Manitou Mastodon Fatbike-Gabel im Test

Manitou Mastodon im Test: Mastodonten gehören zur Artengruppe der Mammutiden und sind nach der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren ausgestorben. Nun ist das amerikanische Mastodon wiederbelebt worden. Was hat sich Manitou nur dabei gedacht, ihrer neuesten Federgabel diesen monströsen Namen zu verleihen? Wenn es um Fatbikes geht zählt klotzen nicht kleckern, und somit kann ein Name wie auch ein erster Eindruck nicht monströs genug ausfallen. Der Name Mastodon ist beim näherem Hinsehen nicht willkürlich gewählt, denn Manitou verspricht Großes: eine Gabel mit maximalen Steifigkeitswerten bei vertretbarem Gewicht und beste Performance auch bei zweistelligen Minusgraden. Hier ist unser Test.

Der Markt an Federgabeln für Fatbikes ist recht übersichtlich. Bis dato beschränkte sich die Auswahl hauptsächlich auf die Rockshox Bluto und die extravagante Lauf Fork Carbonara. Nun kommt mit der Manitou Mastodon ein drittes Produkt aus einer Serienproduktion auf den Markt. Manitou kommt mit großen Ansprüchen daher und stellte auf dem Sea Otter Classic erstmalig das neue Produkt der Weltöffentlichkeit vor. Wir von MTB-News.de hatten exklusiv die Möglichkeit, den amerikanischen Mastodonten in den heimischen Gefilden vorab zu testen.

Die 34 mm dicken Standrohre machen nicht nur eine Gabel steifer

#1 Die 34 mm dicken Standrohre machen nicht nur eine Gabel steifer – sie fügen sich auch hervorragend in das Gesamtbild ein

Manitou Mastodon – Kurz und knapp

  • 34 mm Standrohre
  • 80/100/120/140/150 mm Federweg
  • Reifenfreiheit bis 26 x 5.15 und 27,5 x 4.5 Reifen
  • zwei verschiedene Ausführungen: Standard bis 756 mm Reifenumfang, Extended bis 796 mm Reifenumfang
  • beste Performance auch bei sehr niedrigen Temperaturen bis -15° Celsius
  • IVR Incremental Volume Adjust zur Volumenanpassung des Federungssystems
  • Hexlock Steckachse
  • IRT Tuning Kit erhältlich
  • Preis: 899,99 € (Manitou Mastodon Pro), 579,99 € (Manitou Mastodon Comp)

Bei der von uns getestete Version handelt es sich um die Mastodon Pro mit 100mm Federweg in der Standardversion für Reifen mit einem Reifenumfang bis 756mm, was einer Reifenbreite von mind. 4.8 Zoll entsprechen dürfte. Weitere Informationen zur Manitou Mastodon findet ihr in unserem Artikel vom Sea Otter Festival.

Wo gehört die Gabelbrücke hin?
#2 Wo gehört die Gabelbrücke hin?

Bei Manitou natürlich nach hinten.
#3 Bei Manitou natürlich nach hinten.

Technische Daten

Die Unterschiede der Mastodon Comp (579,99€) zur Mastodon Pro (899,99€), ersichtlich in den gelb markierten Feldern.

#4 Die Unterschiede der Mastodon Comp (579,99€) zur Mastodon Pro (899,99€), ersichtlich in den gelb markierten Feldern.

Manitou Mastodon – In der Hand

Bei einer Manitou gehört die Gabelbrücke nach hinten, und das ist, was neben der extremen Breite der Gabel sofort ins Auge fällt. Alles an der Gabel ist üppig, dazu wertig und schön verarbeitet. Im Vergleich zum direkten Konkurrenten von Rock Shox liegt die Manitou Mastodon schwerer in der Hand. Ein erstes Wiegen zeigt dann auch, dass unser Rüsseltier mit knapp 400 g Mehrgewicht als die Rock Shox Bluto daher kommt. Das ist ein Nachteil, den die Manitou an anderer Stelle durch bessere Performance kompensieren will.

Diese neue Gabel soll erstens viel steifer sein und kann zweitens breitere Reifen als die Konkurrenz aufnehmen. Damit tritt das Mehrgewicht des Urviechs schnell in den Hintergrund. Darüber hinaus ist die Gabel sehr flexibel und individuell einstellbar, was natürlich auch auf die Waage drückt. Deswegen oder besser trotzdem steht die Mastodon Standard Pro bei einem Endgewicht von 2210 g gar nicht so schlecht im Futter. Wer die Extended Version wählt, braucht sich dann auch keine Gedanken mehr über Reifenbreiten jenseits der 4,8 Zoll machen. Endlich kann auch ein VeeTire Snowshoe 2XL ohne Sorge zwischen den Standrohren einer Federgabel gefahren werden.

Unsere hier vorgestellte 100 mm Version kann auf 80 mm getravelt werden. Darüber hinaus gibt es noch eine Variante in 120 mm, die auf 140 mm erweitert werden kann. In der Pro Version gibt es dazu noch einen 150 mm Mastodonten. Damit kann Manitou wahrscheinlich jeden Kundenwunsch nach Federweg ausreichend bedienen.

Eine Gabel für alle Reifenbreiten, die Manitou Mastodon.

#5 Eine Gabel für alle Reifenbreiten, die Manitou Mastodon.

Wie schon von anderen Gabeln aus dem Hause Manitou sind die üblichen bekannten Features anderer Modelle verbaut worden. Hexlock SL 15 mm x 150 mm Steckachse, Dorade Air System, MC2 Plattform und 34 mm Standrohre finden sich auch in der Mastodon-Familie als Standard wieder. Die Hexlock-Steckachse die Manitou verbaut, ist etwas gewöhnungsbedürftig, da der Schnellspannhebel fehlt. Die Funktion der Achse ist beim ersten Bedienen einfach nur anders, aber beim zweiten Bedienen ist das dann auch egal, denn schön ist sie und soll in Sachen Standfestigkeit der Gabel um nichts nachstehen.

Für alle, denen der Preis der Mastodon Pro von UVP 899,99 € zu hoch ist aber trotzdem von der großen Reifenfreiheit, den Kaltlaufeigenschaften und der Performance profitieren will, kann auf die günstigere Comp-Version (579,99 €) zurückgreifen, die preislich auf dem Niveau einer Rock Shox liegt. Dafür verzichtet man bei der günstigeren Comp natürlich auch auf einige Features, wie den vielfältig einstellbaren MC2 Dämpfer. Darüber hinaus ist die Comp um einiges schwerer (2430 g) und wird nicht in der Variante 150 mm angeboten.

Schön und steif, die Hexlock SL Steckachse
#6 Schön und steif, die Hexlock SL Steckachse

Der fehlende Schnellspannhebel wird durch gefällige Optik ersetzt.
#7 Der fehlende Schnellspannhebel wird durch gefällige Optik ersetzt.

Auf dem Trail

Ja, ich gebe es zu, man darf seine Meinung auch mal ändern. War ich bis jetzt der Ansicht, dass ein Fatbike keine Federgabel nötig hat, so muss ich meine Meinung dazu revidieren. Da ich keine Zeit habe, mich an Gabel und Fatbike heranzutasten, geht es direkt in die Vollen. Darum muss das Mastodon im 16 kg Geschoß von Silverback direkt einmal durch den Bikepark in Aachen gejagt werden. Und genau dort, wo ich bis jetzt mit einer Starrgabel am Fatbike mit Überforderung und Angstschweiß zu kämpfen hatte, zeigt sich nun, mit wieviel Genuss man ein frontgefedertes Fatbike durch den Parcours prügeln kann.

Aber nicht nur das, auch auf anderen technisch anspruchsvollen Passagen vermittelt die Federgabel ein sicheres Gefühl, das hervorragend mit der Eigendämpfung der Reifen einhergeht. Im direkten Vergleich zu der von mir vorher gefahrenen Rock Shox Bluto fällt auf, dass die Bluto in extremen Manövern nachgibt und sich verwindet, wo der Mastodon seinem Namen entsprechend standhaft bleibt. Wer auf der Suche ist nach einer steifen Fatbikegabel ist und bis dato enttäuscht wurde, kann nun wohl durchatmen. Die filigranere Rock Shox punktet mit dem Gewicht, die Manitou mit ihrer Standhaftigkeit. Im Gelände, wohin man eine Bluto nicht zwingend ausführen will, fängt der Spaß für die Mastodon erst an.

Besonders schwergewichtige Fahrer dürften darüber sehr erfreut sein. Die wuchtigen 34 mm Standrohre sorgen darüber hinaus nicht nur für das nötige unnachgiebige Verhalten im Gelände, sondern sorgen darüber hinaus auch für eine sehr gefällige Optik, die gut mit den wuchtigen Aluminiumrohren am Silverback Scoop Double Deluxe harmonieren.

In Ausnutzung des vorhandenen Federwegs

#8 In Ausnutzung des vorhandenen Federwegs

Das große Übel an Federgabeln ist meist nicht die Technik, sondern der User, der sie nicht richtig benutzt und einstellen kann. Nach der nötigen Auseinandersetzung mit den Einstellungen sollten diese dann auch schnell und einfach vorgenommen werden können. Es ist keine Hexenkunst, schnell und sicher die nötigen Einstellungen an der Manitou Mastodon vorzunehmen. Eine Tabelle mit Einstellwerten auf dem Casting und ein bisschen Gefühl führen bei mir schnell zum gewünschten Erfolg. Wer mehr will, kann auch hier mehr bekommen: Der MC2 Dämpfer lässt sich vielfältig justieren und dürfte jeden Typ Fahrer zufriedenstellen. Über das IVA “Incremental Volume Adjust” System kann man zudem mittels Kunststoffblöcken das effektive Volumen der Luftkammer verändern. Mit dem “Infinite Rate Tune Kit” kann man darüber hinaus die Möglichkeiten, den Mastodonten noch feiner und genauer einzustellen, nochmals erweitern.

Die passenden Einstellwerte erleichtern das setup

#9 Die passenden Einstellwerte erleichtern das setup

#10.1

#10.2

Alle, die gerne einen Remote Hebel am Lenker fahren, muss ich an dieser Stelle auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten – Manitou will hier noch eine Option anbieten. Auf der anderen Seite bin ich grundsätzlich ein Freund aufgeräumter kabelfreier Cockpits. Die Gabel lässt sich über den roten Einstellknopf auf der rechten Seite der Gabelbrücke ohne Probleme zum Sperren bedienen. Wer aber eine Vollsperrung erwartet, wird enttäuscht: Das ist jedoch kein Handicap – ich bin die Mastodon selten gesperrt gefahren, weil es ganz einfach nicht nötig war. Im Uphill verhält sich die Gabel auch offen sehr neutral, erst im Wiegetritt fällt sie unangenehmer auf.

Auch auf der andern Seite ein gewohntes Bild
#12 Auch auf der andern Seite ein gewohntes Bild

IVR heißt Incremental Volume Adjust und dient zur Volumenanpassung des Federungssystems

#13 IVR heißt Incremental Volume Adjust und dient zur Volumenanpassung des Federungssystems

Interessant und leider für uns im Moment nicht zu testen, sind die versprochenen besten Kaltlaufeigenschaften der Mastodon. Manitou verspricht auch bis zu -15° Celsius ein sehr gutes Ansprechverhalten der Gabel. Aus der Nummer kommt Manitou nach der Namensgebung auch nicht mehr raus, denn bekanntlich fühlten sich Mastodonten während der letzten großen Eiszeit sehr wohl. Hier profitiert die Gabel eindeutig vom Know How des Mutterkonzern Hayes, die ihre sehr große Kompetenz aus dem Bau von Lenksystemen für Snowmobile mit in die Entwicklung dieser Fatbikegabel eingebracht haben.

Steil ist geiler mit Federweg
#14 Steil ist geiler mit Federweg

Haltbarkeit

Zur Haltbarkeit lässt sich nach dem kurzen Testzeitraum noch nicht viel sagen. Die Beschichtung der Standrohre, wie auch das Finish der anderen Bauteile, machen einen hochwertigen Eindruck und haben noch keine Schäden davon getragen. Die Bedienelemente sind alle gut zugänglich und auch mit Handschuhen gut zu bedienen. Inwieweit die besseren Kaltlaufeigenschaften der Gabel die Haltbarkeit der Bauteile beeinflußt, werden Tests in der Zukunft zeigen. Uns fehlten im kurzen Testzeitraum dazu die Möglichkeiten.

Der Name ist Programm

#15 Der Name ist Programm

Manitou Mastodon – Fazit

Der Mastodon gehört im Moment zum Schwergewicht auf dem Markt der Fatbikegabeln. Manitou schielt definitiv nicht auf die Waage, bei dem Namen auch sinnfrei. Der Mastodon will nur eins: die Fatbikegabel sein für maximale Leistung und Steifheit in schwierigstem Gelände – und dazu dem Fahrer noch das Maximum an einstellbarer Performance zur Verfügung stellen. Damit posaunt sich die Manitou Mastodon lautstark in die erste Reihe der Fatbikegabeln, im begrenzten Angebot des Fatbikesegments gibt sie nun den Ton an. Sie kann alles besser als der direkte Konkurrent Rock Shox Bluto, was man aber auch bei einem Preis von 899,99 € erwarten darf.

Wer auf üppige Einstellmöglichkeiten an einer Fatbikegabel mit Tuningpotential gewartet hat, ist mit dieser Gabel richtig bedient. Manitou verspricht dazu auch bestes Ansprechverhalten bei besonders niedrigen Temperaturen. Das wird besonders die Fahrer interessieren, für die ein Fatbike im Winter die Wahl der Wahl ist. Wir dürfen gespannt sein wie Rockshox auf die Manitou Mastodon reagieren wird. Da Konkurrenz das Geschäft belebt, können wir vielleicht auch bei der Bluto auf eine wegweisende Weiterentwicklung hoffen.

Testablauf

Die neue Manitou Mastodon befindet sich seit wenigen Wochen bei uns im Betrieb. Hier haben wir den Mastodonten getestet:

  • Mergelland Zuid Limburg / Stadtwald Aachen: Schnelle und flowige Strecken, gepaart mit Steinfeldern und Wurzeln
  • Nordeifel: teilweise verblocktes, steiles Gelände mit Wurzeln und Steinen

Der Veetire Bulldozer hat noch reichlich Platz

#16 Der Veetire Bulldozer hat noch reichlich Platz