Einmal „Schlaflos im Sattel“ und zurück – #teamREED

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Es ist der 23.04.2017, ich bin Mitglied der geschlossenen Facebookgruppe „SIS Fight Club“. Phaty stellt einen Text ein und nach den ersten zwei Zeilen merkt man förmlich, dass er Tränen in den Augen stehen hat. Reed, eines der SIS-Kinder aus Amerika ist sehr schwer erkrankt und die Prognosen stehen äußerst schlecht. Niemand kann etwas tun. Jedoch entwickelt die Schwarmemotionalität von SIS ein Eigenleben. Reed liebt Dinosaurier und innerhalb kürzester Zeit ist das Netz von Saurierbildern aus Kinderhänden und Solidaritätsbekundungen geflutet. Reed kann nicht anders, er wird gesund, nun hat er für Monate zu lesen. Wie auch immer dieses Kind zurück ins Leben gefunden hat, weiß nur der liebe Gott und die Dinosaurier. Jedoch macht es Pippi in die Augen, zu so etwas solidarischem wie „Schlaflos im Sattel“ dazu gehören zu dürfen.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Einhornland

#1 Biegen Sie Bitte nicht rechts und Links ab

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Steel is real#2 Steel is real

Die längste Nacht von Donnerstag auf Sonntag

Ich glaube mein Google Maps fährt nicht mehr. Wo ist mein Empfang? Wir befinden uns im Anflug auf das sagenumwobene Erdbeertal. Im Zentrum der Verbirkung und Verkieferung des Pfälzerwaldes findet ein endzeitliches Bikekulturfestival seine Heimstadt. „Schlaflos im Sattel“ ist das letzte Biosphärenreservat linksdrehender Erotikkulturen. Der Bart, das Singlespeed, das Fixie als Gegenentwurf zum Hippstercontest verstädteter Konsumjunkies, weil der Hippster erst zu einem wurde, als es SIS schon lange gab. Wer hat hier bloß die Orte gescrabblet denken wir uns, als wir an der Ausfahrt Kirchheimbolanden vorbeifahren.

Mit dem Spruch „Schnapp dir dein Rad und such dir einen Kerl“ schicke ich meine Tochter los, mit der Aussicht, sie bis heute Abend nicht mehr wieder zu sehen. Bunt angezogene Menschen sitzen in einem Hang gegenüber dieser perfekten Rasenpolsterfläche und schauen sich das unkoordinierte Verhalten späthippitöser endvervierzigster Radenthusiasten an. Ich habe diese 1000 ml Bierdose von Faxe geöffnet. Phaty lehnt dankend ab, er steht zweistelligen Bierprozenten ablehnend gegenüber. Meine Geschmacksknospen sind irritiert, nein sie sind zutiefst beleidigt. Beim Studieren der Inhaltsangabe stelle ich fest, dass Bier von Faxe mit 10 % Alkohol nix kann, ausser scheiße schmecken. Das Bierproblem wird schnell durch die Nachbarn gelöst! Zudem höre ich zum ersten Mal das Wort Weißweinschorle. Willkommen bei „Schalflos im Sattel“, hier ist besser als zu Hause.
Als SIS-Neuling kann man nicht viel falsch machen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist zu vergessen, wie bedeutungslos jeder Einzelne ist, denn nur die Liebe zählt, oder so! Das Schwarmgefüge des Planeten Erdbeertal funktioniert nur als greifbare Gemeinschaftsleistung, in der sich jeder einbringen darf ohne Dank dafür zu erwarten. Individualist darf man während des „Rennens“ sein, und wenn überhaupt als Mann ohne Gang.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Einhorstraße#3 Kreisförmig angeordnete Realitätsverweigerung auf der Aschebahn der Liebe

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Gummibärchen#4 Ohne Gummibärchen geht ja wohl mal nix

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Dubbeglas, Weinschorle, Weinlounge#5 DWW – Dubbeglas, Weinschorle, Weinlounge

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Lena#6 Eine von Dutzenden Boden-Boden-Raketen warten auf ihren Einsatz

Woodstock, Wacken, Weidenthal

Ein Stimmengewirr um mich herum lässt mich erst das eine Auge öffnen und dann das andere.
Das Weibchen neben mir hat eine Houlakette um den Hals hängen. Als sie ihre Augen öffnet sehe ich in die Abgründe einer wiederbelebten Nacht. Zusammenhanglos versucht sie mir das Zustandekommen ihres Hangovers zu erklären. Der gemeine Pfälzer nennt es einen üblen Kater. Ich hab damit nichts zu tun! Schuld war der Mexikaner von nebenan in Verbindung mit Tabasco, der sich mit seinem Kumpel dem schottisch, rauchig, torfigen Whiskey aus den westlichen Highlands getroffen hat.
Sie hat ihr Handy verloren! Das hebt die allgemein bescheidene Grundstimmung nicht wirklich an. Dieser Main Coone Kater fabriziert einfach nur Gedankensalat. Sie schmollt in der Nachbetrachtung der letzten Dunkelphase bis der Moment der ersten Tondurchsage die Ruhe des Morgens zerschneidet. Phatys erste Amtshandlung am Morgen ist es, meinen Tag zu retten. Er teilt der Schwarmerotik des Platzes mit, dass Andrea ihr Handy seinen Besitzer sucht. Man beachte die fehlende Genderkonformität.
Nachdem sie den Abend nochmal Revue passieren lässt, repetiert sie nun genüsslich über die neuen Erkenntnisse. Sie hat zum Beispiel gelernt, was es mit einem Dubbeglas auf sich hat. Der Inhalt eines Dubbeglases aus der Weinlounge war unter anderem mit Schuld am Zustand der heutigen Befindlichkeit.
Sie hat auch etwas über die unendliche Liebe zwischen dem pfälzenden Pfälzer und dem saarenden Saarländer gelernt. Das Saarland, so heißt es, würde aus mehr als sich dahin mäandernden Saarschleifen bestehen. Wenn man nämlich aus dem Flieger hinab ins Saarland schaut, würde man auf einen vollkommenen Parkettboden schauen. Ich habe nur Fragezeichen vor Augen, ich kenne kaum Saarländer. Mir wird erklärt, dass dies daran liegt, dass die Saarländer gerne Flugzeugen nachschauen und alle ein Brett vor dem Kopf haben.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Glitter macht fitter#7 Mach das Mäh mal ei, denn pink macht frei

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Le Canard#8 Ohne Worte

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Dixieklomobil#9 Dixieklomobil, ein Hauch von Kalmit- Klappradrennen

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Bananenrad#10 Grundversorgung beim Rennen sichergestellt

Der Witz ist so flach, ich muss ihn mit Höhenmetern lustiger fahren. „Ich geh dann mal Radfahren“ verkünde ich meinen Mädels. So ganz spontan in den Wald zu fahren, ohne ihn zu kennen, wohingegen andere ihn nur aus der Dunkelheit kennen, verspricht ein gewisses Maß an Spaß.
Man erzählt sich Geschichten über die sagenumwobenen Trails im Pfälzerwald. Der Trail der Trails liegt eine Stunde von uns entfernt und hat es in die Top Ten der Trails geschafft, die man in seinem Leben gefahren haben muss. Wir geben uns mit weniger zufrieden und bauen die Spannung durch Reduktion der Teilnehmer auf. Der erste verabschiedet sich mit einer losen Kurbel, der zweite durch eine Orientierungsschwäche, zustande gekommen durch ein massives Trauma resultierend aus Baumfällarbeiten im Trail. Orientierungslos im Sattel finden wir den Weg zurück und fahren auf der Rennstrecke zurück in Richtung „Weidenthaler Wand“. „Kacke“!, hatte Phaty, der Prinz vom Erdbeertal, nicht ausdrücklich gesagt, dass das Training auf der Strecke verboten ist? Was sagen denn die Statuten zu banalem Radfahren auf der Strecke aus? Werde ich jetzt disharmonisiert und darf nicht mehr am Workshop „Erotik-Yoga für Freigelassene“ teilnehmen?

Diese Diskussion zu führen, wäre genau das probate Mittel neue Bekanntschaften zu machen, denn eins ist hier im Erdbeertal sehr schnell ziemlich sehhilfenbefreit. Hier laufen so viele verhaltensauffällige Zweiradsympathysanten durchs Geläuf, dass der Einzelne gar nicht die Chance hat, eine Doppelportion Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Eigentlich stehen die Großen sowieso nie im Mittelpunkt, denn hier ist es besser als beim Ponyreiten auf dem Bauernhof. Kinder, überall nur Kinder. Heulen, schreien, singen, meine Boden-Boden-Rakete mittendrin. Ich weiß nicht, was ich am Sonntag mit nach Hause nehmen werde, aber es wird definitiv etwas anderes sein.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Shan.n.s#11 auch schön

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Zwergenaufstand#12 Zwergenaufstand

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Flamingobar#13 pfälzische Flamingobar

Ein Leben zwischen Dixieklos und real nature und doch gibt es fließend Wasser zum duschen. Nur nicht hier! Dafür anderswo. Alder, fährt da ein Duschtaxi zwischen dem Zentrum des Seins und der Zivilisation, um uns zu zeigen, wie wichtig Taxifahrer in unserer Gesellschaft sind. Da schreit schon wieder jemand „Wacken“ über den Platz und keiner antwortet mit „Helga“.
Die Seifenblasenmaschinerie des Nachbarzelts blubbert schon wieder vor sich hin und als es dämmert ertönt aus den Lautsprechern der Blockhausessenszentrale der Soundcheck der angereisten Bands „Tourettes“, „Firstborn Unicorn“ und „Schlammbein“. Das folgende ist so banal-genial, dass es keinen Ausdruck dafür gibt.

Phaty kommt morgens am Zelt unserer Nachbarn vorbei und fragt mit Nachdruck und zielgerichtet unseren Cowboystiefel tragenden Karlson vom Dach, ob er heute Nacht wieder nackt Rad gefahren wäre. Die Fotos von vorgestern wären auf jeden Fall in seinem Besitz. Auf die Frage woher er das weiß, da er auf seinem Weg doch nur zwei Frauen getroffen hätte, antwortet Phaty im Sinne des Prinzen vom Erdbeertal: „Wie meinst du könnte ich sonst dieses Imperium zusammen halten“?
Ein Lob an die Verpflegung, drei Tage perfekte Versorgung sichergestellt durch den Weidenthaler Turnverein.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Lob an die Versorgung#14 Ein Lob an die Verpflegung, drei Tage perfekte Versorgung sichergestellt durch den Weidenthaler Turnverein.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Einhornrock#15 Einhornrock

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Firtborn Unicorn#16 Eskalation

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Gruß aus dem 29er Forum#17 Gruß aus den 29er Forum

So jung und schon disqualifiziert

Der Tag beginnt zwischen all den vielen unorganisierten Möglichkeiten, die dieses Festival für liebende Radverliebte so zu bieten hat. Darüber hinaus gibt es wirklich überall Gelegenheit sich zwischen dutzenden Coleman Event Pavillons aufhalten zu lassen bis das zweite Highlight des Tages startet. Highlight Nummer eins, das Singlespeedrennen habe ich als Eingangfahrer einfach mal zwischen einer Weinschorle und Pfälzer Dialekt verpasst. Egal, denn es gibt wohl keine gemeinschaftsförderndere Maßnahme, als ein Kinderrennen. Natürlich gibt es immer ein paar zu ernst genommene Ambitionen, die Eltern ihren Kindern überstülpen, jedoch ist der Spaß den Kindern anzusehen. Der erste Start ist schon mal für´n Arsch. Phaty schnappt sich den Early Bird am Kragen. So jung und schon disqualifiziert, stopft er ihn zurück in die Startreihe. Sekunden später heißt es Deckung zu suchen, bevor die Meute mich als erstes ernstzunehmendes Hindernis wahrnimmt.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Lärmschutz#18 Der Arbeitsschutz und eine angepasste PSA dürfen nicht zu kurz kommen.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Massenstart Singlespeedrennen#19 Massenstart zum Singlespeedrennen

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_artgerechtes Verhalten#20 artgerechtes Verhalten eskalativer Gangverweigerer

Rennen aus – MickeyMaus! Und weil jeder ein Sieger ist, bekommt auch jeder einen Preis ausgehändigt. Jeder??? Gunnar Fehlau, seines Zeichens nun wirklich ein netter Mensch, wenn man sich diesen tränenheraufbeschwörenden Gesichtsausdruck wegdenkt, hat Schweißperlen auf der Stirn stehen. Wo kommen nur all diese Kinder her? SIS-Liebhaber sind anscheinend sehr gebärfreudig unterwegs. Um so schlimmer, dass mit der Zeit Gunnars Schweißperlen den Duft von Angst annehmen, da die Gefahr besteht irgendeinem Kind kein Geschenk mehr aushändigen zu können. An dieser Stelle möchten namentlich erwähnte Personen, Zeitzeugen und ich ihre Abscheu den Eltern gegenüber zum Ausdruck bringen, die sich nicht mit einem Präsent zufrieden geben können. SIS kann auf eure zur Schau gestellte Disharmonie verzichten, da muss für nächstes Jahr dran gearbeitet werden. Phaty glaubt an euch, ihr schafft das.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_fullllgaaaazzzz#21 fulllllllgazzzzzz

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Kidsrace#22 Vorsicht der Kinderfresser naht

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Start Kidsrace#23 Vorsicht die Meute ist gestartet

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_ Zwergenaufstand#24 Zwergenaufstand

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Zieleinlauf#25 Zieleinlauf

Zwei Mischmaschteller und ein Bier später ist es Zeit, sich mental auf die kommende Nacht vorzubereiten. Einfach mal zwei schwitzend, behaarte Bäuche aneinander reiben oder sich lieb halten, tief durchatmen und das Lampenfieber bei unzähligen Gelegenheiten einer Weinschorle wegatmen. Eine Proberunde lässt erahnen, dass ich übersetzungstechnisch wohl ins Klo gegriffen habe, jedoch erlebnisorientiert den Jackpot gezogen habe.

Muschvomvenn_Schlaflos im Sattel_Tal der Liebe#26 Das Tal der Liebe

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Mischmaschteller#27 So sieht ein glücklicher Mischmaschteller aus.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Bididu Cycles#28 Der Mann der mit seiner Biegevorrichtung Musik in Stahlrahmen zaubert.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Portus Cycles#29 Portus cycles Alex vor Ort beim sinnbefreitem Löten

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Portus Cycles Laufrad#30 Es wird ein Laufrad und es fährt im Rennen

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Portus Cycles Probefahrt#31 Probesitzung

Der wahre Mann fährt auch ohne Gang.

Startaufstellung, vor mir stehen zwei behaarte Männer im Ballerinaröckchen, hinter mir Asterix und Obelix, rechts ein Drache und links KingKong. Ich sitze auf einem Karussell, wenn ich mich jetzt dreimal drehe gibt es ein neues Gesamtbild. Ich schwitze, habe enormen Leistungsunterdruck. Ich habe Angst, disqualifiziert zu werden, weil ich den aneroben Bereich auf meiner Pulsuhr betreten könnte.
„ICH SCHWÖRE“… hunderte Arme heben sich in die Luft und paarweise formen Hände ein Herz. Phaty steht hoch oben auf seinem Startbogenturm und hebt andächtig die Stimme zum Schwur.

„Ich schwöre – dass ich mich auf dem Trail – nicht wie ein Arschloch benehme – Sonst soll mich der Blitz beim kacken treffen – Danke schön – Bitte schön“

Lichter an – Reed zählt den Countdown über eine Tonbandaufnahme herunter und zu „also sprach Zarathustra“ geht es los. Die erste Runde fahren wir noch unter neutralisierter Aufsicht des Rundenkönigs Dirk Hemmerling. Unter Missachtung des in der zweiten Runde zu fahrenden neuen “Reed Trails“ mit dem „Hemmerling Drop“ geht es ab in den Wald. Zwei Strassenpartys später gibt es die erste Welle wegzudrücken, dann noch eine und ab geht es auf den langen Weg zurück ins Tal der Liebenden. Pfälzer Waldwege können ein Arschloch sein. Der sporadisch eingeregnete, sandige Boden verweigert sich dem Wirkungsgrad meines leichtlaufenden Reifenprofils. Hier läuft garnix leicht, ausser es ist kapillarresistent verdichtet.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Schwur#32 der Schwur

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Die Trompete#33 die Trompete

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_die letzte Minute#34 die letzte Minute

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_der Start#35 der Start

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_auch mit Gangbang#36 auch mit Gangbang

Am Weißenbach die nächste Party mit Schwedenfeuer und Schnapszapf auf die die Senioren-Schlagerparty kurz vor der Weidenthaler Wand folgt. Hier gibt es den ersten Teil der Lektion, die mich eine ganze Nacht verfolgen wird. Als Mann ohne Gang einen Anstieg von 205 hm auf einer Länge von 3100 m im Wiegetritt zurück zulegen, ist auf der ersten Runde noch lustig, auf der zweiten Runde lästig und auf der dritten ein widerlich, garstig Ding. „Wählen Sie bitte an ihrem Singlespeeder die richtige Übersetzung“, ertönt es höhnisch aus dem Downhill, weil hier die Wahl der Übersetzung sowas von egal bis nichtig ist.

Während Andrea es in Runde vier übernommen hat im Verpflegungszelt zu helfen zwölf Kilo Leberwurst auf die Brote zu bekommen, verrichtet Lena am Zapf des Pfirsichtees ihren Dienst am schlaflosen Radler. Andrea fragt sich, welchen Mix sich der DJ da zusammengebastelt hat, indem immer ein Freizeichen eines Telefons zu hören ist. Ein freundlicher Lewwerwuurschbrotvertilger klärte sie dann auf, dass es sich dabei nur um das Transpondersignal der sich einloggenden Fahrer handelt. Als SIS-Neuling lernst Du nicht aus. Fabian vom Team Big Wheels hat das Fahren eingestellt und sich auf die musikalische Unterhaltung im Zielbereich konzentriert. Lena mag den sonoren Klang der Beats aus der Anlage, sie nennt es Bambusmusik.

Weidenthaler Wand, ich steige dann mal ab und probiere mal das ärgste Steilstück schiebend, während ein Singular Eingänger sitzend an mir vorbei zieht. Nette Übersetzung denke ich und steige hinterher. Lena berichtet mir schockiert vom nackten Mountainbiker. Schön, dass jemand wieder mal die Zeit gefunden hat, sich auf die wesentliche Kleiderordnung zu beschränken.

Runde um Runde, die Partys am Strassenrand werden leerer, jedoch nicht leiser. Immerfort nutzen Biker die Gelegenheit der Versuchung nicht zu widerstehen und in die Partystimmung einzutauchen. Einfach mal Abstand vom Radfahrstress rund um Downhill und Weidenthaler Wand zu nehmen ist ganz wichtig um seine Persönlichkeit im Gleichgewicht zu halten.

Zwei Uhr, es wird kalt, ich ziehe mich um. Die Feuchte zieht runter ins Tal. Die 12 kg Leberwurst sind weg, die 20 Weißbrotzöpfe, 3 Kartons Nussnougatcreme und die 10 kg Spreewaldgurken auch. Obst ist noch da wie auch Schokolade, obwohl auch hier langsam der Boden im Karton erkennbar ist.
Der Partyenthusiasmus der Pfälzer lässt merklich nach, der Durst der Verbliebenen aber nicht.
Die Weidenthaler Wand schiebt sich beim sieben Mal nicht wirklich besser. Man kann sich jedoch dem Mitleid der Schaltgetriebenen gewiss sein, auch sie leiden nun spürbar an den Prozenten.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Klapprad leuchtet#38

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Transponderstation#39

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Fatbike leuchtet#40

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_durch die Nacht#41

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Glühwürmchen#42

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Streckenposten#43

4.35 Uhr ich entscheide mich nur noch eine Runde zu fahren, ich will kein Streber sein. Lena hat ausgezapft und Andrea sitzt mit einer neuen Bekanntschaft an der leberwurstbefreiten Theke, um einer Flasche Berentzen in den Glascontainer zu verhelfen. Ich setze mich dazu und warte auf die Dämmerung als letzten Ansporn auf eine letzte finale Runde. 5.10 Uhr und Kumpel Marc kommt vorbei und lädt mich zum Händchen halten in den Sonnenaufgang ein. Da kann ich nicht nein sagen. Diese Runde wird nicht gelitten, sie wird einfach weggequatscht, bevor es Punkt 5.59 Uhr über die Ziellinie geht.
Zwei Stunden später und der letzte höchst offizielle Teil offenbart sich so wie man es vom Prinzen des Erdbeertals gewohnt ist. Mit dieser lieblich schroffen Art, die einem nur im ersten Moment einmal kurz über das Gesagte nachdenken lässt, eröffnet Phaty polternd die Siegerehrung. Wer diese aggressiv-arroganten Liebkosungen, diesen Inbegriff von Herzensgutmenschen nicht aushält gehört nicht hierher. Und dann fließen ein paar Tränen und die Heulsusen unter uns lassen sich anstecken. SIS ist mehr als nur ein abstraktes Renn-Event, eine Hippieparty. Nein SIS ist auch Teilnahme am Menschen, ob aus der SIS-Gemeinschaft oder auch an den Menschen in der Gegend, die das alles hier erst möglich machen. Team REED ist gelebt, genauso wie der Betrag zum neuen Toilettenhaus des Sportvereins und all den anderen Initiativen der letzten Jahre, bei denen Menschen aus dem Umfeld von SIS geholfen wurde eine dunkle Zeit im Licht der Gemeinschaft zu überstehen.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Finnish#44 Wir haben dann mal fertig.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Morgengrauen#44 Morgengrauen

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_einfach mal schlafen#45 einfach mal schlafen

Muschivomvenn_Schlaflos im Satte_Papabär#46 Papabär passt auf

Was wie Arroganz aussieht, hat jedoch hinter dem Zaun nur mit Klasse zu tun.

Wir fanden euch alle toll, prächtige Menschen mit teilweise phänomenalen Aussetzern. Jahrelang standen mir meine Ambitionen bei den 24h in Duisburg im Wege, bevor ich dieses bescheuerte Bewerbungsgespräch am Orange-Stand der Eurobike 2016 mit Phaty hatte. Zwei Köter, von denen der eine weiß, dass er die dickeren Eier hatte beschnüffelten sich eine halbe Stunde bevor sie sich entschieden, sich lieb zu haben.

Nach soviel Begeisterung für das emotionale im Event, muss ich nun aber zum Ende auf die Spaßbremse treten. Während andere Events damit kokettieren, innerhalb von Minuten ausgebucht zu sein, schafft SIS diese Möglichkeit nun vollends ab. Ab 2018 wird es keine Möglichkeit mehr geben als Neueinsteiger am Event über offizielle Wege teilnehmen zu können. Die örtlichen Gegebenheiten und der logistisch und personell hohe Aufwand wird mittelfristig zu einer Verkleinerung des Events führen, damit es weiterleben kann. Somit werden im Januar 2018 personalisierte Einladungen verschickt werden und damit die Anmeldung über andere Kanäle endgültig abgeschafft werden. Was nun äusserst spießig, arrogant und elitär klingt, findet am Ende nur statt, um „Schlaflos im Sattel“ als Event für die Zukunft zu erhalten. Und darum liebt euch alle ein wenig weiter.

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_Rucksack#47 Wir packen dann mal unseren Rucksack …

Muschivomvenn_Schlaflos im Sattel_bis nächstes Jahr#48 … bis nächstes Jahr

Video: Schlaflos im Sattel 2017

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi