Dauertest: Focus Raven MAX Factory (Zwischenbericht)

Schnell, agil, grazil, aggressiv: Umschreibungen, die zu jeder Art Raubtier passen würden. Aber vor mir räkelt sich kein Leopard oder Ozelot, sondern ein Rabe: Was hat sich Focus Bikes wohl dabei gedacht, ihr Race-Hardtail Raven zu nennen? Ich habe mir vorgenommen, es in einem Dauertest herauszufinden. Und wofür steht das Kürzel MAX – vielleicht für maximal steif, maximal komfortabel und maximal leicht?

Bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen einer Starrgabel im Rennbetrieb, wenden sie sich bitte an ihren Rennveranstalter oder den örtlichen Starrgabelfahrer.

Ein Satz der alles aussagt, was es zu der Problematik Starrgabel zu sagen gibt. Nach dem Motto „Alles kann, nichts muss“ ist es natürlich grundsätzlich möglich, ein komplett ungefedertes Bike über die Rennstrecken der Welt zu jagen. Wie hoch der Erlebnis- und Erfolgsfaktor bei solch einem Einsatz ist, hängt in diesem Fall dann aber auch sehr von der Leidensfähigkeit und dem Fahrvermögen des Fahrers ab.

Starrgabeln verzeihen keine Fehler, nicht nur im Wettkampf. Wurden Reifen und Reifendruck nicht richtig gewählt, ist es manchmal schnell vorbei mit der „Freude am Fahren“. Natürlich bin ich durch meine Vorliebe zum starren Bock vorbelastet. Jedoch versuchte ich, mich dem Thema Focus Raven Max Factory ohne übereifrigen Enthusiasmus zu nähern. Ich darf es vorweg nehmen, es gestaltete sich schwieriger als gedacht. Das Focus Raven Max Factory ist trotz kleiner Schattenseiten begeisterungswürdig. Nach 6 Renneinsätzen über 544 km und einer bisher gefahrenen Gesamtleistung von glatt 3.000 km zum Abschluss der „Night on Bike“, ist es Zeit ein erstes Fazit zu ziehen.

Trainingslager Ponyhof zum Start in die Saison
#1 Trainingslager Ponyhof zum Start in die Saison

Bensersiel ...
#2 Bensersiel …

... Ostfriesland
#3 … Ostfriesland
Dauertest: Focus Raven MAX Factory

Was bisher geschah

Trotz einer recht hochwertigen Ausstattung waren für mich, nach ein paar hundert Kilometern, einige Dinge am Rad zu ändern, um mich auf dem Focus wohler zu fühlen. Dazu gehörten direkt zu Anfang ein anderer Sattel und Griffe. Besonders als Langstreckenfahrer sind diese beiden Punkte wichtig um maximale Leistung auf längere Zeit abrufen zu können.

Die Continental Race King Race Sport wurden direkt auf Tubeless-Betrieb umgerüstet. Überraschenderweise hatte ich gar keine Probleme mit dem Abdichten der Reifen. Vor Jahren bin ich an Continental-Reifen mit meiner Latexmilch verzweifelt, aber nun ging es problemlos zu. Continental hat die Tublesseigenschaften ihrer Reifen enorm verbessert.

Ich gehöre zu der kleinen Fraktion von Fahrern, die Sram Gripshift lieben. Darum musste der orginal X1 Shifter einem XX1 Gripshift weichen. Zu guter Letzt wechselte ich den sehr schweren und klobigen X1 Spider gegen den leichteren der XX1 aus, weil ich dazu auch das passende Sortiment Kettenblätter besitze. Im Gegensatz zum 94 mm Lochkreis der X01, X1 und GX1 Gruppen, hat die XX1 einen Lochkreis von 76 mm. Dieser erlaubt es, auch ein Kettenblatt mit 28 Zähnen zu fahren.

Alle ergriffenen Maßnahmen sind rein individuelle Wunschumbauten. Wer keinen Hang zu steter Individualisierung hat, kann ohne Probleme auch mit der Standardausstattung sehr glücklich werden.

Nach dem Bikefitting muss noch Hand an den Turmbau angelegt werden. Beeindruckend wie tief die neue Syntace Lenkzentrale gewandert ist.
#4 Nach dem Bikefitting muss noch Hand an den Turmbau angelegt werden. Beeindruckend wie tief die neue Syntace Lenkzentrale gewandert ist.

Sram XX1 Spider, eine praktische Option um Kettenblätter der Größen 28 - 32 Zähne fahren zu können.
#5 Sram XX1 Spider, eine praktische Option um Kettenblätter der Größen 28 – 32 Zähne fahren zu können.

Da ich mir schon länger vorgenommen hatte einmal ein Bikefitting vornehmen zu lassen, bot sich die Gelegenheit an, dies während des Dauertests umzusetzen. Ausschlaggebend war die verbaute Lenkstange am Focus, welche mir zu unbequem war. Sie bescherte mir schlichtweg einschlafende Hände. Um endlich mal mit dem ganzen Halbwissen aufzuräumen das sich über die Jahre angesammelt hatte, wurde meine Sitzposition bei KOM-Sport in Köln genau vermessen und erklärt. Den Bericht dazu gibt es hier. Im Verlauf der Vermessung mussten Vorbau und Lenker neuen Komponenten von Syntace weichen, die besser zu meiner optimalen Sitzposition passen, als die orginalen Komponenten aus dem Hause Concept. Zwar wurde meine Sitzposition dadurch racelastiger, aber für mich auch komfortabler für die Langdistanzen.

Bikefitting bei KOM-Sport, Sebastian legt Hand an.
#6 Bikefitting bei KOM-Sport, Sebastian legt Hand an.

Im Gelände

Die erste Tour sollte direkt einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da kam die Einladung zu der „Rauf und Runter Tour“ in die Rureifel genau richtig. Diese Tour, die auf ihren 130 km alles beinhaltete was man an Gelände so fahren kann, hat bei mir dann auch ein erstes Glitzern in den Augen hinterlassen. Nachzulesen im Auftaktbericht zum Dauertest des Focus Raven MAX Factory.

So eine Begeisterung sollte natürlich nicht die Objektivität trüben. Darum bemühte ich mich sofort einige andere Touren mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Bedingungen zu fahren, bevor es auf die erste Renndistanz gehen sollte. Das diesjährige Wetter der extremen Superlativen machte es dann auch einfach, diesem Wunsch schnell Folge leisten zu können.
Grundsätzlich kann das Focus ob starr oder gefedert eins hervorragend, es fährt bergauf wie auf Schienen. Es ist wirklich beeindruckend, welch steile Rampen der Rabe erklimmen kann, ohne den Fahrer verzweifelnd aus dem Sattel gehen zu lassen. Aber auch wenn man den wohligen Platz auf dem Sattel verlassen muss, zieht das Focus immer noch souverän die Steigungen hinauf. Dabei ist es auch ganz unerheblich, ob Wurzeln, Steine oder ein Feuchtgebiet den Stollen zum Fraß vorgeworfen werden. Das Focus frisst Höhenmeter in jeder Variation. Meines Erachtens ist die Kombination aus einem steilen 74° Sitzwinkel und einem flachen 69° Lenkwinkel genau die Mischung, die das Rad im Berg so stark erscheinen lässt. Es mag sein, dass in gewissen Situationen die Frontlastigkeit zu Lasten der Traktion auf dem Hinterrad geht, mir persönlich ist dies aber nicht aufgefallen.

Erste Annährerungsversuche ...
#7 Erste Annährerungsversuche …

... im Bikepark Bad Salzdethfurt ...
#8 … im Bikepark Bad Salzdethfurt …

Als großer Freund von Maxxis Reifen ist der Continental Race King eine Premiere für mich und eine sehr gelungene dazu. Als erstes beeindruckt die enorme Reifenbreite des Race Kings in der Version 2.2 Zoll. Gerade bei einer Starrgabel ist die Dämpfung über einen breiten Reifen von Vorteil. Der Race King machte auch von Anfang an eine bessere Figur als es die feine Ansammlung von Stollen vermuten lässt. Nur wenn das Gelände zu nass wird, findet der Race King am Vorderrad schnell seine Grenzen. Dann ist äußerste Vorsicht geboten. Wie ich schon sagte: Starrgabeln verzeihen keine Fehler.

In diesem Fall bietet sich dann der Einsatz eines X-King am Vorderrad an. Diesen fuhr ich zum ersten Mal beim Rennen MTB am Rursee, bei den gewohnt schlammigen Bedingungen dieser Saison. Er konnte da überzeugen, wo der Grip des Race Kings mich vorher immer verließ.

... sind sehr vielversprechend.
#9 … sind sehr vielversprechend.

Das Fahren mit der Factory Version ist ein mehr oder weniger großes Erlebnis, abhängig von der Leidensfähigkeit und dem Fahrvermögen des Fahrers in Bezug auf den Geländezuschnitt. Ein Erlebnis ist es auf jeden Fall, denn eine Starrgabel hat allen Einschränkungen zum Trotz einige wesentliche Vorzüge. Direkter kann keine Kraftübertragung stattfinden. Alles was am Rad passiert wird in Vortrieb umgesetzt. Fahrer die gerne und viel im Wiegetritt fahren, finden im starrgabelbetriebenen Focus einen treuen und anhänglichen Begleiter.

Niemand wird je behaupten, dass der Rabe mit der Starrgabel eine Trailrakete sei, jedoch agiert das Rad bei aggressiver Fahrweise besser auf den Trails meiner Umgebung als erwartet. Ist das Gelände aber zu bockig, wurzellastig und verblockt wird es mühselig. Das was vorher noch akzeptabel war, wird dann schnell lästig. Je verblockter das Gelände, desto mehr Geschwindigkeit muss man rausnehmen. Bei Wurzelteppichen hilft drüberherfliegen durch Geschwindigkeitsüberschuss. Ich würde lügen mit der Behauptung, dass man keinen Spaß mehr hätte unter solchen Bedingungen, jedoch wäre der Spass mit einem gefederten Rad noch viel größer. Der Geschwindigkeitsjunkie jedoch wird seine heller Freude haben mit der Tatsache, dass er mit dem Factory tiefe Spuren in die Forstautobahnen brennen kann.

Auf der Rennstrecke

SKS Sundern Hagen, erstes Rennen der Saison und erste Leistungsbeschau auf der Kurzdistanz. Nachdem die meisten persönlichen Bestzeiten bei Strava meinen Eindruck von der Rakete auf zwei Rädern untermauerten, konnte sich das Rennergebnis von Sundern unkommentiert in diese Liste einreihen. Mein Cannondale Scalpel, welches ich die letzen Jahre im Rennbetrieb bewegte ist dem Focus im Vergleich in keinster Weise gewachsen. Natürlich ist es müßig ein Racefully mit einem starren Racehardtail zu vergleichen, jedoch kann das Racefully nicht da punkten wo ein Racehardtail versagen sollte. Dies mag daran liegen, dass viele Strecken einfach nicht anspruchsvoll genug sind, um den Vorteil des Racefullys ausspielen zu können.

SKS Marathon in Sundern
#10 SKS Marathon in Sundern

Mill-Man-Trail, Luxembourg
#11 Mill-Man-Trail, Luxembourg

La Reid 100km Marathon, Belgien
#12 La Reid 100km Marathon, Belgien

Das dachte ich auch noch als ich wahnwitzigerweise im Startblock der Ardennes Trophy stand, und mich fragte, WARUM? Eigentlich war dieses extrem harte und technische 100 km Rennen nicht geplant, weil man sowas nicht mit einer Starrgabel fährt. Aber wer nicht hören will muss fühlen. Erfahren konnte ich bei diesem Rennen die Vorteile des Focus Raven Rahmenkonzepts in Verbindung mit der Concept Sattelstütze.

Focus wollte ein ähnlich komfortables Racehardtail bauen wie Trek und BMC es schon vorgemacht haben. Und im Vergleich zum Trek Procaliber kann ich den Erfolg dieses Plans nur bestätigen. Zum einen flext das Sattelrohr sichtbar durch den freien Stand im Rahmen. Die Sitzstreben sind am Sattelrohr vorbeigeführt und nicht steif mit dem Sattelrohr im Sitzknoten verbunden. Das in Verbindung mit dem dünnen 27,2 mm Sitzrohr sorgt für den nötigen Flex. Die eigenwillige Concept Sattelstütze sorgt dann mit dem charakteristischen Loch auch noch für zusätzliche Dämpfung. In meinem Fall ist das auch noch über den langen Auszug der Sattelstütze sehr ausgeprägt. Fahrer die es gewohnt sind, mit bocksteifen Rahmen von Rennen zu Rennen zu fahren werden anfangs etwas irritiert sein über den Komfort.

„Fühlte sich anfangs so an als wäre zu wenig Luft in den Reifen“ – Zitat eines Freundes

#13

Hier nochmal deutlich zu erkennen wie frei das Sattelrohr steht, da die Sitzstreben aussen zum Oberrohr hin vorbei laufen.
#14 Hier nochmal deutlich zu erkennen wie frei das Sattelrohr steht, da die Sitzstreben aussen zum Oberrohr hin vorbei laufen.

Die sehr komfortable Sattelstütze von Concept.
#15 Die sehr komfortable Sattelstütze von Concept.

Bei den extremen Bedingungen die belgische Ardennenrennen so mit sich bringen, hat sich der Rahmen bestens bewährt. Und spätestens nachdem der Rabe reihenweise im Downhill an Racefullys vorbei geflogen ist, gab es zu der Rennkompetenz des Rahmens und der Starrgabel von meiner Seite nichts mehr hinzuzufügen. Die Verbesserung meiner Vorjahreszeit um ganze 60 Minuten ist sicherlich nicht nur den trockenen Verhältnissen geschuldet.

Im Vorfeld der kommenden 24h Rennen stand dann auch noch eine 400 km Westerwaldumrundung auf dem Programm bevor es zum ersten wichtigen Rennen des Jahres für mich ging, zu der Deutschen 24h Meisterschaft am Alfsee. Die verlief wegen gesundheitlicher Probleme alles andere als geplant und konnte ausser 50 km Krampf nichts zum Dauertest beitragen.

Nichtsdestotrotz kann ich durch meine Erfahrungen aus dem Vorjahr sagen, dass dieser extrem ungemütliche Rundkurs über Wiesen und Deiche über eine Länge von 24h natürlich sehr an den Kräften zehrt. Nicht umsonst starten hier einige Langstreckenfahrer mit dem Fully. Aber für Hartgesottene ist der Alfsee auch mit Starrgabel fahrbar.

Deutsche 24h Meisterschaft am Alfsee

#16 Deutsche 24h Meisterschaft am Alfsee

Kurzstecke MTB am Rursee
#17 Kurzstecke MTB am Rursee

MTB am Rursee, Heimrennen Kurzdistanz. Die Eifelrunde rund um Einruhr ist mit denen im Sauerland vergleichbar. Auch hier profitiert man mit einer Starrgabel auf den Anstiegen und Flachstücken mehr als das man in den Abfahrten verliert.

Ganz anders mein Eindruck bei der „Night on Bike“, dem 16h Rennen im Bergischen Land. Der Rundkurs dort hat zum einen mehr km als andere 24h Rundkurse und zum anderen auch stattliche 200 hm auf 11 km. Diese beinhalten jede Menge Wurzelteppiche. Auf Dauer ist das ein zermürbendes Unterfangen dort mit einer Starrgabel drüber zu bügeln. Die Starrgabel ermüdete mich nach der Hälfte des Rennens zunehmend. Anders als bei anderen 24h Rennen wo ich ohne wenn und aber zur Starrgabel greifen würde, so muss ich bei der „Night on Bike“ meine Grenzen mit einer Starrgabel erfahren lernen. Meine Erfahrungen zur Night on Bike findet ihr in diesem Artikel. Nächstes Jahr wird das Rennen als 12h/24h Variante stattfinden und ich würde mit einer Starrgabel nicht die 24h Variante wählen.

Night on Bike in Radevormwald

#18 Night on Bike in Radevormwald

16 h Trailspaß bis es einem zum Hals raus läuft.
#19 16 h Trailspaß bis es einem zum Hals raus läuft.

Haltbarkeit und Schäden

Bei dem ganzen Geschepper das sich dieses Starrbike seit 3.000 km antut, hatte ich mehr als einmal das Gefühl, dass der Rahmen dies nicht aushält. Mitnichten, trotz seines geringen Gewichts ist der Rahmen so stabil wie er sein sollte. Dazu überzeugen auch die Laufräder von DT Swiss. Sie sind zwar nicht die leichtesten, aber dafür sind sie super stabil und haben auch die ärgsten Schläge ohne Probleme weggesteckt. Einzig ein Sturz in den Lenker, bei dem ich mit meinem Knie das Vorderrad von 25 km/h auf null in Bruchteilen von Sekunden zum stehen brachte, nahm mir das Vorderrad mit einem leichten Seitenschlag übel. Das Knie sah danach aber um einiges schlimmer aus, als das Laufrad.

Während der 24h am Alfsee und der „Night on Bike“ durfte mich ein American Classic Wide Lightning Laufradsatz begleiten. Auf diesen exklusiven Laufradsatz werde ich im Herbst beim Abschlußbericht zum Focus Raven Max Factory genauer eingehen.

Die American Classic Wide Lightning werden bei Rad am Ring und den 24h Stuttgart beweisen können wie toll sie sind.
#20 Die American Classic Wide Lightning werden bei Rad am Ring und den 24h Stuttgart beweisen können wie toll sie sind.

Nach soviel Lobhudelei darf ein Haar in der Suppe auch nicht fehlen: Focus verlegt wie viele andere Hersteller auch ihre innenverlegten Züge in Inlinern. Das hat den ganz praktischen Vorteil, Gewicht zu sparen. Im Rennbetrieb vielleicht eine tolle Sache, wo Rennmechaniker sich immer um das perfekte Setup kümmern, in der Alltagspraxis häufig ein Ärgernis. Sobald das erste Mal an dem Schaltzug gearbeitet werden muss, oder Schmutz über die Übergänge vom Rahmen zu den Aussenhüllen vordringt, fangen meist die Probleme an. Bei mir traten sie auf, nachdem ich auf Gripshift umgerüstet hatte. Was genau passiert ist bei der Montage, weiß ich nicht. Da unterstelle ich mir lieber einen Montagefehler, als den Fehler bei anderen zu suchen. Definitiv war aber das Übel mit dem Schaltzug verbunden. Das Schaltwerk ließ sich nicht mehr sauber schalten. Was Anfangs nur eine kleine Veränderung in der Geräuschkulisse war, verschlimmerte sich zusehends. Nach dem Rennen in La Reid, bei einer Gesamtleistung von 1.793 km, war auch die Schaltperformance erheblich gestört. Es musste gehandelt werden.

Mir persönlich kommt es nicht auf 100 g an und somit traf ich die Entscheidung, einen durchgehenden Shimano SP41 Schaltzug zu verlegen, um ein langlebiges geschlossenes System zu fahren. auch kamen nun gedichtete Schaltzugtüllen zum Einsatz. Bei den original verbauten Jagwire Aussenzügen wurden ungedichtete Tüllen verbaut, was rostige Enden zur Folge hatte. Am Rahmen gibt es Kunststoffeinsätze an den Austrittsöffnungen, die mussten für den Aussenzug vergrössert werden, da die dickere Aussenhülle des SP41 sonst keinen Platz fand. Der Ausbau des Tretlagers war auch von Nöten, um den Zug fachgerecht verlegen zu können. Meine Bedenken dort im Tretlagerbereich nicht genug Platz für die dickere Aussenhülle vorzufinden, war unbegründet. Da ich beim Ausbau die Kunststoff-Lagerschalen des PF30 Tretlagers beschädigte, wurde auch ein neues Tretlager verbaut.

Sram X01 Kassette nach fast 3000km, der Lack ist ab. Der Performance tut das nix.
#21 Sram X01 Kassette nach fast 3000km, der Lack ist ab. Der Performance tut das nix.

Abgesehen von dem Zugproblem ist die Schaltung gewohnt unkompliziert. Die Kassette weist den üblichen unschönen Abrieb der schwarzen Oberflächenversiegelung auf und das Schaltwerk verrichtet trotz einiger Blessuren weiterhin seinen Dienst. Die Kassette schaltet weiterhin einwandfrei. Sie wurde schon mehrfach demontiert und der integrierte Abzieher funktioniert problemlos. Wichtig ist es hier, die Anzugsmomente zu beachten, ein wenig Fett zu verwenden und, dass der Zahnkranzabzieher tief genug in der Kassette sitzt. Sitzt er nicht tief genug, kann es dazu führen, dass der integrierte Abzieher seine Zähne verliert.

Auch die Sram Guide R Bremsen arbeiten unauffällig gut. Nach 2.700 km wechselte ich zum ersten Mal die Beläge. Die alten waren zwar noch nicht ganz abgefahren, jedoch wollte ich bei der „Night on Bike“ kein Risiko eingehen.

Die innenverlegte Bremsleitung ist verantwortlich für ein Klappern im Rahmen wenn es ruppig wird. Was ich anfangs ein wenig nervig fand, stört mich nun schon lange nicht mehr. Ich mag die aufgeräumte Optik, die durch die Innenverlegung entsteht. Dies wiegt für mich die Vorteile einer Aussenverlegung der Züge auf.

Reifen die ihrem Ende entgegen sehen
#22 Reifen die ihrem Ende entgegen sehen

Die DT Swiss M1700 glänzen durch ihre Stabilität und Wartungsfreiheit. Da nehme ich gerne 300 g mehr in Kauf
#23 Die DT Swiss M1700 glänzen durch ihre Stabilität und Wartungsfreiheit. Da nehme ich gerne 300 g mehr in Kauf
Nach gefahrenen 2.700 km wurde es auch Zeit, sich mit einer neuen Bereifung auseinander zu setzen. Beide Continental Race Kings wiesen doch schon starke Abriebsspuren an den Flanken auf und beim Hinterrad sogar erste Verletzungen der Karkasse. Das Profil des hinteren Reifens befand sich an der Verschleißgrenze. Somit wanderte der Vorderreifen erstmal auf das Hinterrad und vorne wurde ein Continental X-King 2.2 Racesport aufgezogen. Er zeigte dann auch bei den schlammigen Verhältnissen rund um den Rursee, dass er nicht nur für nasses Gelände im Rennen vorne die bessere Wahl ist. Neben dem mehr an Grip, ist die Reifenbaubreite das andere was sofort auffällt. Der X-King fällt deutlich schmaler aus.

Ich weiß, dass es viele Fahrer gib,t deren Reifenflanken nach 2.700 km nicht diese starken Abnutzungen aufweisen, wie an meinen Race-Kings. Das liegt dann in erster Linie daran, dass immer noch zu viele Mountainbiker mit zu viel Druck im Reifen fahren. Ich fahre bei meinen 74 kg einen Reifendruck von 1,6/1,8 bar max. In technischem Gelände darf es auch mal 0,1bar weniger sein.

Dadurch sind die Reifen natürlich extremen Kräften beim walken ausgesetzt, was auch die Spuren auf den Seitenflanken erklärt. Beim Race-King baut die Seitenflanke breiter als die Stollen. Dadurch ist die Karkasse natürlich noch gefährdeter gegenüber Reifenschlitzern. Eine saubere Fahrweise verlängert hier das Leben des Reifens.

Eine genaue Auflistung aller gewechselten Verschleißteile und Reparaturen gibt es im Abschlussbericht im Herbst.

#24

Fazit zur Halbzeit

Manchmal hat man als Redakteur das Gefühl sich entschuldigen zu müssen, wenn ein Test so positiv ausfällt. Aber was soll ich machen? Ich werde kein Rad schlechter schreiben als es ist, nur damit es so aussieht als wäre man dadurch unabhängiger. Mein Anspruch ist es objektiv zu sein. Ich habe bis jetzt noch kein schnelleres und zuverlässigeres Rad als das Focus Raven MAX Factory gefahren. Diese Einschätzung mag vielleicht auch durch meine Begeisterung beeinflusst sein. Zum Anderen liegt es daran, dass Focus ein tolles Rahmenkonzept bis zur Vollendung voran getrieben hat. Mit Sicherheit gibt es gleichwertig gute Alternativen und mit Sicherheit passt dieses Rad, mit seiner Starrgabel, nicht zu jedem Fahrer. Jedoch ist es für mich unbestreitbar, dass das Focus Raven Max Factory zu dem Besten gehört was der Markt im Moment zu bieten hat. Wem die hier vorgestellte Variante nicht komfortabel genug ist, findet den Rahmen auch noch in anderen Ausstattungsvarianten mit Federgabel.

#25

Technische Daten

Über den Dauertest

Ablauf

Die Dauertests auf MTB-News.de folgen alle dem selben Schema: dieser wird bis Ende Oktober 2016 laufen. Dann werden wir die abschließenden Ergebnisse präsentieren. Insgesamt dürft ihr euch über drei umfangreiche Artikel zu diesem Bike freuen:

Vorstellung des Dauertest-Bikes (Link)
Zwischenbericht zum Dauertest-Bike (dieser Artikel)
Abschlussbericht zum Dauertest-Bike

Während wir in einem ersten Bericht das Dauertest-Bike bereits vorgestellt und einige grundlegende Punkte angesprochen haben, folgte hiermit der Zwischenbericht zum Bike.

Im noch ausstehenden Abschlussbericht Ende Oktober werde ich mein abschließendes Fazit zum Bike präsentieren und selbstverständlich ein Update geben, wie sich das Rad im Dauereinsatz geschlagen hat. Soweit diese Daten vorliegen, präsentieren wir die Entwicklung von gefahrener Strecke und Höhenmetern, geben Aufschluss über die vorliegenden Testbedingungen und arbeiten heraus, für wen und welchen Einsatz das Rad geeignet ist. Außerdem befassen wir uns basierend auf den Entwicklungen im Test ausgiebig mit der Ausstattung und zeigen auf, wo Verbesserungs- und Tuningpotential besteht.

Im Verlauf des Dauertests versuchen wir grundsätzlich, die Bikes in der Serienausstattung zu fahren und dokumentieren, wann Defekte, Reparaturen oder ähnliche Maßnahmen fällig werden. Wie auch bei privat genutzten Rädern behalten wir uns vor, die Räder im Verlauf der Saison in den üblichen Details anzupassen. Wenn Komponenten gewechselt werden, wird das entsprechend ebenfalls vermerkt werden.

Testerprofil

Weitere Informationen

Das Dauertestrad wurde MTB-News.de von Derby Cycle GmbH zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zum Focus Raven Max Factory findet ihr auf der Seite von Focus-Bikes.

Think Pink, eure Muschi

# 26

Stellungnahme des Testers

„Dem ein oder anderen wird sich unter Umständen die Frage des Interessenkonflikts und der Befangenheit stellen, da ich Mitglied des Focus Rapiro Racing Team bin. Ich möchte dazu Stellung nehmen, bevor dies in den Kommentaren zu wilden Spekulationen führt. Das mir zur Verfügung stehende Rad wurde über die Redaktion von mtb-news, bei Derby Cycles angefragt. Es ist kein Teamrad und das Team Focus Rapiro Racing war auch nicht in die Order involviert. Das Rad ist Eigentum von Derby Cycles und wurde MTB-News zu diesem Dauertest überlassen. Weder meine Ausrüstung oder meine Bekleidung sind in irgendeiner Art und Weise durch die Firma Focus(Derby Cycles) gesponsert. Ich kann versichern das Rad so unbefangen zu testen, wie das auch in der Vergangenheit geschehen ist. Das Team und Focus haben und werden keinen Einfluss auf meine redaktionelle Arbeit ausüben.“