* Der Weg ist nicht genug

Es gab mal eine Zeit, in der es im Wald noch in Ordnung war. Die Jäger jagten, die Holzfäller fällten, die Wanderer wanderten und die Radfahrer radelten. Und so funktionierte das Zusammenleben recht gut, man hatte sich aneinander gewöhnt. Doch dann brach in der heilen Welt ein neuer Konflikt auf, dessen Grabenkämpfe das Miteinander im Wald stark beschädigte.

Mountainbiker beschränken sich nicht mehr nur auf das Radeln im Wald. Das alleine ist vielen Mitmenschen ja schon ein Dorn im Auge. Nein, Bob der Baumeister ist im Mountainbiker erwacht. Es wird im Wald gebuddelt, gehämmert und gesägt was das Zeug hält. Der Weg, wie er seit vielen Jahren vor uns liegt, scheint nicht mehr genug. Animiert von Youtube, Rampage und “no dig no ride” zieht der moderne Glücksritter mit Säge und Spaten in den Wald, um immer waghalsigere Strecken zu bauen. Wer Eigentümer des Waldes ist, oder ob es sich um eine sensibles Gebiet handelt, wird nicht beachtet. Der Drophopper-Tablewopper kann nicht anders. Er sieht vor dem geistigen Auge die Line und legt einfach los.

Waren es früher kleine Anlieger oder Kicker auf dem Weg, die nur dem kundigen Auge aufgefallen sind, so erfreuen wir uns heute an Erdarbeiten, die weder Fuchs noch Dachs toppen können. Roadgaps über Spazierwege und Northshores in Baumwipfelhöhe zieren den deutschen Wald. Früher waren es kleine Kinder, die einmal im Matsch buddeln wollten. Heute sind es Männer von jung bis pikant, die mit Klappspaten und Akkusäge losziehen.

Waren früher solche Spots noch geheim und wurden unter der Hand nur an gute Freunde weitergegeben, so sprechen sich die Locations heute im Internet herum. Erst ein, dann zwei, dann drei und schon ist es mit dem Geheimnis vorbei. Und alle bauen munter weiter, ohne einen Gedanken an die Folgen zu verschwenden. Als Folge des sich selbst zugestandenen Gewohnheitsrechts wird dann noch extremer und höher gebaut, als die ursprünglichen Erbauer es für verträglich befunden hatten. Irgendwann wird es dann zu viel des Guten. Je intensiver sich eine Strecke herumspricht, desto mehr Müll findet sich dann auch noch im Wald. Wann findet der erste Flashmob auf einer illegalen Strecke statt?

Verständlich, dass ein Waldeigentümer solche Hinterlassenschaften in seinem Wald kaum dulden möchte. Es gibt zu bedenken, dass er theoretisch für die Bauwerke in seinem Wald haftbar gemacht werden kann. Ein morscher Northshore oder eine Rampe aus der die Nägel schauen gelten nicht als waldtypische Gefahr. Und dafür haftet zunächst einmal der Grundbesitzer, wenn ein Schadensfall eintritt. Er hat dann den schwarzen Peter und kann sehen, wie er ihn wieder los wird.

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Der gemeine Mountainbiker hingegen hat für sein Tun eine schnelle Antwort parat. Die Harvester machen doch noch mehr Schäden. Die Waldbesitzer sollen sich doch nicht so haben. Mann wird immer ein Argument finden, welches das eigene Handeln verharmlost und das Handeln anderer verschlimmert.

Der Einsatz von Harvestern lief viele Jahre aus dem Ruder. Wir alle kennen die Bilder der Verwüstungen. Auch ich hatte häufiger schon eine Träne im Auge bei der Trauer um einen Trail. Aber die Forstwirtschaft hat erkannt, dass es so nicht mehr weitergehen kann und hat viele Leitlinien zur bodenverträglichen Waldbewirtschaftung erstellt. Noch wird dies nicht überall so beachtet wie gewünscht, aber immerhin ist in der Branche eine Sensibilisierung eingetreten. Die Forstämter nehmen gerne Hinweise entgegen, falls ihr Schäden durch Holzgewinnung entdeckt, die nicht zu verantworten sind. Nur müsst ihr auch eure Möglichkeiten zur Einflussnahme nutzen.

Mountainbiken ist in Deutschland auf Wegen erlaubt. Eine Regelung, die deutlich liberaler ist als in vielen angelsächsischen Ländern. Dort müssen Biker sich eigene Strecken bauen, die zuvor eine Genehmigung durchlaufen haben. Der Mountainbikesport differenziert sich zusehends. Der Wunsch nach gebauten Elementen ist verständlich. Aber wem der Weg in Deutschland nicht genug ist, der kann sollte mit dem Forstamt in Kontakt treten und versuchen, eine legale Freeridestrecke zu errichten. Viele Beispiele der letzten Jahre zeigen, das engagierte Bikevereine vor Ort gute Strecken gebaut haben. Die DIMB hat hierzu Leitfäden und bietet Beratung an. Die Gemeinden stehen solchen Vorhaben zusehends offener gegenüber.

Bestes Beispiel ist der Bikepark in Aachen. Der Träger Geländefahrrad Aachen e.V. hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Radsportvereine in NRW entwickelt. Er ist entstanden, weil die Zustände im Aachener Wald äusserst gefährliche Ausmasse für alle Beteiligten angenommen hatte. Nachdem ein Ansprechpartner auf Mountainbikerseite vorhanden war, konnte in Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen und zahlreicher Behörden der heute existierende Bikepark in Aachen realisiert werden (Link zum Artikel auf MTB-News.de).

Wer aber meint, das Genehmigungsverfahren abkürzen zu können, in dem er einfach drauf los buddelt, erweist dem MTBSport einen Bärendienst. Einige Wenige ramponieren das Image des Sportes nachhaltig, wenn in der Tagespresse permanent von “den Mountainbikern” die “illegale Strecken anlegen” die Rede ist. Die Konsequenz sind Reglementierungen und Wegsperrungen für alle Mountainbiker auch auf bisher erlaubten Wegen.

Hier einmal zwei Berichte zu aktuellen Problemzonen in Osnabrück und in Kassel.

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi