* BDR – auf der Suche nach der negativen Aufmerksamkeit

Alte Männer in Führungspositionen können echt lästig sein! Was motiviert sie Dinge zu sagen und zu tun, die nicht dem Wohle der jüngeren Allgemeinheit dienen? Warum missbrauchen sie ein Amt, um dem Eigennutz und der persönlichen Geltungssucht zu huldigen? Was steckt hinter der Motivation, im Spätwinter ihres Daseins das Leben anderer nachhaltig zu beeinflussen?

Der BDR ist auch so ein Club alternder, toupierter Funktionäre, die nach Gutdünken Bestimmungen erlassen und wo einzelne sich nun auch über das eigene Regelwerk hinweg setzen. Wahrscheinlich ist mit Konsequenzen für die hintertreibenden Personen erst nach ihrem Ableben zu rechnen.

Kann es wirklich sein, dass Sportverbände wie BDR, FIFA, IOC, FIA oder IAAF nur dazu dienen, gelangweilten Rentnern Gelegenheit der Entfaltung zu geben? Die Möglichkeit, sich einer finalen Aufmerksamkeit gewiss zu sein, bevor man dem ewigen Frieden entgegen vegetiert.
Ich habe ja einen begrenzten Horizont. Darum dachte ich immer, dieses Ding mit der Suche nach der negativen Aufmerksamkeit wäre nur ein Symptom bei verhaltensauffälligen Kindern. Heute muss ich mir eingestehen, dass mich die Sucht alternder Männer nach negativer Aufmerksamkeit viel mehr tangiert. Hier wird versucht, auf Kosten von Minderheiten eine Profilneurose zu befriedigen. Da ein Funktionär dem anderen keine Aufmerksamkeit neidet, ist der neueste Skandal des BDR nur ein weiteres Kapitel in dem Groschenroman „Was interessiert den Funktionär der deutsche Radsport, solange er die Macht in Händen hält“.

Dem BDR gelingt es ja schon lange nicht mehr, die Interessen aller Radsportler zu repräsentieren. Darum hat sich der Vizepräsident des BDR Peter Streng etwas Neues ausgedacht: Um Aufmerksamkeit zu wecken, hat er das Thema Integration im Radsport neu besetzt. Da Rechtspopulismus gerade in Mode ist, will er nicht außen vor stehen und popelt mal mit am rechten Rand des vernachlässigten, wütenden, besorgten Rechtsfahrers.

Im aktuellen Fall nutzt der 71-jährige die Gelegenheit, seine Gesinnung über Facebook einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In seinem Facebook-Profil teilt er deswegen Beiträge gesinnungsgestörter Blogs und des rechten Kopp-Verlags. Um an seiner Motivation keinen Zweifel zu lassen, geht er diesem Hobby auch schon seit Monaten nach.

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Dieser Schrei nach Aufmerksamkeit fand sofort Gehör. Im Blog Winkelsicht und auf Spiegel Online wurde der Fall Streng dokumentiert und auch der BDR wurde eingehend über die Verhaltensauffälligkeit seines sonst so „sozial engagierten“ Funktionärs aufgeklärt.

Herr Streng hat es nun auf jeden Fall geschafft, aus dem Schatten des C-Promi-Status heraus zu treten und dies ganz ohne Dschungel-Camp und Big Brother-Container. Nun steht er Hand in Hand mit dem besorgten Wutbürger an der Medienfront und genießt die Aufmerksamkeit, die ihm von vielen anderen verhaltensauffälligen Mitmenschen entgegen gebracht wird.

Das ist doch mal eine Maßnahme, wie der BDR sie braucht, um endlich den Sprung aus der Radsport-Nische in die breite Öffentlichkeit zu vollziehen. Wer interessiert sich schon für Regelwerke zum Thema Trikots, sportliche Leiter, Lizenzen oder die Diskriminierung von Radsport-Randgruppen? Heute muss man global denken, wenn man sich einer größeren medialen Beachtung sicher sein will. Braun ist das neue grau, Trends wiederholen sich immer wieder.

Wie zu erwarten hat sich der BDR in einer Stellungnahme von den Äußerungen seines Vize distanziert. Wieso wundert mich das nicht? Natürlich muss er das tun! Glauben wir daran, dass diese Distanzierung ernst gemeint ist? Natürlich nicht, solange die Konsequenz ist, dass alles beim Alten bleibt. Eine Entschuldigung gab es und weiter geht es, als wäre nie was geschehen. Wundert uns das? Auf keinen Fall!

„Das Präsidium des Bund Deutscher Radfahrer distanziert sich klar und eindeutig von den Facebook-Posts, die Peter Streng unser Stellvertretender Präsident auf seiner privaten Facebook-Seite geteilt hatte.“

„Die Diskussion hat auch dazu geführt, dass noch einmal deutlich gemacht wurde, dass alle Organe und deren Funktionsträger im BDR verpflichtet sind, die in der Satzung dokumentierten Prinzipien zu beachten. Eine Verbindung zwischen der Funktion im BDR und persönlichen politischen Aktivitäten und Äußerungen aller Art als Staatsbürger, ganz egal in welche Richtung diese gehen, darf keinesfalls hergestellt werden.“

Bedauern, kleinreden, dummschwätzen, es wird mit den üblichen Mechanismen gearbeitet, um die Schuld auf die eine Person zu beschränken, um die Organisation nicht zu beschädigen. Der Person wird aber die Möglichkeit gegeben, sich herauszulavieren. Nebenher wird aber die Möglichkeit genutzt, die maximale Aufmerksamkeit zu erhalten.

Welcher aufgeklärte, geradeaus denkende Mensch glaubt Funktionären und Organisationen, die keine Konsequenzen aus dem Verhalten des Einzelnen ziehen? Die Betonung liegt hierbei auf zwei Adjektiven. Nebelbomben werden gezündet, der bemitleidenswerte Senior wird schön geschrieben.

Es wird auf das soziale Verhalten und große Engagement des Peter Streng verwiesen. Er selbst fällt medial auf die Knie und bedauert seine schlechte Recherche. Er kann doch gar nichts dafür, dass die Emotionen mit ihm durchgegangen sind.

„Auch in den letzten Monaten haben mich einige Facebook-Posts bewegt und ich habe mich als emotionaler Mensch dazu verleiten lassen, diese auf meiner privaten Facebook-Seite zu teilen. Man kann mir insgesamt berechtigt den Vorwurf der unterlassenen Recherche machen.”

Einen Augenblick bitte… Entschuldigung, mir läuft gerade der Rotz vor Lachen aus der Nase. Der BDR verweist darauf, dass Herr Streng seine Gesinnung auch nur über dessen privatem Facebook-Account verbreitet hat. Dann ist ja alles gut!

Lieber BDR, wollt ihr uns eigentlich verarschen?
Wen interessiert es, wo eine Person des öffentlichen Lebens etwas veröffentlicht? Der Name des einzelnen und die durch ihn vertretene Organisation stehen im direkten Zusammenhang und Abhängigkeit. Man sollte durch die langjährige Erfahrung des Peter Streng als Funktionär davon ausgehen, dass er weiß, wie er mit dem gesprochenen und geschriebenen Wort umzugehen hat. Ich finde es äußerst amüsant, hier von einem Versehen zu sprechen. Entgleist der Herr dann auch noch mehrfach über einen längeren Zeitraum, drängt sich der Verdacht auf, dass Herr Streng im vollen Bewusstsein der Tragweite gehandelt hat. Und dann hätte er auch bewusst gegen das Regelwerk des BDR verstoßen:

„Der BDR als Spitzenorganisation des Radsports in Deutschland hat sich aus guten Grund schon in seiner Satzung darauf verpflichtet, dass parteipolitische, religiöse und rassistische Bestrebungen ausgeschlossen werden. Der Sport insgesamt, aber ganz sicher der Radsport ist ein Bereich in dem jeder Mensch unvoreingenommen aufgenommen wird, unabhängig von Religion, Nationalität, Geschlecht oder Herkunft. Der Sport hat national und international auch in schwierigen politischen Zeiten immer etwas Verbindendes und kann daher viel zur Verständigung und zur Integration beitragen. Dies wird in unseren Vereinen tagtäglich auch so gelebt.“

Ich bin mal so frei, mich als XYZ-Promi zu bezeichnen. Damit bin ich auch eine Person des öffentlichen Lebens. Mein privater Facebook-Account ist schon lange nicht mehr als privat zu bezeichnen. Darum mache ich mir Gedanken darüber, wie ich in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde und ob ich mit meinen Äußerungen dem Format für das ich arbeite, schade oder nicht. Wie alt muss ich werden, bevor ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss? Darf ich dann auch um Aufmerksamkeit heischen so wie es mir beliebt, bevor ich leise dem Ende entgegen müffle? Natürlich, ohne am Ende die Konsequenzen für mein Verhalten tragen zu müssen. Peter Streng könnte seinen Hut nehmen und dadurch zeigen, dass er sein Fehlverhalten reflektiert hat. Hat er aber nicht, zum Leidwesen vieler. Stattdessen kommen Ausflüchte statt Taten.

Der BDR hätte die Gelegenheit nutzen können, sich klar zu distanzieren und sich von dem Schmuddelkind Peter Streng zu trennen. Diese Gelegenheit hat der Verband sehenden Auges und für mich mit voller Absicht verpasst. Stattdessen bedient sich der BDR der Satire um seine Entscheidung zu rechtfertigen, Peter Streng im Amt zu behalten:

„Wir fühlen uns im Präsidium dem in der Bundesrepublik Deutschland gelebten Grundsatz verpflichtet, Menschen eine zweite Chance zu geben. Aus diesem Grund und unter der Berücksichtigung, dass Peter Streng in seiner Arbeit für den Radsport und unseren Verband bisher niemals durch politische Äußerungen aufgefallen ist, wird seine öffentliche Entschuldigung akzeptiert und eine weitere Zusammenarbeit ermöglicht.“

Da muss ich mich ja am Ende noch dafür bedanken, dass der Herr Streng uns endlich seine politische Ausrichtung mitgeteilt hat. Mit einer Entschuldigung ist zum Glück alles getan. Sicher denkt er jetzt über vieles ganz anders. Wir müssen jetzt darauf vertrauen, dass er nicht an Altersstarrsinn leidet.

Der Verband untergräbt seine Glaubwürdigkeit schon seit Jahren mit fragwürdigen und nicht zukunftsträchtigen Entscheidungen und Statements. Jetzt kommt Rechtspopulismus hinzu. Damit hat der BDR meines Erachtens nach nun endgültig seine Glaubwürdigkeit als Vertretung deutscher Radfahrer verloren.

Für mich ist der BDR, solange er Funktionäre akzeptiert und schützt, die so stark durch ihr Fehlverhalten in der Öffentlichkeit auffallen, nicht tragbar. Vielmehr drängt sich bei mir das Gefühl auf, dass die Funktionärsebene des BDR die Ansichten des Peter Streng teilt. Sonst müsste der BDR anders reagieren.

Lieber BDR, ich möchte euch helfen weiter, im Fokus der Medien zu stehen. Ich arbeite euch zu, indem ich folgende Petition teile, die zum Ziel hat euren Funktionär Peter Streng aus seinem Amt zu treiben:

Ausschluß von Peter W. Streng aus dem BDR

Zum Ende möchte ich mich bei meinem grünen Freund Yoda bedienen, dessen Zitat nach diesem Text eine ganz andere Bedeutung bekommt:

“Der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist. Frohlocke und jauchze für diejenigen in deiner Nähe, welche zur Macht übergehen. Sie betrauern, tue nicht. Sie vermissen, tue nicht. Enge Bindung führt zu Eifersucht. Der Schatten der Raffgier das ist.”

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi