Muschis Verleihung der pinken Banane

Wo viel Licht ist, gibt es auch ein wenig Schatten. Mir wurde die große Ehre zuteil, die Dinge zu finden, über die man streiten und diskutieren kann, aber nicht muss. Meist wäre es verschwendete Zeit bei der Masse an Highlights auf Eurobike und der begrenzten Zeit, die jeder mitbringt. Ich will euch mit der Verleihung der „Pinken Banane“ die 12 kuriosesten Produkte der Eurobike 2015 präsentieren.

Keine Jury, keine Demokratie, keine Abstimmung, einfach nur meine subjektive Einschätzung. Mehr als einmal stand ich kopfschüttelnd und sprachlos da und habe mit mir selbst gerungen. Bei so mancher Idee und ihrer Umsetzung fällt es schwer, die Objektivität zu behalten. Darum habe ich den Versuch, objektiv zu sein, auch im Laufe der Recherche aufgegeben. Am Ende kam ein Sammelsurium zusammen, das eins nicht verleugnen kann: Die Menschen, die in diese Produkte ihre Ideen und Hoffnungen gesteckt haben, sind ein Beweis für Kreativität und Erfindergeist. Nur ob die Welt darauf gewartet hat, ist die Frage. Die Suche nach dem Produkt, das auch den Erfolg mit sich bringt, treibt die seltsamsten Blüten. Der bunte Strauß Blumen, der daraus erwachsen ist, startet mit Platz Nummer 12.  Eine Jury, gebildet aus mir, objektiv und mehrheitsorientiert entscheidet über die Kuriositätenhighlights der Eurobike 2015.

Jurybild
#1 Jurybild

Platz 12

Ich gebe zu, ich bin kein Freund des FC Bayern München. Eigentlich würde ich mich freuen, wenn das Team der Bayern dem Standard des Rads entsprechen würde. So ist es aber leider nicht und viele Fans der Lederhosen werden sich beim Anblick des Rads wohl eher schmunzelnd abwenden.

Platz 12
#2 Platz 12

Platz 11

Bei dieser Platzierung spielt nicht die technische Innovation der Materialien eine Rolle, sondern die Idee eines längst überholten Radkonzepts. Nicht umsonst nannte man sie im 19. Jahrhundert „Bone-Shaker“. Vielleicht sorgen die neu eingesetzten Materialien für den nötigen Komfort. Moderne Bremsen und ein E-Antrieb machen das Vehikel innovativ. Jedoch ist das Konzept und der Wendekreis eines Hochrads in unserer völlig überlasteten mobilen Welt eher ein Weg in die Sackgasse. Die konzeptionelle Idee dahinter verhindert eine höhere Platzierung des Concept1865 von BASF.

Platz 11
#3 Platz 11

Platz 10

Der transportable universell einsetzbare E-Antrieb von Rubbee schafft es auf Platz 10. Die Idee ist ja nett, aber am Ende bleiben Fragen: Es gibt Räder, bei denen der Gebrauch wohl fraglich sein dürfte. Können Bremsanlagen und Bereifungen der dauerhaften Belastung durch den Antrieb, grundsätzlich bei jedem Rad, standhalten? Wohl eher nicht. Und was, wenn das Hinterrad mal nass oder gar matschig ist? Der Diebstahlschutz wird gar nicht berücksichtigt. Diesen Antrieb im Prospekt auf einem Fixie ohne Bremsanlage zu präsentieren, ist hoffentlich nur der Optik geschuldet.

Platz 10
#4 Platz 10

Platz 9

DRYVE, der Regen- und Wetterschutz für das Fahrrad der Firma allnew für Räder von Kindern und Erwachsenen, ist im Grunde genommen ein guter Ansatz. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Die Windanfälligkeit des Wetterschutzes dürfte aber in vielen Gegenden einen Gebrauch ausschließen. In der Stadt, wo man den Wetterschutz auch als Werbefläche nutzen kann und der dynamische Schlipsträger trocken zur Arbeit gelangen muss, könnte das Konzept aufgehen. Vielleicht wären diese dann auch bereit, einen Preis von 150 € zu zahlen…

Platz 9
#5 Platz 9

Platz 8

Da stehe ich vor dem Soldier der asiatischen Marke Cronus und stelle mir vor, wie ich mit diesem Fully durch die Botanik fahre und darauf warte, dass mir der Klappmechanismus am Oberrohr ein schnelles Ende bereitet. Die Intention des MTB ist durch seinen gefederten Hinterbau wohl eindeutig. Ein Klappmechanismus ist daher an einem solchen Rad ein NoGo.

Platz 8
#6 Platz 8

Platz 7

Kinderfatbikes mit dem Starwars Darth Vader Design der Firma Mander: Prächtig! Sackschwere Fatbikes werden durch die Macht der Jediritter zum absoluten Trendsetter im Bereich der Kinderräder. Uns, die wir bemüht sind, unseren Kindern gute, leichte und technisch hochwertige Fahrräder zu organisieren, werden eines Besseren belehrt. Hip muss es sein und cool. Wenn dann noch die Kraft mit uns ist, macht es auch nichts mehr aus, dass ein Rad mehr wiegt als unsere Nachkömmlinge.

Platz 7
#7 Platz 7

Platz 6

Der Streetstepper MTS holt den Stepper ins Rad und nach draußen. Mir fällt es schwer, Gefallen an diesem Konzept der Fortbewegung zu finden. Mir fehlt die Gleichmässigkeit und der ruhige Körper auf dem Rad. Beworben wird er als rücken- und knieschonend, ohne in der Zwangshaltung des gewöhnlichen Radfahrers zu verharren. Knieschonend ist Radfahren in jeder Form und die meisten Rückenbeschwerden sind auf falsche Einstellungen am Rad zurückzuführen. Bleibt die Zwangshaltung, die am Streetstepper ja genauso vorhanden ist. Nur für die Möglichkeit, das Steppen in die Natur zu holen und die Muskulatur anders zu belasten, ist mir der Preis von 3500 € viel zu hoch.

Platz 6
#8 Platz 6

Platz 5

Was soll man dazu noch sagen. Ein Pelzmäntelchen für den E-Bike-Akku, damit er nicht friert. Ob es dem Akku hilft oder man damit einen besonderen Fetisch befriedigen kann, muss jeder selbst beurteilen. Wenn ich mir jetzt noch den Fahrer darauf im Lendenschurz aus dem Fell von 6 Bisamratten vorstelle, hätte es ja was von Karneval. Der neue ökologisch wertvolle Beitrag, die dieselverbrennenden Zugmaschinen im Karnevalszug durch E-Fatbikes zu ersetzen.

Platz 5
#9 Platz 5

Platz 4

Was ist das? Ein Dreirad ohne drittes Rad. Nein, es ist eine so genannte Sturzhilfe. Solange es geradeaus geht, ist die Welt auf diesem Gefährt in Ordnung. Der Spaß fängt an beim Kurvenfahren: Dann nämlich zieht es einem beim Lenkereinschlag den Fuß vom äußeren Pedal, während man innen gleichzeitig versucht sich, den Fuß vom Bein abzudrehen. Zuschauergarantie ist gegeben bei den spektakulären Versuchen, einen Sturz zu vermeiden. Das Rad für alle, die auf experimentelle Fortbewegung stehen. Hiermit seid ihr bestens bedient – oder vielleicht doch besser mit dem Drittplatzierten?

Platz 4
#10 Platz 4

Platz 3

Der Handfahrroller und das Handfahrrad von der Firma Varibike schaffen es auf den dritten Platz. Da der gemeine Radfahrer ja eine unterdurchschnittlich trainierte Arm- und Brustmuskulatur hat, kann er sich mit den Trainingsgeräten von Varibike in diesem Bereich deutlich verbessern. Er hat durch die im Durchschnitt 20% Mehrleistung auch kein Verlangen mehr nach einem E-Bike, vorausgesetzt, er schafft es, das Sportgerät gleichzeitig zu lenken und handzutreten. Da macht die Jagd auf Rennradfahrer doch nochmal soviel Spaß. Das Motto von Varibike ist „funner-fitter-faster“. Das wünsche ich auch jedem, der es mit dem Lenkbetrieb nicht geschafft hat.

Platz 3
#11 Platz 3

Platz 3
#12 Platz 3

Platz 2

Ein Transportsystem hat das Podium gerockt. Der Veloboy, das innovative Transportsystem für ihren Kombi, rückenschonend. Ja, wir werden alle alt. Das Rad wird auf einer rollbaren Plattform in den Kofferraum geschoben. Dazu demontiere ich Sattelstütze und Vorderrad. Fixiere die Gabel in der vorgesehenen Halterung und zurre die Gabel, wegen der fehlenden Höhe meines Kombis, mit einem Spanngurt nach unten. Dann hebe ich die Plattform an, klappe das Stehbein ein und schiebe die Vorrichtung samt Rad in den Kofferraum. Das Vorderrad stecke ich in die dazugehörige Tasche, fertig. Ja, mir geht es genauso wie euch: Ich verstehe den Sinn nicht. Hat doch immer auch so geklappt, ohne 289 € zu investieren.

Platz 2
#13 Platz 2

Platz 1

Der Sieger ist ein wirklich verdienter. Trotz eines langen Gesprächs und Infomaterial erschliesst sich die asiatische Philosophie von Spaß und Rückenschonung mir durchschnittlichem Mitteleuropäer nicht. Das CR-1 von COOLRUNNERSBIKE lässt mich immer noch sprachlos vor diesem Beitrag stehen. Darum versuche ich es mit schreiben.

Platz 1
#14 Platz 1

 

In der Autoszene gibt es Lowrider schon seit Jahren. Jetzt gibt es dies auch als MTB. Dieses Rad fährt wie ein schlecht eingestelltes Baumarktfully aus den Anfängen des Jahrtausends. Seit Jahren geht Antriebsneutralität über alles. Das ist jetzt vorbei. Das Lowriderbike CR-1 lässt sich über 24 Coolrunpositions individuell auf den Grad des gewünschten Wellenflows einstellen. Ein Ritt auf einem Kamel ist angenehmer. Wer sich fragt, warum eine fette Upsidedown Gabel mit Doppelbrücke verbaut ist, der sollte es mal fahren. Der Gerät schlägt hinten so aus, dass diese Gabel nötig ist, um die Schwingungen aufzufangen. Als finales Gimmick wurde in das 30 kg Rad noch ein E-Bikemotor verbaut. Dieser schafft mit seinen 300W schlappe 40 km/h, so sagt man. Nein, das war es noch nicht ganz. Um seinen Lowrider demnächst noch von einer Lowrider Hopping Competition zur nächsten zu bringen, ist es klappbar. Was für ein Rad!

Platz 1
#15 Platz 1

Video

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