Blackburn Ranger Camp

Blackburn suchte zum 5. Mal ihre Blackburn Rangers – Biker, die sich auf 4 verschiedene Routen Europas begeben und über ihre Abenteuer berichten werden. Diese wurden Anfang des Jahres aus einer großen Menge von Bewerbern ausgewählt, um sich nun an einem gemeinsamen Wochenende im Hinterland von Madrid näher kennen zu lernen. Ich durfte im Blackburn Ranger-Camp ebenfalls dabei sein, um zu erleben, wie die Ranger auf ihr großes Abenteuer vorbereitet werden. Die Idee dahinter ist eine klassische Win-Win Situation: In dem Blackburn und seine Partner ein Quartett an Globetrottern mit ihren Produkten auf große Tour schickt, bekommen sie praxisnahe Erfahrungswerte zu ihren Produkten und die Ranger eine Ausrüstung, die keine Wünsche offen lässt.

Donnerstag Nachmittag, es ist Anfang Mai und irgendwer hat die Sonne kaputt gemacht. Zuhause läuft immer noch die Heizung und ich freue mich darauf, endlich mal wieder eine kurze Hose anziehen zu dürfen. Zum Glück findet das Blackburn Ranger Camp im sonnigen Süden statt. In froher Erwartung auf viel Sonne und Spaß steige ich in den Flieger nach Madrid. Jedoch bin ich etwas enttäuscht, als ich den Aeroporto Adolfo Suárez Madrid-Barajas verlasse: Eigentlich wollte ich hier anfangen, meine Vitamin D Mangelerscheinung auszukurieren. Es ist zwar etwas wärmer als im Kühlschrank Eifel, doch auch hier leidet die Sonne unter schwer zu behebenden Ausfallerscheinungen.

Ready to go

#1 Ready to go

Packen und kennenlernen

#2 Packen und kennenlernen

Tausche altes Rad gegen neues, bitte!
#3 Tausche altes Rad gegen neues, bitte!

Langsam trudeln alle Camp-Teilnehmer ein und es beginnt das große Auspacken. Es gilt für jeden Teilnehmer, sein Niner Bike anzupassen und mit Blackburn-Packsystemen auszurüsten. Darin soll das nötige Equipment für drei Campingtage verstaut werden. Unterstützt wird Blackburn dabei von Partnern wie SRAM, Giro, Bell, WTB, Big Agnes und Kitsbow Apparel.

Das Ausrüsten der Räder ist der einfachere Teil der Übung. Interessant wird es, als es darum geht seine persönlichen Dinge zu den Überlebensnotwendigen dazu zu packen. Hier hört man am besten auf zu denken, bevor die ersten Relais im Oberstübchen durchbrennen. Es ist das erste Mal, dass ich bepackt zu Bike in der Pampa unterwegs sein werde. Mein Credo „unplanned but overpacked“ findet hier keine Anwendung. Ich muss mir darüber im Klaren werden, was ich mitnehmen will und was nicht – UNMÖGLICH. Ich bin ein Jäger und Sammler, alles kann man irgendwann mal wieder gebrauchen. Genauso packe ich auch meine Koffer oder die Werkzeugkiste. Dieser Moment ist genau die richtige Situation, um weiter an meinem Vorsatz 2017 zu arbeiten: loslassen und wegwerfen.

Am Ende der Kofferentrümpelung liegt zwar nur noch ein armseliger Haufen meiner Habseligkeiten vor mir, jedoch ist er noch zu groß für den spärlich gesäten Platz am Rad. Für meine Schuhe und meine Jacke muss es Lösungen ausserhalb der Packtaschen geben. Die Vorstellung, mit wie wenig Gepäck Menschen bei langen Bikepacking-Reisen unterwegs sind, lassen mich wieder darüber nachdenken, wie verwöhnt man doch geworden ist. Die Möglichkeiten, einen halben Hausstand mit in den Urlaub zu nehmen, lässt einen doch den Blick auf das Wesentliche verlieren. Im Vergleich zu den Pressevertretern sind unsere vier Ranger und die Organisatoren von Blackburn alles erfahrene Selbstversorger auf dem Rad und stehen uns glücklicherweise mit Rat und Tat zur Seite.

Bitte lächeln

#4 Bitte lächeln

Anscheinend fand man beim Casting der Blackburn Ranger daran Gefallen, vier Outdoor-Spezialisten aus der radtechnischen Steinzeit in die Neuzeit zu katapultieren. Keiner von ihnen hat vorher je auf einem 29er gesessen, eine hydraulische Scheibenbremse gefahren oder etwas von einer SRAM Eagle-Schaltgruppe gehört. Man sieht Pablo, Fabian, Jenny und Namz förmlich an, wie beeindruckt sie vom Gewicht und den Möglichkeiten der Räder sind. Alle bereisten bis jetzt die Welt auf Rädern, wie die meisten von uns sie schon lange nicht mehr fahren.

Fabian aus Deutschland und Jenny aus Schottland reisen von nun an auf Niner S.I.R 9, Namz aus den USA vergnügt sich auf einem AIR 9 RDO und Pablo aus Spanien auf einem RLT 9 mit Gepäckträgersystem, um Hippie eine Sitzgelegenheit zu geben. Hippie ist seine Mischlingshündin und überall mit dabei.

Das erstes Kennenlernen zwischen Rad und Packsack ist für alle ein Erlebnis und die ersten atemberaubenden Geschichten über Reisen durch Afrika, die Sahara und der Mongolei machen die Runde. Es sind Geschichten über Menschen, über ein Erleben von Kultur abseits jeden Tourismusses, fernab jedes Hochglanzprospektes von Reiseveranstaltern. Und da gibt es wie gesagt noch Hippie Pablos bessere Hundehälfte. In einer Plastikbox stehend reist sie schon seit Jahren mit ihm durch die Welt und es gibt eigentlich nichts, was sie sich nicht teilen. Man mag es kaum glauben, aber teilweise fährt Pablo mit bis zu 70 kg Zuladung durch die Gegend.

Bikes only
#5 Bikes only

Trails im Stadtgebiet von Madrid
#6 Trails im Stadtgebiet von Madrid

Nach 30 km haben wir Madrid verlassen.
#7 Nach 30 km haben wir Madrid verlassen.

Freitagmorgen, unser Ausritt beginnt. Entspannte 100 km ins Hinterland von Madrid stehen uns bevor. Ich habe definitiv gar keine Ahnung, was mich erwartet, war jedoch beim Anflug auf Madrid schon sehr verwundert darüber, wie bergig die Region ist. Ich dachte immer, dass man Berge in Spanien an der Landesgrenze zu Frankreich findet, aber da bin ich auf einem ganz brüchigen Holzweg unterwegs. Die nächste Überraschung ist die Infrastruktur, die man hier in Madrid Radfahrern zur Verfügung stellt. Überall führen separate Radwege entlang der großen Ausfallstraßen aus Madrid heraus. Hinauszukommen aus Madrid ist jedoch einfacher gesagt als getan: Runde 30 km dauert es, bis wir die sechs-Millionen-Metropole und seine Vororte endgültig verlassen haben, um uns ins Gebüsch zu schlagen. Tiefenentspannt fernab jeden Leistungsgedankens geht es in die ersten Hügel. Die Sonne meldet immer noch Defekt, doch das stört niemanden. Die Temperaturen sind angenehm, die Wolkenlage weniger.

Ein Anstieg von 14 km hinauf zum Puerto de la Morcuera auf 1796 m Höhe ist unser Highlight des Tages, und das in jeder Hinsicht. Stark auffrischender Wind und einsetzender Regen lassen nicht vermuten, dass man sich in Spanien befindet. Jenny fühlt sich wohl, sie kommt aus den schottischen Highlands und Fabian beklagt sich über die fehlende Wettergarantie. Der Rest schweigt und macht sich Gedanken über die feuchtfröhliche Abfahrt. Mir ist es egal, ich bin Elend gewohnt. Die letzen 2 Kilometer zur Passhöhe legen wir auf Asphalt zurück und die aufgesprühten Namen auf der Straße können von den Dramen erzählen, die hier oben schon während der Spanienrundfahrt stattgefunden haben. Während wir uns, oben angekommen, in eine Schutzhütte flüchten und den Starkregen aussitzen, mache ich mir so meine Gedanken über meine Schuhe. Meine Füsse nehmen gerade ein Bad und können dieses später in den Ersatzschuhen fortsetzen. Wasserdichte Packtaschen sind schon eine tolle Erfindung, wenn denn noch Platz drin wäre.

High noon
#8 High noon

Anstieg zur Bergwertung
#9 Anstieg zur Bergwertung

immer lässig bleiben
#10 immer lässig bleiben

Der ungemütliche Teil beginnt kurz vor der Passhöhe auf 1796 m.
#11 Der ungemütliche Teil beginnt kurz vor der Passhöhe auf 1796 m.

So schnell wie das Unwetter gekommen ist, ist es auch wieder vorbei. Nach einer kurzen Abfahrt geht es wieder in in den Wald. Vorbei am Pena Mingomolinera geht es über eine ausgewaschene Abfahrt hinab ins Valle del Lozoya. Wasser tut nicht weh, also laufen lassen. Anfangs fahren wir noch rutschend durch schlammige Rinnsale, dann trocknet die Strecke deutlich ab. Dafür ist im mittleren Abschnitt von Weg häufig nicht mehr zu sprechen. Tief ausgewaschene Rinnen und Geröll machen die Abfahrt sehr spannend. Das Gepäck behindert zwar nicht wirklich, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, aber ein Bunnyhop wird zur richtigen Herausforderung. Das Mehrgewicht am Lenker ist anfangs noch ungewohnt, jedoch legt sich diese Unsicherheit recht schnell und stellte sich nie wirklich als Handicap dar. Gepäck am Rad als Ausrede für dummes Fahrverhalten hatte ich auch noch nicht.

Unten im Tal des Rio Lozoya angekommen, tut das Wetter so, als hätte es keinen Regen gegeben. Sehr schön, Zeltaufbau unter leicht bedecktem Himmel ist mir sehr sympathisch und ich hege auch wieder Hoffnung für meine nassen Schuhe.

Gruppenkuscheln
#12 Gruppenkuscheln

Abfahrt von der Puerto de la Morcuera
#13 Abfahrt von der Puerto de la Morcuera

Schnell noch ein Video gedreht
#14 Schnell noch ein Video gedreht

Das Val de Lozoyo
#15 Das Val de Lozoyo

Ein Campingplatz, ein ausgedientes Fussballfeld als Camp und eine hervorragende Infrastruktur bieten einen gerne angenommenen Luxus. Wir sind mit der luxuriösen Situation vor Ort weit entfernt von den krassen Selbstversorgergeschichten der 4 Ranger. Unser krasses Erlebnis wird es sein, um 22:00 Uhr, nach gutem Essen und viel Wein, unsere Zelte im Dunkeln aufzubauen. Highlight in unserer Ausrüstung ist der Pumpsack. Durch Zusammendrehen des Sacks wird die komprimierte Luft durch einen Ventilanschluss in die Luftmatratze gedrückt. Nach getaner Arbeit dient dann der aufgeblasene Pumpsack als Kopfkissen. Als letztes folgt die Lektion „Feuer machen mit feuchtem Stroh für Anfänger“, damit man wieder zum gemütlichen Teil des Abends übergehen kann.

Am Ende kommt doch noch die Sonne raus.
#16 Am Ende kommt doch noch die Sonne raus.

Radgarage Sonnenterrasse
#17 Radgarage Sonnenterrasse

Vorsicht, das Abendessen folgt noch.
#18 Vorsicht, das Abendessen folgt noch.

Butler Hippie
#19 Butler Hippie

Der nächste Tag ist zweigeteilt. Während die Presseleute die Umgebung rund um den Embaise de Pinilla auf den Rädern erkunden, ist für die vier Blackburn Ranger Schulbankdrücken angesagt. Nach der Philosophie „The product is everything“ gilt es, näher auf das Equipment und dessen Handhabung einzugehen. Auch die Ideen rund um die geplanten Projekte sind Thema, während wir gemütlich unsere Kilometer abspulen.

Die Gemütlichkeit endet aber vor einem geschlossenen Gatter, auf dem ein Rindvieh abgebildet ist. Okay, denke ich mir, dann sollten wir das Tor hinter uns auch wieder sorgfältig schließen. Falsch, wir sind in Spanien und Rindviecher begegnen einem hier nicht mit der gleichgültigen Stumpfheit einer deutschen Holsteiner Kuh. Hier ist Caracho und Caramba auf der Weide angesagt, wenn Frau Kuh nach dem Nachwuchs schaut oder Herr Stier was zwischen die Hörner braucht. Zum Glück retten uns unsere spanischen Führer vor dem fatalen Fehler einer Begegnung der dritten Art.

Nachdem wir es auf der ersten Hälfte der Runde haben schleifen lassen, geben wir auf dem Rückweg den Ninern die Sporen. Dabei gibt es festzustellen, dass der spanische Autofahrer ähnlich dem deutschen ist: Er ist nicht gefährlicher, aber auch nicht friedlicher, und es findet sich immer einer, der den Körperkontakt sucht.

Ein paar Flaschen Wein und lokale Schnäpse später.
#20 Ein paar Flaschen Wein und lokale Schnäpse später.

Glücklich, wer Erleuchtung findet.
#21 Glücklich, wer Erleuchtung findet.

Zurück im Camp wartet ein ganz besonderes Barbecue auf uns. Grillen am offenen Feuer auf einem 15 mm dicken Metallring, der durch das offene Feuer angeheizt wird. Bei so einem aussergewöhnlichen Grill schmecken die dargebotenen spanischen Leckereien nochmal so gut…

Danke Spanien, danke Blackburn, danke Bikepacking-Experience für das etwas andere Wochenende. Mal über den Tellerrand eines leistungsorientierten Marathon- und Trail-Liebhabers hinaus zu schauen öffnet einem doch mal eine andere Perspektive aufs Radfahren. Es bleibt die Lust, es nicht mehr beim Lesen von Reiseberichten bewenden zu lassen. Wir dürfen gespannt sein, was die vier Blackburn-Ranger alles erleben werden auf ihren Reisen durch das schottische Hochland, die Alpen, quer durch Deutschland und auf den Pilgerrouten „El Camino de Compostela“ in Spanien.

Einmal schön, bitte
#22 Einmal schön, bitte

Endlich hat jemand die Sonne repariert
#23 Endlich hat jemand die Sonne repariert

Marschverpflegung
#24 Marschverpflegung

Finale am Grill
#25 Finale am Grill