* Night on Bike 2016 – Pech hat einen Namen

Ich hätte es nicht gedacht, aber ein 16h Rennen kann locker den etablierten 24h Rennen den Rang ablaufen. Warum? Weil eine geile Location, eine sehr anspruchsvolle Streckenführung und die besten Zuschauer, die man sich wünschen kann, ein Event unvergesslich machen können. Ich habe noch einen anderen Grund, aus dem dieses Event für mich unvergesslich bleiben wird – manchmal ist der Weg zur Unvergesslichkeit leider auch ein dezent schmerzvoller. Allem Pech und Schmerzen zum Trotz, gibt es meine persönliche Quintessenz des Wochenendes. Mein Wille kann meine Berge versetzen, obwohl das Pech meinen Namen trägt.

Radevormwald, oder einfach kurz Rade, liegt im Oberbergischen in NRW. Da stecken schon mal die Worte Wald und Berg drin. Und wie es sich vermuten lässt, gibt es hier keinen Mangel an Höhenmetern und finsterem Fichtenwald. Nachdem ich bei den letzten zwei Ausgaben der „Night on Bike“ nicht dabei sein konnte, wollte ich mir 2016 nicht entgehen lassen. Standen viele der Erstauflage 2014 noch skeptisch gegenüber, so hatte sich dies doch sehr schnell gelegt. Einziger Makel an dem Rennen war, dass es wetterbedingt noch nie zu Ende gefahren werden konnte. In weiser Voraussicht hatte ich aus dem Grund eine ganze Woche lang meinen Teller immer brav leergegessen, und anscheinend sollte dieser alte Ratschlag meiner Großmutter Wirkung zeigen.

Der Event gehört dieses Jahr vom Wetter her zu den Highlights.
#1 Der Event gehört dieses Jahr vom Wetter her zu den Highlights.

Anreise Freitag Mittag, der Ort ist tiefenentspannt, das Wetter auch. Das Fahrerlager ist mitten im Ort, alles schön kuschelig eng beieinander, so wie 24h Marathonisti es mögen. Man richtet sich ein und genießt die lieb gewonnenen Menschen drumherum. Das Rennen startet zwar erst am Samstag um 19 Uhr, jedoch gibt es heute noch ein Nacht-Bergzeitfahren am Schweineberg. Der heißt so, weil er es sich redlich verdient hat. Ein nasser Hohlweg mit unsympathischen Höhenmetern soll bezwungen werden. Oben auf der „Alm“ wurde eigens Deutschlands größte transportable Almhütte aufgebaut, um im Anschluss des Zeitfahrens in den folgenden 16h Event hinein zu feiern.

Über 50 der für das Langsteckenrennen gemeldeten 740 Fahrer stellten sich dann auch dem Zeitfahren als Herausforderung zum Warmwerden, allein schon um den Zustand des deftigsten Anstiegs im Rennen anzutesten. Neben dem Spaß, oben durch eine Gasse grölender Zuschauer zu fahren, war es für mich auch die Bestätigung, dass die Formkurve stimmt. Und nicht nur die Form stimmt, auch das Wetter zeigt sich immer mehr von seiner besten Seite.

Die Almhütte auf dem Schweineberg, wer hier angekommen ist hat ihn wieder mal besiegt.
#2 Die Almhütte auf dem Schweineberg, wer hier angekommen ist hat ihn wieder mal besiegt.

Startaufstellung zum Nachtbergzeitfahren
#3 Startaufstellung zum Nachtbergzeitfahren

Die Beine brennen, der Gesichtsausdruck spricht Bände, 1.23min Fullllllllgazzzzz
#4 Die Beine brennen, der Gesichtsausdruck spricht Bände, 1.23 min Fullllllllgazzzzz

Rade platzt aus allen Nähten, die Stimmung ist gut und nicht nur die Fahrer fiebern dem Event entgegen. Die NOB ist ein Volksfest, wie sich später zeigen sollte. Überall wo die Strecke den Wald verlässt, wird Party angesagt sein. Eine Trainingsrunde am Samstag lässt mich zuerst daran zweifeln, ob das montierte 34er Kettenblatt die rechte Wahl ist. Ich hatte mich nicht wirklich mit der Strecke auseinander gesetzt. Nach der Trainingsrunde stand fest, dass die meisten 24h Rundkurse einpacken können, im Vergleich zu dem, was hier an Höhenmetern und Wurzeltrails geboten wird. 11 km mit 200 hm, rasante Abfahrten, technische Segmente, der Schweineberg, Wurzeln über Wurzeln, und ich laufe hier mit einer Starrgabel auf, Prost-Mahlzeit.

Die Sieger, Moni Janzen vom Eulenexpress und Tobias Berg von den MTB Rockern
#5 Die Sieger, Moni Janzen vom Eulenexpress und Tobias Berg von den MTB Rockern

Die MTB Rocker sind nach dem Sieg in Feierlaune.
#6 Die MTB Rocker sind nach dem Sieg in Feierlaune.

Erste Maßnahmen des örtlichen Roten Kreuz sind erst morgen während des 16h Rennens nötig.
#7 Erste Maßnahmen des örtlichen Roten Kreuz sind erst morgen während des 16h Rennens nötig.

Samstag Abend 19 Uhr, Le Mans Start auf dem Marktplatz in Rade. Das hat man auch nicht alle Tage. Die Solofahrer sind ganz hinten einsortiert. Während alle Teamfahrer nach dem LeMans Start laufend ins Rennen starten, dürfen wir Solofahrer uns belustigt hinten ins Feld einreihen. Der erste Kilometer im Ort sorgt dafür, dass sich das Feld etwas entzerrt. Was aber nicht wirklich hilft, denn die Solopodiumsanwärter kurbeln jetzt schon Alarm. Ich mach da einfach mal mit und finde mit Sven Hielscher auch das passende Hinterrad meiner Leistungsklasse. Die rasante Fahrt am Friedhof vorbei endet bei einem Linksschwenk in den ersten Trail. Dieser Linksschwenk wird später meinen Namen in Blut geschrieben tragen.

Der Trail ein Sahnehäubchen, bevor es wieder ein kurzes Stück asphaltiert bergauf geht. Dann schon wieder so ein Traumtrail, Downhill mit 40 Sachen durch engen Baumbesatz. Wieder ein Anstieg, Party rechts auf der Straße, Party links in den Vorgärten und ab in den Wald. 3.500 m Trails von schön bis hässlich, Knochenbrecher und Plombenzieher, es kann sich wirklich niemand beklagen, bevor der Schweineberg den Scharfrichter spielt. Kampf und Krampf in der Steigung, die ersten geben auf und steigen ab. Danach geht es wieder entspannt über Feld und Wiese garniert mit Höhenmetern, bevor es wieder über Marktplatz und Fahrerlager durch die Schule zurück in die nächste Runde geht.

So Geht LeMans Start. Erstens, man lasse sich zum Start tragen. Das spart Körner.
#8 So Geht LeMans Start. Erstens, man lasse sich zum Start tragen. Das spart Körner.

Zweitens, Lockerungsübungen können einen taktischen Vorteil verschaffen.
#9 Zweitens, Lockerungsübungen können einen taktischen Vorteil verschaffen.

Drittens, nach dem Startschuss sollte man immer einen Schritt voraus sein.
#10 Drittens, nach dem Startschuss sollte man immer einen Schritt voraus sein.

Sven und ich fahren immer noch gemeinsam. Den Versuch, den späteren Siegern Torsten Weber und Johannes Nassheuer zu folgen, haben wir schnell aufgegeben. Diese Zwei fahren eine andere Liga. Nichtsdestotrotz sind wir kurz vor anaerob unterwegs, um einen Abstand zur Konkurrenz herauszufahren. Die Frage ist, wie lange können wir das durchhalten, bevor wir uns für den Rest des Rennens ruiniert haben?

Vierte Runde, das Pech sucht einen Namen. Warum schon wieder ich? Ich bin der Windschattenlutscher, als wir mit 50 Sachen die Anfahrt zum ersten Trail runterballern. Ein Fahrer vor uns, der Trail biegt nach links ins Gebüsch ab. Er ist anscheinend nicht so leistungsorientiert unterwegs wie wir und macht eine Vollbremsung, um sich zuerst einmal vom ordnungsgemäßen Zustand des Trails zu überzeugen. Sven sieht die Gefahr, ich nicht, das war’s. Vorderrad rutscht weg, Einschlag auf eine Mischung aus Asphaltkratern und Schotter. Während ich mich sortiere, schicke ich Sven weiter. Gedanken schießen mir durch den Kopf, bin ich noch ganz, das Rad, meine Story, meine Leser, der Veranstalter, meine Platzierung, mein Rennen, alles SCHEISSE. Ist jetzt auch egal, und ich gucke mich erstmal richtig an. Trikot und Hose hängen vermischt mit Hautfetzen und Blut vom Leib. Im Gesicht eine Schramme und der Helm hat an Masse verloren (Einen Tag später stellte sich heraus, dass er komplett gebrochen war, schönen Dank an Casco für meinen Kopf).

Den Einschlag erfolgreich abgewehrt, würde ich behaupten.
#11 Den Einschlag erfolgreich abgewehrt, würde ich behaupten.

Genau so muss ein Helm funktionieren.
#12 Genau so muss ein Helm funktionieren.

Leck mich Arsch, es ist ja noch nix verloren. Ich lasse mich nicht verhindern. Ich muss den Schockzustand ausnutzen und zurück aufs Rad, schauen, ob es weiter gehen kann. Die folgenden drei Stunden finde ich heraus, dass es geht. Mir tut zwar alles weh und ich sehe aus wie ein gerupftes Huhn, aber es geht. Nach 70 km holen Marie und Kathrin mich aus dem Rennen, um meine Wunden zu versorgen. Oberschenkel, Unterarm, Schulter und Gesicht werden gereinigt und versorgt. Am Oberschenkel wird die Wundauflage mit Panzerband am Muskel fixiert. Neue Hose und Trikot sind fällig. Niemand erkennt im Dunkel den Zustand des Helms.

Wundbehandlung nach 4h Fahrt.
#13 Wundbehandlung nach 4h Fahrt.

Ich tingel so um den zehnten Platz der Gesamtwertung herum und frage mich ob ich einfach ganz rausnehmen soll, und eine Erlebnisfahrt aus meinem Rennen mache. Die Antwort darauf gibt es um ein Uhr nachts nach 115 km, das Pech bekommt einen Doppelnamen. Auf meinem Schicksalstrail gibt es einen Drop, das finde ich schön. Auf einmal ist davor ein tiefes Loch. Der Herr im Himmel alleine weiß, wo das auf einmal herkommt? Hat es sich aus einer anderen Dimension für mich hier materialisiert, geht es wieder, wenn es sein Werk an mir vollbracht hat?

Fragen über Fragen, die mit einem lauten Knall beantwortet werden, als die Seitenflanken meines frisch aufgezogenen „Michelin Race’R Advanced“ ihr Innerstes nach aussen kehren. In meinen Augen steht die Frage: Wer hat die Luft geklaut? Muschi nachts alleine im Wald, ich habe Hass. Die vielen netten Angebote, mir einen Schlauch zu geben, zaubern mir nur ein morbides Lächeln ins Gesicht. In diesem Totalschaden von Reifen sucht jeder Schlauch den Freitod. All die gut gemeinte Hilfe nutzt nichts, ich muss zurück ins Fahrerlager. Ich lasse mich nicht verhindern.

Ein paar Hundert Meter weiter gibt es einen Streckenposten. Deren einziges Ziel die Nacht über ist es, die Fahrer zu belustigen, ganz großes Kino. Aber sie haben auch einen Jeep und können mich zurück ins Fahrerlager bringen. Danke Jungs! Die Mädels scheinen Gefallen gefunden zu haben an der Erstversorgung. Nachdem ich Kathrins Versuch, mich nochmal zu verarzten, abwehren kann, wechselt sie bereitwillig in die Rolle des Servicemechanikers. Neues Laufrad, Kassette gewechselt und wieder zurück ins Dunkel, aber wo habe ich meine Motivation verloren ? Ich tröste mich mit Frank Eggert’s Motto „Erlebnis vor Ergebnis“.

Mein persönlicher Lieblingsstreckenposten. Danke Jungs, ihr habt mein Rennen gerettet.
#14 Mein persönlicher Lieblingsstreckenposten. Danke Jungs, ihr habt mein Rennen gerettet.

Einmal neues Hinterrad bitte.
#15 Einmal neues Hinterrad bitte.

Um drei Uhr ergattere ich in der Losbox der tollsten Momente während eines Langstreckenrennens den nächsten Hauptgewinn. Nach „Muschi allein im Wald“ folgt die Episode „Eine Muschi sieht schwarz“. Warum und wieso ist egal, meine Beleuchtung springt auf Notbetrieb. Ihr wollt sicher wissen, wo mir dieses Ungemach passiert? Ja, so ist es, natürlich auf meinem tollen Schicksalstrail. Somit heißt es nun die verbleibenden 9,5 km mit einem Funzellicht zurück zum Betreuerstab zu schaffen. Unter diesen Bedingungen ist Lichtschattenfahren die Option der Stunde.

Großes Lob an Sportograf für die tolle Arbeit im Wald.
#16 Großes Lob an Sportograf für die tolle Arbeit im Wald.

So ist das, Solofahrer müssen aufpassen, sich während des Rennens nicht selber zu überholen.
#17 So ist das, Solofahrer müssen aufpassen, sich während des Rennens nicht selber zu überholen.

Mit neuem Akku geht es der Dämmerung entgegen. Eigentlich muss es jetzt doch langsam mal gut sein. Zur Sicherheit forciere ich das Tempo nicht mehr. Wer weiß, was sonst noch passiert. Ist auch völlig egal, ob ich Elfter oder Sechzehnter in der Rangliste werde. Der Schmerz hält mich wach und das flaue Gefühl im Magen tut sein Übriges. Die Energiegels rumoren im Wiegetritt. Langsam werden die Straßen leer und auch die große Party auf der Alm auf dem Schweineberg ist vorbei. Jedoch harren hier wie überall einige ganz harte Müssiggänger aus. Kinder mit ihren Eltern besetzen die Verpflegungszone auf der Alm und halten den Betrieb aufrecht. Mein 34er Kettenblatt tut weh am Schweineberg. Ich fange an, die Steigung zu steinigen. Irgendwie drückt Wasser in den Hohlweg, er wird noch schmieriger als am Tage. Ich warte auf den Moment, wo ich mich in die Reihe der Fußgänger den Schweineberg hoch einreihen muss. Steinigt ihn, steinigt ihn!!!

Die Zuschauermassen am Ende des Schweinebergs.
#18 Die Zuschauermassen am Ende des Schweinebergs.

Steinigt die Steigung, du Schwein du!!!
#19 Steinigt die Steigung, du Schwein du!!!

Es ist fünf Uhr und einige Partygänger verlaufen sich mit einer Kiste Bier und Schnaps in den Wald. Sie übernehmen die Animation bei Kilometermarke 5,7. Motivationslos habe ich es mir auf Platz 13 der Gesamtwertung gemütlich gemacht. Große Lust auf „Competition“ habe ich nicht mehr, seit ich den Dreifachnamen Pannen, Pech und Pleiten führe. Komischerweise bin ich um sieben Uhr morgens genauso im Eimer wie bei einem 24h Rennen, obwohl ich runde 7 Stunden weniger Fahrzeit aufzuweisen habe. Ich halte des öfteren länger im Fahrerlager an und fröne dem Liege-Erlebnis für ein paar Minuten. Es folgt der große Auftritt von Frank Eggert vom Mixed Zweier Team Radblog. Er macht mich zur Sau. Ich liebe es, wenn er ein Arschloch ist. Das motiviert immer so toll.

„Muschi, kannste endlich mal Radfahren, oder willste wieder aufgeben, du Heulsuse? Du bist nicht so weit weg vom Podium der Altersklasse.“

Altersklasse? Was will der von mir? Ich habe keine Lust mehr auf „Competition“. Nach der Feststellung, dass man mir das wichtigste Klassement die ganze Nacht vorenthalten hat, schickt man mich wieder auf die Strecke. Wisst ihr wie das ist, wenn man sich auf Urlaub eingerichtet hat und dann am letzten Arbeitstag gesagt bekommt, der Urlaub ist gestrichen? So fühle ich mich. Ich muss wohl oder übel den Mann mit dem Hammer nach Hause schicken.

So sieht Steigung in Rade aus.
#20 So sieht Steigung in Rade aus.

Torsten und Johannes, erster und zweiter der Gesamtwertung, jagen im Formationsflug an mir vorbei und zollen mir Respekt für die Schwachsinnsidee, hier mit einer Starrgabel zu fahren. Dabei sind beide auch nur mit Lauf Forken unterwegs. Das ist der Moment, wo ich zum ersten Mal realisiere, wer hier die Schuld an dieser endlosen Müdigkeit trägt, die Körper und Geist seit Stunden befällt. Für den Rest des Rennens hasse ich meine Starrgabel. Endlich habe ich mein Feindbild gefunden. Jedes Mal, wenn ich im Fahrerlager anhalte, erklärt Kathrin mir: „Mensch Muschi, du hast dir doch so dolle eine Starrgabel gewünscht. Nun musste die auch fahren. Geh jetzt und fahr Competition!“ Man verschweigt mir, wo ich im Klassement stehe, außer, dass der Gegner in meinem Rücken lauert.

Runde 20, ich fahre immer noch den Schweineberg hoch und steinige die Steigung. Oben haben sie mich ins Herz geschlossen und wollen mich wieder sehen. Die Straßen und der Marktplatz wachen auch wieder auf. Das Rad hält, erstaunlicherweise. Da gibt es diese vermaledeite Wurzelpassage am Hulverscheidter Bach. Eine Abfahrt im Wald gespickt mit ein paar Wurzeln endet in einem Meer aus offenliegenden Wurzelstöcken der benachbarten Fichten, um dann direkt in einen ebenso garnierten Anstieg über zu gehen. Mit einer Starrgabel fliegt man im besten Fall mit hohem Geschwindigkeitsüberschuss drüber hinweg. Was aber auch bedeutet, den Lenker gut festzuhalten und dabei zu hoffen die Linie zu treffen, weil die Wackelbilder vor Augen kein Augenmaß zulassen.

So sieht das aus morgens um 9 Uhr, kurz vor Scheiße.
#21 So sieht das aus morgens um 9 Uhr, kurz vor Scheiße.

Runde 21, ich beschließe, dass dies meine vorletzte ist. Aber was habe ich schon zu sagen. Man fragt mich, ob ich auch schneller fahren kann. Ich antworte darauf mit „Arschloch“. Es wird warm, das gefällt mir gar nicht. Ich unterhalte schon seit geraumer Zeit das Feld mit meinen Atemwegs-Grunzlauten. An denen erkennt man, dass ich noch lebe. Ich fahre noch mal den Schweineberg hoch.

Der Betreuerstab von vier Teams beschließt während einer Echtzeitkonferenz im Fahrerlager, dass ich eine Runde 24 fahre. Ich frage mich warum. Aber ich habe keine Kraft mehr, mich zu widersetzen. Zumindest habe ich jetzt die Gelegenheit, mich bei all den netten Menschen an der Strecke zu bedanken für ihre Hilfe und den Zuspruch. Ich fahre zu Sven auf, aber der ist noch motivationsloser als ich es bin. Er darf das, er hat seinen zweiten Platz in der Ü40 Klasse auch sicher. Dankbar nutze ich die Gelegenheit, mich zu entrunden. Ich fahre nochmal den Schweineberg hoch.

Das Thermometer springt über die 25 Grad-Marke, während ich immer auf die Uhr schaue. Radevormwald Marktplatz, der Kirchturm zeigt elf Uhr. Ich gebe noch mal Gas, flitze durchs Fahrerlager in die Schule. Man schreit mich an. Im letzten Moment sehe ich auf der Digital Uhr noch 11 Sekunden stehen. Eine Vollbremsung verhindert eine Runde 25. Die Uhr springt auf null, endlich.

Das Highlight des Tages, der Zieleinlauf.
#22 Das Highlight des Tages, der Zieleinlauf.

Faszination 24h Rennen, sie lebt vom Reiz des anderen. Duisburg, Nürburgring, Alfsee, München oder Stuttgart leben von dem Reiz der etwas anderen Atmosphäre zwischen Halden, Rennstrecke, Deichen, Olympiastadion und Flughafen. Die „Night on Bike“ hat nichts davon, dafür aber einen Rundkurs, der das Prädikat wertvoll verdient. Keine der genannten 24h Rundkurse kann mit so einer traillastigen und anspruchsvollen Strecke aufwarten. Das mindert in keinster Weise die Faszination der anderen Rennen. Für wen aber die Streckenführung und der Trailspaß im Vordergrund steht, der darf die „Night on Bike 2017“ nicht verpassen.

Denn als Novum in Deutschland erfindet die NOB sich neu. Was als 14h Nachtrennen im Jahr 2014 gestartet ist und 2016 in 16h geendet hat, wird 2017 als kombiniertes 12h/24h Rennen stattfinden. Ich hoffe, dass die 12 Stunden die komplette Nacht abdecken, um dem Grundgedanken der NOB gerecht zu werden – eine Nacht auf dem Rad erleben zu dürfen.

Das Radpack sagt
#23 Das Radpack sagt „DANKE SCHÖN“

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi