BIKE Transalp 2016: Fünf Freunde sollt ihr sein (Teil 2)

Nach der gestrigen Etappe sitzen Tim und Torben auf Klappstühlen vor unserem Wohnmobil und schauen zu, wie die Betreuerminions vom Wilier Racing Team die Räder von Toni Longo und Johnny Cattaneo auf die morgige Etappe vorbereiten. Tim und Torben werden das nach dem Abendessen selbst erledigen, der Betreuer hat keine Zeit. Er spielt gerade andere Stärken aus! Sein unbegrenzter Kontakttrieb braucht seinen Auslauf. 

Ob Pierre (Bischoff), Markus (Kaufmann), Marc (Schneider) oder der Liebe (Gott): Über die Prominenz dieser Veranstaltung wird am Frühstückstisch grundsätzlich nur im Vornamenmodus gesprochen und die Jungs müssen ganz schön aufpassen, dem unbändigen Mitteilungsbedürfnis des rasenden Betreuers zu folgen. Ist das alles aufregend hier! Einen Vorteil hat es: Sie können sich keine Gedanken darüber machen, welche Strapazen heute auf sie warten.

Hier findet ihr Teil 1 der BIKE Transalp Story.

So sehen Sieger aus

#1 So sehen Sieger aus

Paul Lange kommt mit großem Aufgebot daher, Arbeit gibt es genug.

#2 Paul Lange kommt mit großem Aufgebot daher, Arbeit gibt es genug.

Morgendliches Frühstück im Jentschura-Lager
#3 Morgendliches Frühstück im Jentschura-Lager

Mittwoch, Livigno – Bormio, 73,55 km/2573 hm

Kalt war es heute Nacht. Kein Wunder auf einer Höhe von 2.000 m. Der heutige Tag wird ein Kontrastprogramm zur Nacht, mit Temperaturen zwischen 15 und 30 Grad – je nachdem, ob man sich in Bormio auf 1.200 m oder auf der Bocchetta di Forcola mit 2.768 m befindet. Ja, heute überfährt die Transalp das Dach der 2016er Ausgabe.

Die Zwischenverpflegung durch mich fällt heute aus, da die Umbrai-Passstrasse zu schmal ist, um dort mit einem Wohnmobil hinaufzufahren. Viktor, der Betreuer des Leader-Teams der Frauen, Sarah Reiners und Cemille Trommer vom Team Nutrixxion Focus RAPIRO Racing, übernimmt das für mich. Damit bleibt mir Zeit zum Fotografieren. Ausgesucht habe ich mir dafür das letzte lange Trailstück nach Bormio, welches auch die Maxxis Enduro-Challenge des heutigen Tages beinhaltet. Dafür heißt es aber erstmal, von Bormio aus 200 hm auf der Umbrai-Passstraße zurückzulegen. Die Schnittstelle ist der Punkt, von wo die Fahrer von oben die Passstrasse hinabkommend in den finalen Trail einsteigen.

Ich finde alles hier genial. Langsam mutiere ich zum Fotografen: Ich überlege mittlerweile genau, was ich so alles anstellen kann, um ein tolles Foto zu bekommen. Wenn das bedeutet, sich dabei fast überfahren zu lassen, wird auch dieses Opfer hingenommen. Aber irgendwann ist gut und zum Ende hin will ich meinen Spass auf der Enduro-Challenge haben. Die hat es in sich. Der Trail ist zwar nicht verblockt, aber sehr steil und mit sehr grobem Schotter belegt. Ich dachte, ich hätte freie Fahrt. Dabei hat meine Mama immer gesagt, ich solle das Denken den Kühen überlassen, denn die hätten größere Köpfe. Schnell fahre ich trotz Starrgabel auf die Fahrer vor mir auf. Die Ersten gucken ein wenig entgeistert, als ich an ihnen vorbei fliege, die Letzten mosern mit den Worten: “Du darfst hier nicht überholen, du hast keine Startnummer.” Ich winke mit meinem Presseausweis und bin dann mal weg.

Die finale Abfahrt nach Bormio

#4 Die finale Abfahrt nach Bormio

Die Anfahrt zur MAXXIS-Enduro-Challenge der 4.Etappe
#5 Die Anfahrt zur MAXXIS-Enduro-Challenge der 4.Etappe

Unser Jens freut sich über jede Abfahrt.

#6 Unser Jens freut sich über jede Abfahrt.

Nach der vierten Etappe tun sich langsam die Abgründe in der Rennfahrerseele auf. Motzig, körperlich und geistig erschöpft sind meine Jungs. Wenn 5 Männer seit Tagen in einem Wohnmobil kaserniert sind, setzt das ein gewisses Maß an Toleranz und Akzeptanz voraus. Jetzt, mit zunehmender Erschöpfung, lassen Geduld und Verständnis nach. Da wird schon mal gejammert und gemault. Ich denke so langsam ist der Punkt erreicht, wo es statt erleben nur noch überleben heißt. Aber alle haben sie jetzt einen Knacks weg. Und das muss so sein: Hier fahren nur Menschen und keine Maschinen. Die Spuren, die solch ein hartes Rennen hinterlässt, sind das, was am längsten in Erinnerung bleibt, wenn man es trotzdem geschafft hat. Nach ein bisschen Ruhe und einer großen Portion Milchreis sieht die Welt schon wieder anders aus. Keiner will an morgen denken, denn morgen wartet der härteste Anstieg, der Gavia-Pass, auf meine Jungs. Ich habe gehört, dort wohnt der Mann mit dem Hammer.

„Total lustig, mit Rennfahrern zu sprechen, die die Transalp auch wirklich als Rennen am Limit fahren, so wie meine Jungs. Die sind so konzentriert und fokussiert, dass sie gar nicht mehr mitbekommen, durch was für eine schöne Gegend sie fahren. Da fragst du die Vier nach Sehenswürdigkeiten und sie wissen gar nicht, wovon ich rede. Den Torben fragte ich vor Tagen, wie er die Panzersperren am Reschen-Pass fand? Er hatte nur Fragezeichen in den Augen stehen, obwohl er durch sie durchgefahren ist. Ich glaube, es sind einige viele Fahrer hier im Feld, die würden nicht mal merken, wenn sie morgen eine Etappe durch das Erzgebirge fahren würden.“ – Muschi über die Rennfahrer des heutigen Tages

Kurz vor der Passhöhe über den Gavia-Pass wird die Strasse etwas breiter.

#7 Kurz vor der Passhöhe über den Gavia-Pass wird die Strasse etwas breiter.

Erster, statt der geplanten 6 km Anfahrt zum Campingplatz sind es nur noch 800 m.

#8 Erster, statt der geplanten 6 km Anfahrt zum Campingplatz sind es nur noch 800 m.

Sara Michielsens und Peter Verbeurgt, Postkartenpanorama

#9 Sara Michielsens und Peter Verbeurgt, Postkartenpanorama

Donnertag, Bormio – Mezzana, 86,32 km/3.073 hm

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Oder: Das, was ihr heute gefahren habt, ist geschafft und abgehakt. Dumme Sprüche vom Betreuer, der nicht selber fahren muss, nerven die lädierten Recken. Dabei muss der Herr Betreuer heute noch sein eigenes Transalp-Ding drehen.

Es gibt eine Möglichkeit, den 6 km entfernten Campingplatz vom Ziel in Mezzana zu umgehen. Aber dafür muss man schneller sein, als die anderen Camper. Sonst sind die begehrten 50 Stellplätze in Zielnähe weg. Jetzt bin ich auf Race gebürstet.

Acht Uhr und ich bin abfahrbereit. Ich wünsche mir einen guten Tag. Uschi, das Navi, sagt 2 h Fahrzeit für 74 km über den Gavia-Pass und den Tornale-Pass voraus. Ich weiß aus meiner Motorradzeit, dass dies lustig wird. Nicht nur meine Jungs haben heute Königsetappe, nein, auch ich. Dann fahre ich mal los und schaue mir mal an, wo das Fahrerfeld später so lang fährt. Der lange Anstieg der heutigen Etappe folgt der Passstrasse. Anfangs dachte ich: “Was soll der Scheiß denn?” Aber wenn man bedenkt welche Herausforderungen dem Fahrerfeld nach der Passstrasse noch bevor stehen, ist dies wohl eine richtige Entscheidung der Transalp-Macher.

Ich führe die Kolonne eines gemischten Potpourri eingeblechter Räumlichkeiten auf vier Rädern an. In meiner Erinnerung ist die Strasse breiter, frei von Baustellen und kleiner Rennrad-Napoleons. Zu guter Letzt spielt ein Murmeltier noch Lemming und stürzt sich Hals über Kopf vor unser Mobile-Home. Oben auf der Passhöhe inspiziere ich noch die Verpflegungsstation. Wenn die schon meinen Job erledigen müssen, dann auch richtig.

War der Streckentest bergauf schon eine kleine Herausforderung, so mutiert die Abfahrt zum Finale Inferno. Die Spitzkehren sind noch enger, zwei Mal muss ich zurücksetzen. Das Sahnehäubchen sind zwei italienische Jeeps. In der Annahme, ich müsste berghoch zurücksetzen, gestikulieren sie wild hinter dem Lenkrad. Das kann ich auch, ich bin fingerfertig. Zehn Finger in einem wilden Gerühre um das Armaturenbrett und ein Daumen nach hinten machen klar wer hier Boss ist: Der mit dem größten Anhang. Schnell wird mir klar warum sie wollten, dass ich zurücksetze. Sie sind dafür einfach zu blöde. Nachdem der hintere fast den Abhang hinunter gestürzt wäre, muss ein Einweiser her für die rückwärts gerichtete Geradeausfahrt.

Alles egal. Ich habe einen Termin und besiege noch schnell den Passo Tornale. Erster! Ich habe die freie Auswahl auf dem Parkplatz und Zeit, dem führenden Duo mit dem Rad entgegenzufahren. Ich schaffe 10 km, als ich mir die Frage stelle, ob die Führenden Geismayr/Pernsteiner von Centurion Vaude vielleicht doch auf E-Bikes unterwegs sind. Die gleiche Frage stellen sich wohl auch die Verfolger, die 5 Minuten später im 4er-Pack vorbeirauschen. Sind die Profis erstmal durch, hat man Zeit, bis der Rest kommt. Diese nutze ich zum Zurückfahren an die Stellen, die ich mir auf der Hinfahrt schon zum Fotoknipsen ausgeguckt habe.

Fahrer um Fahrer rauschen vorbei und mir drängt sich der Eindruck auf, als würde das Klassement nochmal schön durcheinander gewirbelt. Die Reihenfolge stimmt irgendwie heute nicht.

Karl Platt und Urs Huber im Zielanflug auf Mezzana

#10 Karl Platt und Urs Huber im Zielanflug auf Mezzana

Nach einem anstrengenden Tag ist Asphalt gern gesehen.

#11 Nach einem anstrengenden Tag ist Asphalt gern gesehen.

Guten Appetit

#12 Guten Appetit

Das wichtigste Bild ist das der RAPIRO Leader-Hühner. Vor Aufregung versaue ich dann auch noch fast das Bild. Jedoch wäre ich wohl besser im Zielbereich geblieben. Dann hätte ich DAS Foto gehabt. Sarah und Cemile gewinnen im Zielsprint mit einem Vorsprung von 0,1 Sekunden.

Ups, die Mädels stehen auf spannend.

Spannend ist es auch den Zustand meiner Jungs zu begutachten, nach dieser harten Nummer. Wir hatten anscheinend alle gestern unseren schlechten Tag. Heute sind zwar alle erschöpft, aber zufrieden. Nun ist hochalpin Geschichte.

„Es fängt an zu laufen. Bei mir. Torben hat Sorgen. Er sucht noch unser Tempo. Zeit, es zu finden, haben wir ausreichend. Ist ja weit genug bis oben. Es sind ein paar Rennradgruppen unterwegs. Wir feuern sie an. Wir sie, nicht sie uns. Ein bisschen erhoffe ich mir, dass ich einen an der Ehre packe und er uns mit Windschatten unterstützt … keine Chance. Rennradfahrer … pfffff!

Wir dürfen ein bisschen über Straße abfahren vom Gavia-Pass. Statt Vollgas muss ich uns durch die Begleifahrzeuge schreien, bis wir in die Enduro-Challenge einbiegen. Im Briefing hieß es, es gäbe vier Schlüsselstellen, wo man eventuell schieben müsste.

Die Erste lässt nicht lange auf sich warten, dann die Zweite und die Dritte, unnnnnnnnd die Vierte. Sind aber noch 4, 5, 6 km. ich höre auf zu zählen. Ich habe kurz Bodenkontakt, dann Sattel ins Gemächt. Ich will nach Hause.“ – Tim Greis zum heutigen Tag

Geht es um die Podiumskämpfe sind Vroni und Naima immer mit dabei.

#13 Geht es um die Podiumskämpfe sind Vroni und Naima immer mit dabei.

Tagtäglich werden die abgegebenen Starterbeutel vom Startort zum Zielort transportiert.

#14 Tagtäglich werden die abgegebenen Starterbeutel vom Startort zum Zielort transportiert.

Die Frau Jentschura, Nina hat müde Männerfüsse im Griff.
#15 Die Frau Jentschura, Nina hat müde Männerfüsse im Griff.

Freitag, Mezzana – Trento, 88,24 km/2.364 hm

Zum Spaß fahren meine Jungs nicht mehr. Hier geht es darum, die nächsten zwei Etappen zu überleben. So langsam melden sich die Hämorriden und wünschen jedem einen guten Morgen.

Torben sitzt am Frühstückstisch und kann erst aufstehen, nachdem er sich dreimal gut zu redet.

„Das hilft ja alles nix. Das hilft ja alles nix. Das hilft ja alles nix.“

Galgenhumor hält Einzug, Jens kann Transalp, das wissen wir nun. Er nimmt jede Etappe wie sie kommt.

„Der Schotter rollt gut hier in den Alpen, und wenn er mit mir wegrollt.“

Weil wir kein Brot mehr haben, hat Tim gestern auf der Pastaparty Brötchen organisiert.

„Can I have six Brötchen for the Frühstück?“

Sponsorparty

#16 Sponsorparty

Manchmal hat es so seine Vorteile, Beziehungen zu haben. Der gebuchte Zeltplatz liegt 12 km von Start/Ziel entfernt. Wäre das noch nicht genug nach einem Tag voller Anstrengung, muss man um ihn zu erreichen auch noch über einen kleinen Pass. Darüber hinaus soll das Ganze auch noch über eine Autostrada führen. Das taugt nix.

Jetzt haben wir zwar einen äusserst spartanischen Stellplatz, dafür ist er aber nur 30 m vom Zielbogen entfernt. Darüber hinaus habe ich es eilig, denn der nächste brauchbare Fotospot ist 15 km entfernt. Der ist aber einer der aufregenden Sorte, Schiebepassage Downhill.

Der letzte Kilometer hinauf zum Trail ist einer der unangenehmen Sorte mit bis zu 30% Steigung. Dafür habe ich danach die Gelegenheit, mir eine Downhill-Sektion anzuschauen, die selbst gestandene Radfahrprofis vom Rad steigen lässt.

Downhillschiebepassage bei Trento, ...

#17 Downhillschiebepassage bei Trento, …

... 90% der Fahrer wählen die sichere Variante ...
#18 … 90% der Fahrer wählen die sichere Variante …

... bevor es wieder in den Sattel geht.
#19 … bevor es wieder in den Sattel geht.

Auf dem Rückweg über Feld- und Wiesenwege mache ich Halt in einem kleinen Waldstück mit netter Felswand. An Fotografieren ist fast nicht zu denken, Mücken führen hier eine blutige Schreckensherrschaft. Dann, das Grauen naht: Ein Gewitter zieht auf. Regentropfen versuchen, die Fahrer zu erschlagen.

Ich ziehe mein T-Shirt aus und wickele meine Kamera damit ein. Innerhalb von Minuten verwandelt sich der Waldtrail in einen Bach. Auf der anschließenden asphaltierten Strasse zur Zeitnahme kann man mit einen Lot den Tiefgang messen. Danach geht es neutralisiert nach Trento. Heute war definitiv Kampftag. Das erkennt man an den vielen Verletzungen der Fahrer.

Wer hat Angst vor Steinschlag?

#20 Wer hat Angst vor Steinschlag?

Der "Race across America" Sieger Pierre Bischoff mit seiner Partnerin Janine Schneider, Panne kurz vor Trento

#21 Der „Race across America“ Sieger Pierre Bischoff mit seiner Partnerin Janine Schneider, Panne kurz vor Trento

Geht es bitte noch was schneller?

#22 Geht es bitte noch was schneller?

Der erste Regen der Transalp zum Ende der sechsten Etappe.

#23 Der erste Regen der Transalp zum Ende der sechsten Etappe.

Trento ist laut und geschäftig, die Pastaparty auch. Die Räumlichkeit hat den Charme eines Kreissaals aus den siebziger Jahren. Man kann halt nicht immer den Jackpot knacken. Hach war das schön, oben auf dem Berg in Nauders oder Scuol.

„So bitter der lange Abend mit Putzlappen ist, schon am nächsten Tag werden wir davon doppelt profitieren. Es ist die vorletzte Etappe. Sie startet neutralisiert. Meine neue Lieblings-Hass-Rennphase. 12 km 30/30 Intervalle. Gas, Bremse, Gas. Wo ist die Lücke, wo ist Torben. Ich hab ja grundsätzlich wenig Ahnung von allem, aber was soll daran weniger gefährlich sein, als ein normaler Start? Vielleicht wäre ein Lösungsansatz, den Fahrern vor dem Start etwas Valium zu verabreichen.“ – Tim Greis zur heutigen Etappe

Warmfahren beim Team Bulls zur finalen Etappe.

#24 Warmfahren beim Team Bulls zur finalen Etappe.

Laufforks erfreuen sich immer größerer Beliebtheit

#25 Laufforks erfreuen sich immer größerer Beliebtheit

Leaderlächeln
#26 Leaderlächeln
53 km Regen, kurz vor dem Ziel in Arco

#27 53 km Regen, kurz vor dem Ziel in Arco

Samstag, Trento – Arco, 53,60 km/2.042 hm

Finale, oho, Finale, ohohoho.

Heute geht es auf zur letzten Etappe der BIKE Transalp von Trento nach Arco mit nur einem nennenswerten Anstieg. Der hat aber flockige 1.600 hm am Stück, damit niemand die Schönheit eines langen Anstiegs mehr vergessen möge. Die Schönheit von Trento ist ein wenig verblasst. Es fahren immer noch Busse im Minutentakt zentimetergenau an unserer Haustüre vorbei. Aber immer noch besser als andere es hatten über Nacht. Alle, die am Kongresszentrum nächtigten, durften eine Bahnstrecke geniessen. Vor lauter Schlaflosigkeit zählten sie Güterwaggons, doch Schlaf wollte sich keiner einstellen.

Die Meute verlässt Trento noch trockenen Fußes, aber das Wetter Richtung Gardasee verheißt nichts Gutes. Die Wolken sacken immer tiefer in die Täler ein, ein dichter Regenvorhang vernebelt die Sicht. Schlechter kann ein Wetter für eine Transalp-Etappe fast nicht mehr sein. Nur Schnee könnte dem Regen den Rang ablaufen, aber dafür ist es glücklicherweise zu warm.

Meine Motivation, dem Feld entgegenzuradeln, sackt gegen null. Ich werde mich mit dem Zieleinlauf begnügen. Nach den Leaderteams der Herren, Master, Mixed und Grand Master trudeln Tim und Torben im Ziel ein. Durchnässt und unterkühlt wollen sie zum Wohnmobil. Nur doof, wenn man vergessen hat, wo es steht. Lost in Arco. Es ist mir voll peinlich, wo ich doch eigentlich einen sehr guten Orientierungssinn habe. Ich stelle die zwei unter einer Markise ab, aber die Suche mit Tims Rad ergibt keinen Sinn. Ich bin etwas aufgeregt, habe Angst, die Zwei nicht mehr zu finden, wenn ich mich weiter entferne.

Alles außer Rückkehr macht keinen Sinn. Wir entscheiden, dass sie erstmal im Bikecamp duschen gehen. Ich atme mal tief durch und gehe meinen Weg nochmal in Ruhe durch. Das hilft: So weit weg steht unser Camper gar nicht weg, wenn man nur in die richtige Gasse abbiegt. Mein Vorhaben, Klamotten zum Bikecamp zu bringen, verwerfe ich. Es ist besser den Camper bis dort zu bringen und einen Parkplatz zu suchen. Der ist schnell gefunden. Zweite Reihe vor einer Turnhalle – die Jungs sind glücklich.

Der Rest des Tages wird bestimmt durch Menschen, denen man ansieht, wie die Anspannung der letzten 7 Tagen von ihnen abfällt, seit sie die Ziellinie überquert haben.

Die Gewinner der diesjährigen Bike Transalp: Geismayr/Pernsteiner Team Centurion Vaude.

#28 Die Gewinner der diesjährigen Bike Transalp: Geismayr/Pernsteiner Team Centurion Vaude.

Die Objekte der Begierde
#29 Die Objekte der Begierde

Meine Jungs, glücklich und zufrieden.
#30 Meine Jungs, glücklich und zufrieden.

„Der Aufreger des Tages. Als Anführer einer Fünfergruppe fliegen wir eine Schotterpiste runter. Es ist schöner Schotter. Nicht dieser tiefe, hab-ich-einen-Platten-oder-warum-schwimmt-mein-Hinterrad-so-Schotter und auch kein grober Reifenmörder-Schotter. Die Piste ist dazu breit und etwas weiter unten ist schon der Gegenhang zu sehen. Die 50 Sachen, die wir drauf haben, fühlen sich wie 80 auf der Straße an.

Bevor es in den Gegenhang geht, passieren wir eine Schutzhütte, an der offenbar eine Ausflugsgruppe halt macht. Am Wegrand liegt ein Fußball.

Ein Mann rennt an und deutet einen Schuss in unsere Richtung an. Ich bin bestimmt kein Mimöschen … aber hier hört der Spaß auf. Hätte einer von uns fünf gezuckt, wäre die ganze Gruppe abgeflogen.“ – Markus Schuhen zur heutigen Etappe

my little pony

#31 my little pony

Tulpen aus Amsterdam

#32 Tulpen aus Amsterdam

Regen!
#33 Regen!

Und wie bestellt taucht nachmittags auch die Sonne wieder auf. Einigen Verantwortlichen fällt ein Stein vom Herzen, dass die Abschlussparty wie geplant draussen stattfinden kann. Tim und Torben stehen am Ende auf einen beeindruckenden 33. Platz in der Männerwertung. Markus und Jens zeigen mit dem 87. Platz auch, wie man sich durchbeissen kann. Besonders Jens ist der Mann im Team, sich hier ohne Marathonerfahrung bei der Konkurrenz durchzusetzen.

Heidi und ihr Peter

#34 Heidi und ihr Peter

Schweizer Sektvergnügen

#35 Schweizer Sektvergnügen

Ein Müllsack für alle Fälle
#36 Ein Müllsack für alle Fälle

Und da ist ja noch der große Überraschungssieger der Damenwertung: Vier mal Leadertrikot für Focus RAPIRO Racing und der Gesamtsieg. Das Team eskaliert und Sarah Reiners kann nicht nur im Regen gewinnen. Sie und Cemile Trommer vom Team GT-YellowWings Racing waren das Dreamteam der Transalp. Was mit einer Wildcard von NUTRIXXION angefangen hat, endet ganz oben auf dem Podium.

Die Sieger der Damenwertung in meiner Lieblingsfarbe: Sarah Reiners und Cemile Trommer

#37 Die Sieger der Damenwertung in meiner Lieblingsfarbe: Sarah Reiners und Cemile Trommer

Abschlußparty

#38 Abschlußparty

Die Crew lässt sich feiern.

#39 Die Crew lässt sich feiern.

Für mich war diese Woche eins der intensivsten Raderlebnisse meiner Radsportzeit. Ich danke allen für die schöne Zeit und die Erlebnisse. Und denkt bitte immer daran: In Italien gilt auf Autobahnen ein Parkverbot in Nothaltebuchten.

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi