Am Anfang jeden Unglücks steht das geschriebene Wort

Da ist Muschi am Mittwoch seit einer Woche auf Sendung, und schon verabschiede ich mich von meiner eigenen Vorgabe, nur alle zwei Wochen online zu gehen. Aber die Ereignisse geben den Takt vor und haben mich dazu veranlasst, heute eine Sonderausgabe zu einem recht kontroversen Menschen und seinen Aussagen zu bringen, die momentan durch das Netz wabern. Auch die Tatsache, dass die Texte schon älteren Datums sind, machen die Unglaublichkeit der Aussagen nicht weniger schlimm.

Da schlage ich Facebook auf und traue meinen Augen nicht. Ich verbalvulgäre ja gerne, aber alles hat eine Grenze. Das sieht ein gewisser Journalist und Schriftsteller anscheinend aber ganz anders. Das mit dem Proletarisieren der Massen kann jemand anderes viel besser als ich.

Da packe ich ein und gehe nach Hause. Der mehr oder minder bekannte Karlsruher Journalist Matthias Kehle, seines Zeichens Fundamental-Wanderer ohne Toleranz gegenüber anderen Waldnutzern, betreibt öffentlich Hetze gegen Mountainbiker und ruft nach meinem Empfinden öffentlich zur Gewalt gegen Mountainbiker auf. Hier mal was aus seiner Feder:

“Einstweilen werde ich mich bis an die Zähne bewaffnen. Liebe Mountainbiker: Am Sonntag werde ich wieder unterwegs sein: Vorsicht Schusswaffengebrauch!”

“Der größte Feind des Wanderers ist der Mountainbiker. Siehe “Die Wanderbibel”. Nicht unbedingt in den Alpen, sofern man Wanderungen in der Senkrechten unternimmt bzw. sich in Gebieten befindet, wo das Miteinander geregelt ist. Hier Wanderwege, dort Radwege. Nicht so im Nordschwarzwald. Zwar gilt auch hier die 2-Meter-Regel und das Landeswaldgesetz, demzufolge Radler nichts auf Wegen unter zwei Metern Breite zu suchen haben.

Dass einige der ehemaligen Pfade und heutigen Wege über zwei Metern Breite erst von Mountainbikern breitgewalzt wurden, steht auf einem anderen Blatt. Besonders beliebt ist der Westweg mit seinen wenigen, schmalen Pfaden, und das obwohl parallel dazu der ausgeschilderte Radweg verläuft. Einen traurigen Höhepunkt erlebte ich letzten Sonntag, als ein Mountainbiker auf meine Kritik u. a. erwiderte: “Ich fahr einen Wanderer um, der mir im Weg ist.” Künftig wird der Wanderer im Nordschwarzwald wohl nur noch bewaffnet seiner Wege gehen können. Es sei denn der Schwarzwaldverein übernimmt die wunderbare Idee, die man in Vorarlberg hatte.

Jeweils am Anfang eines Pfades, der Wanderern vorbehalten bleiben soll, stellt man ein großes Verbotsschild mit einem durchgestrichenen Fahrrad auf. Und nicht wie im Nordschwarzwald versteckte Schildchen mit gefühlter Schriftgröße 7 Punkt, die der Mountainbiker beim besten Willen nicht lesen kann, erst recht nicht, wenn er mit dreißig bis fünfzig Sachen einen Wanderweg runterdonnert. Einstweilen werde ich mich bis an die Zähne bewaffnen. Liebe Mountainbiker: Am Sonntag werde ich wieder unterwegs sein: Vorsicht Schusswaffengebrauch!” Quelle

Ich habe anfangs versucht, es als Glosse, Posse, Satire, als verirrte Witzigkeit zu sehen, so schwer fiel es mir zu glauben, dass ein Journalist offen die Feindseligkeiten gegen Mountainbiker schürt. Ist ja praktisch: man provoziert so lange sein Gegenüber, bis gewünschte Gegenreaktionen eintreten, die wiederum zur Rechtfertigung des Status quo in Baden-Württemberg herhalten können.

Lieber Herr Kehle, es fällt mir sehr schwer Sie lieb zu haben. Und Sie haben Bilder von tollwütigen Wanderern in meinen Kopf gepflanzt. Ja, Sie haben Recht, es gibt Mountainbiker, die sich nicht benehmen können. Na und? Menschen, die sich nicht benehmen können, die findet man auch in ihren Reihen zuhauf. Die Mehrheit von uns will sich an Regeln halten und seinen Gegenüber respektieren – diskriminieren lassen wollen wir uns nicht.

Sie aber rufen zu Intoleranz und Diskriminierung gegenüber uns Mountainbikern auf. Tätliche Angriffe auf Mountainbiker, mit Drahtfallen, Nagelbrettern und Stacheldraht sind Auswüchse eines Hasses gegen Mountainbiker, der nicht die Regel werden darf. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie das als Person des öffentlichen Lebens gutheißen wollen. Wenn Sie Ihre Texte als Satire empfinden, dann ist das bei wahrscheinlich 99,9 % der Leser gründlich daneben gegangen.

Auch dies stammt aus der Feder von Herrn Kehle:

“Dieser Tage zuckelte ich mit der Deutschen Bahn durch die Ödnis von Meck-Pomm und Brandenburg. Kein Hügel, keine Landschaft, nichts. Früher plädierte man dafür, dass Delinquenten nach Sibirien zum Steineklopfen verbannt werden. Ich hatte beim Ruckeln des Interregios den wunderschönen Traum, dass alle Mountainbiker nach Meck-Pomm oder Brandenburg strafversetzt werden…” Quelle

Hallo!!! Geht’s noch? Ich fühle mich in die Zeit zurückversetzt, als es auch hätte heißen können: Wegschließen des Andersartigen, Andersdenkenden, oder auch Ossis wohnen doof. In Zeiten, in denen man in Deutschland wieder gerne verfolgt und ausgegrenzt wird, mag der verfolgte Mountainbiker vielleicht eine vernachlässigbare Randerscheinung sein. Aber man muss sich ja schon fragen, ob es strafrechtlich vertretbar ist mit Äußerungen wie dieser hausieren zu gehen:

“Einstweilen werde ich mich bis an die Zähne bewaffnen. Liebe Mountainbiker: Am Sonntag werde ich wieder unterwegs sein: Vorsicht Schusswaffengebrauch”

Herr Kehle, Sie versuchen zwar in Ihrer Kommentarzeile, diesen Satz im Nachhinein als Pointe darzustellen, aber dann wäre das die erste Hetzschrift mit einer solchen. Ich fühle mich durch Sie, Herr Kehle, in Leib und Leben bedroht! Sie schüren einen Krieg im Wald, den keiner will. Ich habe Bilder im Kopf, alte Bilder, und ich kann mich nicht dagegen wehren.

Herr Kehle, Sie säen Gewalt und Zwietracht zwischen den Nutzergruppen im Wald. Bitte lassen Sie das! Suchen Sie den Dialog statt der Konfrontation, Liebe statt Gewalt, Think Pink.

Ich will mich nach einer Tour entspannt auf meiner Couch wiederfinden, nicht auf der vom Therapeuten oder im Krankenhaus. Sie können uns alle einen Gefallen tun, indem Sie die Blogbeiträge zu Mountainbikern löschen. Sie sollten Vorbild sein, offen, tolerant und zum Gespräch bereit. Das ist in aller Interesse, für ein friedliches Miteinander. Wir sind zum Konsens bereit, seien Sie es auch.

Ich lade sie gerne ein, uns in der Nordeifel zu besuchen und zu erleben, wie wir versuchen, gut mit unserem Umfeld im Wald klarzukommen, genauso wie das jeder tolerante Wanderer, Reiter, Jogger und Hundebesitzer mit uns versucht. Die Welt ändert sich, auch Ihre. Und Wanderern gehört die Natur nicht alleine. Jeder hat ein Recht auf Erholung – auch auf 4000 m Höhe, wenn es gefällt.

Wege gemeinsam nutzen? #gehtdoch von Harald PhilippMehr Mountainbike-Videos

Zum Schluss noch ein dritter Artikel aus Herrn Kehles Blog, den er im Nachhinein, seit Montag, als Glosse beschreibt. Wenn man dies aber nach fast 2 Jahren, seit Veröffentlichung, erklären muss, hat man das Ziel verfehlt. Außerdem: wer will sowas lesen, von einem Mann geschrieben, der offensichtlich Mountainbiker hasst.

Tut mir leid Herr Kehle, ich kann nicht zusammen mit ihnen über diesen Text lachen. Ich bin halt ein unlustiger Mountainbiker.

“Zeugungsfähige Männer sollen zur Sicherung ihrer Rente beitragen: Sex statt Stürze!”

“Schweizer Statistiker haben festgestellt: Seit der Erfindung des Mountainbikes gibt es in der Bundesrepublik einen massiven Geburtenrückgang. Wie die Forscher der Universität Kandersteg weiter feststellten, sind 99,9 % aller Mountainbiker Männer im zeugungsfähigen Alter zwischen 35 und 49 Jahren.

Prof. Dr. Janusz Freud stellt einen direkten Zusammenhang zwischen der sexuellen Aktivität und dem beliebten Freizeitsport her: Ist am Sonntagmorgen tote Hose im Schlafzimmer, steigen die Männer aufs Mountainbike und senken ihren Testosteronspiegel durch riskante und agressive Touren (“Single-Trails”): “Je größer der Schaden, den sie anrichten, desto ausgeglichener ist am Abend der Testosteronspiegel.” Zerfurchte Waldwege, aufgeschrecktes Wild, verletzte Wanderer, das sind Kolateralschäden, so der Schweizer Forscher. Eigene, auch schwere Verletzungen werden nicht nur in Kauf genommen, sondern angestrebt. Der Steinzeitjäger, der abends blutig, aber erschöpft und glücklich in die Höhle kriecht, stecke noch in den Genen so manchen Mannes.

Auf die Gegenwart übertragen, heißt das jedoch: Will morgens die Frau nicht, kann der Mann abends nicht mehr. Der Geburtenrückgang war von Anfang an programmiert und von der Freizeitindustrie so hingenommen.
Die Schwarzwaldgemeinde Kirchzarten hat heute ihre Bürger abstimmen lassen, ob Mountainbiker auf ihrem Terrain künftig eine neue Testosteronsenkungsstrecke erhalten sollen. Das Ergebnis: Die Mehrheit ist dagegen. Zeugungsfähige Männer sollen zur Sicherung ihrer Rente beitragen: Sex statt Stürze! Kein Wunder, die Gemeinde ist, wie viele im Schwarzwald, hoffnungslos überaltert. Aus Sicht der Sozialkassen bleibt zu hoffen, dass noch viele Kommunen dem Vorbild folgen.” Quelle

Ein gutes gemeinsames Miteinander in der Natur wünscht Ihnen,

Ihre Muschi, mit bürgerlichem Namen Mario Peters.
Think Pink!

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