Kurbel mit 30 Zähnen

Die SRAM Guide überrascht durch ihre Bissigkeit.
#5 Die SRAM Guide überrascht durch ihre Bissigkeit.

Innen verlegte Züge und eine fette Carbon-Starrgabel garniert von pornösen Schweißnähten. Noch Wünsche?
#6 Innen verlegte Züge und eine fette Carbon-Starrgabel garniert von pornösen Schweißnähten. Noch Wünsche?

Wann geht es los?
#7 Wann geht es los?

Die Ausstattung

Die erste Ausfahrt, morgens im Dunkeln – 30 Kilometer. Fat läuft schneller als erwartet. Ich bin nur unwesentlich langsamer als sonst. Nur der Reifendruck ist mir etwas zu niedrig. Mit 0,5 bar schwimmt die Fuhre ein wenig auf festem Untergrund. Und wenn ich den Tusker schnell in die Kurve rein drücke, knickt mir manchmal der Hinterreifen leicht weg. Nachmittags dann auf die Trails der Nordeifel und hier zeigen sich dann die 0,5 bar als gute Wahl. Der Jumbo Jim liebkost jede Wurzel und jeden Stein auf dem Trail in inniger Umarmung. Der Grip ist ein Wahnsinn im Vergleich zu dem sonst gewohnten Material. Ich fahre Steigungen hoch, die ich noch nie zuvor befahren habe. Ich suche mir die schlechten Linien und gehe aus dem Sattel, alles easy. Der Tusker marschiert, und das auch noch schnell. Die X01 Schaltung kenne ich schon lange, und sie arbeitet auch hier perfekt. Race Face Vorbau und Lenker, mit üppigen 35 mm, sind wie erwartet supersteif. Eine Überraschung sind die SRAM Guide Bremsen. Mich als Liebhaber italienischen Leichtbaudesigns haut es fast vom Rad, so bissig ist die Vierkolbenanlage. Diese Bremse zu dem erstaunlich günstigen Preis ist eine echte Alternative zu manch teureren Bremse auf dem Markt. Hier stellt sich nur die Frage, ob die Bremsperformance das Mehrgewicht schlägt.

Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Schlamm, losem Schotter und nassem Asphalt kann der Jumbo Jim nichts abgewinnen. Dort schwimmt er auf, rutscht weg und schmiert ab. Nach 70 km Spaß habe ich die Erfahrung einer nassen Asphaltkurve dann auch am eigenen Körper testen dürfen und komme etwas zerfleddert nach Hause.

Erster Dauerteststopp "Rad am Ring".
#8 Erster Dauerteststopp „Rad am Ring“.

Das Rose Tusker im Renneinsatz

Rad am Ring 2015 soll den direkten Vergleich erbringen. In der schnellen Runde, rund um die Nürburg, gegen mein 29er Scalpel Carbon, werden am Ende die nackten Zahlen sprechen. Leider macht aber zunächst das Wetter uns allen einen Strich durch die Rechnung. Das Rennen wird um sieben Stunden verschoben und verkürzt.

Unser PST-Racing-Team 8er fährt um Platz 3 und somit fällt eine Fatbikerunde erstmal ins Wasser. Alle Fahrer kämpfen, es geht um alles, bis zum Ende. Deshalb fahre ich einfach eine Rennrunde außerhalb der offiziellen Zeitmessung, Alles, was geht. Und es geht was. Der Tusker ist schnell, und vermittelt in den Trail- und Wurzelpassagen eine unglaubliche Sicherheit. Da tausche ich gerne Race-Fully gegen das Fatbike. Aber auf den schnellen Asphaltstücken ist der Tusker nicht nur übersetzungstechnisch unterlegen, mit dem 30er Kettenblatt. Die entspannte Sitzposition ist ein Vorteil im Trail. Wenn es aber zur Attacke bläst, ist eine vorwärts orientierte Racegeometrie, zumindest gefühlt, schneller. Am Ende sind es gemittelt gute 2 Minuten, die der Elefant langsamer ist auf den 9km mit 120 hm. Damit reden wir von 10-12% Prozent Nachteil gegenüber meinem 10kg leichten Race-Fully. Das könnte man jetzt hochrechnen und mit den Augen rollen. Der Wert ist indiskutabel, wie es scheint. Aber Zahlen sind nicht alles: Beim anstehenden 24h Solo in Duisburg entscheiden auch andere Faktoren mit über Sieg oder Niederlage.

Magura 24h von Duisburg, im Landschaftspark Nord

#9 Magura 24h von Duisburg, im Landschaftspark Nord

Kurz vor dem Start, noch ist Zeit für ein gepflegtes und sauberes Gespräch mit Frank und Karsten.
#10 Kurz vor dem Start, noch ist Zeit für ein gepflegtes und sauberes Gespräch mit Frank und Karsten.

Das erste Mal mit Schwung die "Todestreppe" runter. Das ist definitiv ein Riesenspaß
#11 Das erste Mal mit Schwung die „Todestreppe“ runter. Das ist definitiv ein Riesenspaß

Solange der Schotter nicht in der Kurve liegt, liegt auch der Tusker satt auf der Strecke.
#12 Solange der Schotter nicht in der Kurve liegt, liegt auch der Tusker satt auf der Strecke.

Die Kritiker fühlen sich bestätigt. Es war doch abzusehen, dass der Tusker auf einer anspruchslosen Ballerrunde nicht mithalten kann. Eine Woche später stehe ich bei den Magura 24h von Duisburg im Landschaftspark Nord in der ersten Reihe der Solofahrer. Wir machen unsere Späßchen, auch über meine fetten Reifen. Rechts und links neben mir stehen nur dürre Topmodels. Aber so ein bisschen mollig bringt auf jeden Fall schon mal Aufmerksamkeit.

Letztes Jahr noch als fünfter bei den Männern das Rennen beendet, darf ich diesmal in der Masters-Kategorie starten. Am Start sind die üblichen Verdächtigen, das Podium fest im Auge habend. Einige wussten schon seit den 24h am Alfsee was ich vorhabe, schütteln aber immer noch mit dem Kopf. Ich fahre hier im Vergleich zu den Spitzenfahrern mit 4 Kilogramm Mehrgewicht durch die Industriekultur.

Der Start und die Staubspiele von Duisburg 2015 beginnen. Der Tusker rutscht. Ob es daran liegt, das neu geschottert worden ist, bezweifele ich. Der Reifen ist dafür einfach nicht gemacht und die 0,7 bar tun ihren Rest dazu. Aber soll ich auf 0,5 bar gehen ? Ich entscheide mich dagegen und passe meinen Fahrstil an. Die Schmalspurfahrer haben auch ihre liebe Not mit dem Grip auf Schotter. Alles in allem läuft es gut, man belächelt mich und oft werde ich gefragt: „Hast du eine Wette verloren?“ oder „Warum tust du dir das an?“. Ich finde es nicht schlimm, ich fühle mich wohl. Irgendwann wird das Rad schwammig, ich verliere Luft am Vorderrad. Nach 4 Runden ist der Tusker unfahrbar und der Originalschlauch hält wieder Einzug in den Mantel.

Hochofen mal anders.
#13 Hochofen mal anders. – Zur Verfügung gestellt von http://www.sportograf.com

Monte Schlacko bei Nacht.
#14 Monte Schlacko bei Nacht. – Zur Verfügung gestellt von sportograf.com

Es geht in die Nacht, es läuft. Ich liege erstaunlicherweise auf Platz 5. Meine durchschnittliche Rundenzeit liegt fast auf Scalpel-Niveau, das sagt doch wohl alles. Kann ich das bis morgen durchhalten? Ich blase nachts zur Attacke auf Platz 4. Das ist ein Spiel mit dem Feuer, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und ich gewinne. Am Morgen liege ich auf dem vierten Platz mit drei Runden Vorsprung. Dafür fühle ich mich wie durch den Fleischwolf gedreht. Der folgende Vormittag wird dann recht mühselig, das will ich aber nicht auf das Fatbike schieben: Tusker und ich sind mittlerweile eine Symbiose eingegangen, wir sind zur „Tussi“ mutiert. Wir halten durch und beenden nach 437km mit einem 19,9km/h Schnitt auf Platz 4 das Rennen. Ein Ergebnis, das mehr aussagt als tausend Worte. „Fat 4 Race“??? Ja, auf jeden Fall!

Jetzt habe ich auch langsam keine Lust mehr, aber ich fahre immer noch!
#15 Jetzt habe ich auch langsam keine Lust mehr, aber ich fahre immer noch!

Motivation oder Todesangst, egal: es treibt mich zum vorletzten Mal den Berg hoch.
#16 Motivation oder Todesangst, egal: es treibt mich zum vorletzten Mal den Berg hoch.

Das Fazit der ersten zwei Wochen

Der Tusker hat alle Erwartungen, die ich in ihn gehabt habe, übertroffen. Ich würde ihn immer wieder wählen, um ein 24h Rennen zu fahren. Der schlechte bauartbedingte Q-Faktor des 100mm Tretlagerstandards hat mir anfangs Sorge bereitet. Denn ich habe schnell Knieprobleme, wenn nicht alle Parameter stimmen. Auf der ersten Ausfahrt spürte ich leichte Knie- und Hüftprobleme. Diese traten aber später nicht mehr auf. Das breit tretende Gefühl bleibt aber, und mag sicher nicht jedem behagen.

Die komfortable, etwas unsportliche Sitzposition spielt bei zunehmender Kilometerleistung im Rennen ihre Vorteile aus, sie bringt Komfort. Der Jumbo Jim ist im Rennen erste Wahl. Er hat aber Defizite: Für den Spaßgebrauch findet man bestimmt auch andere Reifen, die noch mehr Fahrsicherheit vermitteln. Nasser Asphalt, Schlamm und Schotter sind nicht sein Ding. Für Racer aber erste Wahl, schnell und leicht.

Die Sitzstrebe baut im Bereich des Sitzrohrs recht breit. Einige Testfahrer bemängeln die Berührung mit ihrer Wade. Ich hatte dort keine Probleme. Rose hat sich dieses Themas schon angenommen und will nachbessern. Weiteres kleines Manko: In der Vorderradnabe sitzt eine Passhülse. Wenn man die Steckachse herausnimmt, kann diese verrutschen. Dann muss diese zuerst wieder richtig positioniert werden, bevor man die Steckachse einstecken kann. Nichtsdestotrotz, alles in allem ein gelungener Einstieg von Rose in den Fatbikemarkt. Mit eigenständigem Design und hohem Wiedererkennungswert sowie guten Fahreigenschaften weiß der Elefantenbulle zu überzeugen.

Jetzt geht es erst einmal in die Alpen und Anfang September zum „Vulkanbike Marathon“ nach Daun und dann, Anfang November, folgt die Fortsetzung von „Fat 4 Race“.

Vater und Sohn, ich komme mir so mickrig vor neben dem Chaoyang Copertura 26x4.90 von IBC User skaster.
#17 Vater und Sohn, ich komme mir so mickrig vor neben dem Chaoyang Copertura 26×4.90 von IBC User skaster.

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi

Weitere Infos http://www.rosebikes.de